Zwölfter Verhandlungstag Fall Fabian: Sprach die Angeklagte ein Alibi ab?

dpa
|
Von dpa
| 16.06.2026 10:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Angeklagte betritt den Gerichtssaal mit rotem Aktendeckel vor dem Gesicht. Foto: A7120 Bernd Wüstneck
Die Angeklagte betritt den Gerichtssaal mit rotem Aktendeckel vor dem Gesicht. Foto: A7120 Bernd Wüstneck
Artikel teilen:

Im Fall Fabian war die Angeklagte zweimal am Fundort des Leichnams, bevor sie sich bei der Polizei meldete. So schildern es Zeugen. Auch über ein passendes Alibi wurde gesprochen.

Die wegen Mordes an dem achtjährigen Fabian angeklagte Frau ist auch nach der Schilderung eines zweiten Zeugen schon einen Tag vor dem offiziellen Fund der Kinderleiche am Fundort gewesen. Sie habe ihn am 13. Oktober 2025 abends eine Nachricht geschickt und gebeten, mit ihr zum Tümpel bei Klein Upahl zu fahren. Sie seien dann mit seinem Auto dorthin gefahren. „Dann habe ich den Jungen da halt liegen sehen“, sagte der Zeuge am zwölften Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock.

Beide trafen kurz vor Mitternacht an dem Tümpel ein, den die Angeklagte laut Zeuge als „Schweinesuhle“ bezeichnete. Sie habe ihn dann gebeten, er solle den Leichnam anleuchten und dann gemeint: „Das ist zu 100 Prozent Fabian.“ Eine emotionale Reaktion habe sie nicht gezeigt, allerdings beim Tümpel noch gesagt, dass der Leichnam gebrannt habe oder angezündet worden sei. Auf der Rückfahrt habe die Angeklagte gelacht, wobei sie ihm sagte, dass sie nicht mehr weinen könne und sich das dann oft bei ihr in Lachen umkehre.

„Das glaubt uns kein Schwein“

Laut dem Zeugen waren er und die Angeklagte ungefähr eine Minute an dem Tümpel, bevor sie wieder zurück in das wenige Kilometer entfernte Dorf im Landkreis Rostock fuhren, in dem beide als Nachbarn wohnten. Die Angeklagte habe noch gefragt, ob sie die Polizei informieren sollten. „Was willst Du der Polizei denn erzählen? Das glaubt uns kein Schwein“, habe er daraufhin geantwortet. Erst am nächsten Morgen habe man dann darüber gesprochen.

Bereits vorige Woche hatte ein anderer Zeuge vor der Schwurgerichtskammer ausgesagt, dass er am selben Abend nur wenige Stunden zuvor mit der Angeklagten an dem Tümpel war. Die Angeklagte selbst informierte die Polizei erst am 14. Oktober und sagte, sie habe den Leichnam des Kindes zufällig beim Spaziergehen mit dem Hund entdeckt. Dabei wurde sie von einer Bekannten begleitet.

Alibi abgesprochen?

Breiten Raum der Vernehmung nahm auch eine Absprache zwischen der Angeklagten und dem Zeugen über den Tagesablauf am 10. Oktober ein. Dazu wurde im erneut bis auf den letzten Platz besetzten Saal 2.002 ein abgehörtes Telefonat zwischen beiden vom 21. Oktober vorgespielt, in dem beide Absprachen für ein Alibi trafen. 

Die Angeklagte schweigt bislang vor Gericht zu den Vorwürfen. Foto: A7120 Bernd Wüstneck
Die Angeklagte schweigt bislang vor Gericht zu den Vorwürfen. Foto: A7120 Bernd Wüstneck

Sollte der Zeuge bei der Polizei irgendetwas sagen, was nicht passe, würde sie abgeholt, fürchtete die Angeklagte. Sie habe Angst, dass man ihr etwas anhängen und in die Schuhe schieben wolle. Der Zeuge beschrieb die Angeklagte als manipulativ und mitunter aufbrausend. Wenn man länger mit ihr spreche, dann gebe es keine Widerworte. „Da wird schön zugestimmt. Wenn Widerworte kommen, dann gibt es eine Explosion.“

Der Zeuge selbst konnte sich nicht mehr konkret an den Tagesablauf am 10. Oktober, einem Freitag, erinnern. Er sei „heilfroh“, dass die Angeklagte, die er seit 2020 kenne, ihm da geholfen habe. Damals habe er aussagen sollen, dass er am Vormittag mit ihr zusammen gewesen sei und dann mit ihrem Hund spazieren war. Laut Anklage starb Fabian am 10. Oktober zwischen 10.50 Uhr und 13.00 Uhr an dem Tümpel.

Auch Fabian war Streitthema

Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-jährigen Deutschen vor, das Kind mit sechs Messerstichen getötet und dann angezündet zu haben. Die Frau, die seit 7. November 2025 in Untersuchungshaft sitzt, schweigt bislang zu den Vorwürfen. Sie ist mit Fabians Vater liiert, mit dem sie eine jahrelange „Off-/On“-Beziehung führte. Beide hätten sich oft angeschrien und auch beschimpft. Auch Fabian sei ein Streitthema zwischen beiden gewesen, so der Zeuge.

Die unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfindende Verhandlung stößt weiter auf großes öffentliches Interesse. Im großen Saal verfolgten über 130 Besucher sowie zahlreiche Medienvertreter den Prozess, der am Donnerstag fortgesetzt wird. Dann soll die Bekannte gehört werden, die am 14. Oktober mit ihr spazieren und als Dritte am Fundort gewesen sein soll. Zudem sind drei Polizeibeamte als Zeugen geladen, die zur Auffindesituation von Fabians Leiche aussagen sollen.

Ähnliche Artikel