Vor Relegation gegen Paderborn Der Retter? Wolfsburgs Hoffnung heißt Hecking

Sebastian Stiekel, dpa
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Von Sebastian Stiekel, dpa
| 20.05.2026 12:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Gibt in Wolfsburg die Richtung vor: Trainer Dieter Hecking. Foto: Philipp Szyza
Gibt in Wolfsburg die Richtung vor: Trainer Dieter Hecking. Foto: Philipp Szyza
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Der VfL Wolfsburg geht als klarer Favorit in die beiden Relegationsspiele gegen Paderborn. Dass sich der Bundesligist in dieser Saison überhaupt noch retten kann, hat vor allem mit einem Namen zu tun.

Der Gegner heißt SC Paderborn und doch nicht Hannover 96: Und deshalb hat Dieter Hecking schon vor dem Beginn der Bundesliga-Relegation an diesem Donnerstag erst einmal durchgeatmet. Der Trainer des VfL Wolfsburg war auch mal Trainer und Spieler in Hannover. Sich ausgerechnet mit seinem Herzensverein um den letzten freien Platz in der Fußball-Bundesliga zu streiten: Das wollte Hecking sich gern ersparen. 

Wie lange der 61-Jährige nun schon im Geschäft ist, sieht man aber auch daran, dass ihn selbst mit dem SC Paderborn noch eine gemeinsame Geschichte verbindet. Von 1994 bis 1996 spielte Hecking für den Vorgängerverein TuS Paderborn-Neuhaus - in einem Team mit seinen heutigen Trainerkollegen Roger Schmidt und Daniel Farke. Fast 42 Jahre nach seinem ersten Bundesliga-Einsatz im November 1981 kennt er in dieser Branche beinahe alles und jeden.

Hecking: „Solche Spiele elektrisieren“

„Ich habe auch Druck. Den spüre ich doch auch. Solche Spiele elektrisieren“, sagte Hecking vor dem Relegations-Hinspiel an diesem Donnerstag (20.30 Uhr/Sat.1 und Sky) in der Volkswagen Arena. „Ganz Fußball-Deutschland wird sich am Donnerstagabend vor dem Fernseher versammeln. Ich empfinde das aber nicht als negativen Druck. Denn auch wenn jetzt alle sagen: Wolfsburg hat mehr zu verlieren. Aber auch wir haben etwas gewonnen - nämlich, dass wir diese beiden Spiele jetzt noch spielen dürfen.“

In Wolfsburg sind sich viele sicher: Wäre Hecking nicht am 8. März als Trainer zum VfL zurückgekehrt, wäre der Volkswagen-Club schon längst direkt abgestiegen. Dann würden jetzt der FC St. Pauli oder der 1. FC Heidenheim in der Relegation spielen.

„Er kam mit seinem Charisma und seiner Aura“, sagte Christian Eriksen bei Sky über Hecking. „Seine Erfahrung aus ähnlichen Situationen in der Vergangenheit überträgt sich auf die Spieler und wir profitieren davon. Er hat die Mannschaftsdynamik, die Rollenverteilung und die Spielidee verändert. Jetzt sind wir konstanter und wissen, was wir auf dem Platz machen müssen.“

„Charisma und Aura“: Eriksen lobt Trainer

Wenn der 34 Jahre alte Eriksen die Arbeit von Trainern bewertet, hat das Gewicht. Denn Dänemarks Rekordnationalspieler arbeitete bei Tottenham Hotspur oder Inter Mailand schon mit erfolgreichen Namen wie José Mourinho, Antonio Conte oder Mauricio Pochettino zusammen.

Von seinem Trainer überzeugt: Wolfsburgs Star Christian Eriksen. Foto: Christian Charisius
Von seinem Trainer überzeugt: Wolfsburgs Star Christian Eriksen. Foto: Christian Charisius

Hecking hat in Wolfsburg nie den großen Zampano gegeben. Er hat sich auch methodisch nichts einfallen lassen, was andere Trainer nicht auch schon probiert hätten. Aber Hecking punktete mit seiner Klarheit. Er führte einen Kader zusammen, der aufgrund seiner zwischenmenschlichen Probleme und der vielen Versäumnisse auf dem Transfermarkt schon als untrainierbar galt.

Fall Amoura - war da was?

Seine Kommunikation strahlt immer aus: „Ich weiß, was ich tue!“ Bei 33 Spielern auf der Gehaltsliste erkannte er sehr schnell: Den kann ich brauchen, und den nicht. Der Brasilianer Vinicius Souza kostete vor der Saison 15 Millionen Euro - und hat erst jetzt seinen richtigen Platz im Team. Der Slowake Denis Vavro sollte im Winter eigentlich verkauft werden - und ist jetzt der Abwehrchef.

Und wenn sich der beste und wertvollste Spieler im Training nicht an die Regeln hält, dann fliegt er auch mitten im Abstiegskampf aus dem Kader. Den Fall Mohammed Amoura moderierte Hecking so, dass er nie zum Problem wurde.

Jeder in Wolfsburg weiß: Das alles ist nichts wert, wenn der VfL am Donnerstag und Pfingstmontag in den beiden Spielen gegen Paderborn verlieren sollte. Im vergangenen Jahr sorgte Hecking beim VfL Bochum für einen ähnlichen Aufschwung - und stieg am Ende trotzdem ab. Die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns in Wolfsburg hat er in den vergangenen elf Wochen aber erheblich reduziert. „Ich habe das Gefühl“, sagte er, „meine Mannschaft ist zum richtigen Zeitpunkt da.“

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