G7-Gipfel Wie lange hält die Gipfelharmonie mit Trump?

Michael Fischer und Ansgar Haase, dpa
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Von Michael Fischer und Ansgar Haase, dpa
| 17.06.2026 02:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die G7-Staaten konnten sich in diesem Jahr gleich auf mehrere Erklärungen einigen. Foto: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa
Die G7-Staaten konnten sich in diesem Jahr gleich auf mehrere Erklärungen einigen. Foto: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa
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Der Iran-Krieg hat die USA und die Europäer entzweit. Die Hoffnung auf Frieden bringt sie nun wieder zusammen. Das bietet neue Chancen. Fragt sich nur, wie lange das hält?

„Love Is a Long Road.“ Mit diesem Song von Tom Petty über eine schwierige Liebesbeziehung hat der französische Präsident Emmanuel Macron auf Instagram die Ankunft von US-Präsident Donald Trump beim G7-Gipfel im französischen Évian unterlegt. Das konnte kaum anders gedeutet werden als eine Anspielung auf das kriselnde Verhältnis zwischen Trump und seinen europäischen Verbündeten. 

Nach drei gemeinsamen Tagen der Staats- und Regierungschefs führender westlicher Wirtschaftsmächte am Genfersee haben sich beide Seiten unter dem Eindruck des nahenden Endes des Iran-Kriegs aber wieder deutlich angenähert. Ob die Gipfelharmonie wirklich haltbar ist, wird sich aber erst noch zeigen. 

Das sind die wichtigsten Lehren aus dem Spitzentreffen:

Die G7 lebt

Der Sinn der Gipfel führender westlicher Industrienationen ist in den 51 Jahren seit Gründung der G7 (damals noch als G6) immer wieder infrage gestellt worden. Das gilt vor allem für Trumps Regierungsjahre. Der hat als erster eine Gipfelerklärung aus Verärgerung nachträglich platzen lassen und im vergangenen Jahr reiste er einfach einen Tag früher ab. 

Diesmal bleibt er bis zum Schluss. Vielleicht, weil er unbedingt am Abend noch mit Macron im Schloss Versailles speisen will. Aber es dürfte auch am Verlauf des Gipfels gelegen haben. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schwärmte von „einer wirklich großen transatlantischen und europäischen Einigkeit“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der Gastgeber, bezeichnete den Gipfel als „Moment des strategischen Erwachens“. 

Die G7-Staaten konnten sich in diesem Jahr gleich auf mehrere Erklärungen einigen. Foto: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa
Die G7-Staaten konnten sich in diesem Jahr gleich auf mehrere Erklärungen einigen. Foto: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa

Die Hoffnung auf Frieden im Iran schweißt zusammen 

Grund für die neue Harmonie ist die Rahmenvereinbarung über eine Beendigung des Iran-Kriegs, mit der Trump an den Genfersee gereist war. Das noch gar nicht in Gänze öffentlich bekannte Papier wird zwar schon von vielen für zu große Zugeständnisse an den Iran kritisiert. Aber trotzdem ist die Erleichterung über ein Ende der Kämpfe und die bevorstehende Öffnung der Straße von Hormus, der weltweit wichtigsten Handelsroute für Öl, groß. Davon erwartet man sich vor allem ein Ende der Energiepreiskrise. 

Es gibt aber noch einiges zu tun. Dazu gehört die Aushandlung eines neuen Atomabkommens ebenso wie die Minenräumung und die Sicherung der Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus. Bei letzterem Punkt kommen die Europäer ins Spiel. Sie wollen in den nächsten Tagen und Wochen eine Militärmission auf die Beine stellen.

Die Europäer sehen eine Chance auf Frieden in der Ukraine

Die Europäer sehen nun eine Chance, dass es auch bei den Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs zu einem Durchbruch kommen kann. Erstmals seit langem sehen sie sich dabei wieder auf einer Linie mit Trump, der während des Iran-Kriegs das Interesse an dem Konflikt verloren zu haben schien. Nun einigten sich die Staats- und Regierungschefs - inklusive Trump - beim G7-Gipfel sogar auf eine gemeinsame Erklärung. Darin heißt es, man werde die Sanktionen verschärfen, auch im Öl- und Gassektor. Zudem habe man vereinbart, die Lieferung von weitreichenden Waffen und Luftverteidigungskapazitäten auszuweiten. 

Der US-Präsident selbst forderte Russland auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren: „Russland sollte sich auf einen Deal einlassen“, sagte er. Eine konkrete Zusage, dass die Europäer bei einer neuen Verhandlungsrunde mit am Tisch sitzen, gab es aber nicht.

Selenskyj kann mit dem Gipfel auch zufrieden sein. Foto: Vadim Ghirda
Selenskyj kann mit dem Gipfel auch zufrieden sein. Foto: Vadim Ghirda

Die Voraussetzungen für den Nato-Gipfel verbessern sich

Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel. Der Verlauf des G7-Treffens könnte einen positiven Effekt auf den Nato-Gipfel am 7. bis 8. Juli in Ankara haben. Trump hatte in den vergangenen Monaten mehrfach seine Enttäuschung über die Reaktion von europäischen Verbündeten auf die Operationen im Iran geäußert und mit Konsequenzen gedroht. US-Außenminister Marco Rubio machte am Rande eines Vorbereitungstreffens in Schweden deutlich, dass Trump davon überzeugt werden muss, dass die Verteidigungsallianz noch einen Mehrwert für die Vereinigten Staaten hat.

Mit einer von den Europäern geführten Militärmission in der Straße von Hormus könnte das gelingen. In der Nato gibt es die Hoffnung, dass dies das Konfliktpotenzial beim Gipfel deutlich senken könnte. Das hofft auch der Kanzler. „Insofern, glaube ich, haben wir jetzt auch viele Voraussetzungen geschaffen, um den Nato-Gipfel zu einem Erfolg zu machen“, sagte er zum Abschluss des G7-Gipfels.

Merz‘ Trikot-Offensive zündet nicht 

Merz und Trump hatten sich zu Beginn der Amtszeit des Kanzlers ziemlich gut verstanden. Dann verärgerte der CDU-Chef den US-Präsidenten mit seiner Kritik am Iran-Krieg. Trump kündigte im Gegenzug den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland an. Das Verhältnis der beiden gilt seither als beschädigt. 

So richtig happy ist Trump mit seinem Geschenk offensichtlich nicht. Foto: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa
So richtig happy ist Trump mit seinem Geschenk offensichtlich nicht. Foto: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa

Merz versuchte in Évian, die Stimmung mit einem Geschenk zum 80. Geburtstag wieder aufzuhellen: einem Deutschlandtrikot mit der Nummer 47 für den 47. US-Präsidenten. Die Geste zündete nicht so richtig. Trump zeigte sich nicht so richtig begeistert, lächelte nur höflich und legte das Präsent dann schnell zur Seite. 

Ein bilaterales Gespräch der beiden zur Aussprache gab es auch nicht. Merz nahm es gelassen. Es gebe „da überhaupt keine Einschränkungen auch des persönlichen Miteinanders“, sagte er. Nach inniger Freundschaft hört sich das aber nicht an.

Morgen kann schon wieder alles anders sein

„Schließlich spielen wir im selben Team.“ Mit diesen Worten begründete Merz sein Geschenk an Trump auf X. Ob Trump das auch so sieht, ist fraglich. Er begrüßte die anderen Staats- und Regierungschefs zu Beginn einer Arbeitssitzung mit den Worten. „Ich bin der Boss.“ 

Wie auch immer der US-Präsident solche Sprüche meint. Am Ende bleibt trotz aller Entspannung in den transatlantischen Beziehungen nach dem Gipfel in Évian die Gewissheit, dass morgen wieder alles anders sein kann mit Trump. Das haben die europäischen Verbündeten schon zu oft erlebt - auch Merz.

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