Angebot für Commerzbank-Aktien Unicredit treibt Commerzbank-Übernahme voran

Jörn Bender, dpa und Steffen Weyer, dpa-AFX
|
Von Jörn Bender, dpa und Steffen Weyer, dpa-AFX
| 05.05.2026 07:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Schluckt die Unicredit die Commerzbank? (Archivbild) Foto: Michael Brandt
Schluckt die Unicredit die Commerzbank? (Archivbild) Foto: Michael Brandt
Artikel teilen:

Die Unicredit will mehr Kontrolle über die Commerzbank – trotz der Widerstände in Frankfurt und Berlin. Ist eine „feindliche“ Übernahme des Dax-Konzerns noch abzuwenden?

Mit einem offiziellen Übernahmeangebot erhöht die Unicredit den Druck auf die Commerzbank. „Ich glaube, dass man durch das Angebot die Dinge voranbringen kann“, sagte Unicredit-Chef Andrea Orcel den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX in Frankfurt. „Wir sind sehr offen für jeden Dialog, aber die Angebotsfrist ist nun einmal so, wie sie ist. Das Verfahren ist gesetzlich festgelegt.“

Nun läuft die Zeit: Wie angekündigt machte die italienische Großbank ihr Kaufangebot für sämtliche Anteile des Dax-Konzerns offiziell - einen Tag, nachdem ihre Anteilseigner der dafür notwendigen Kapitalerhöhung zugestimmt hatten. Bis zum Ablauf des 16. Juni will sich die Unicredit, die bereits knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile kontrolliert, weitere Anteile sichern, wie die Unicredit in Mailand mitteilte.

Aktientausch statt Barangebot

Die Italiener bieten kein Bargeld, sondern für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien. Das hatte die Unicredit bereits Mitte März angekündigt. Damals hieß es, das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März. Auf dieser Basis bewertet die Unicredit die Commerzbank mit knapp 35 Milliarden Euro. Nun rechnete die Unicredit vor, die Anteile seien auf Grundlage eines Drei-Monats-Durchschnittskurses 34,35 Euro wert. Die Offerte kann bis zum 3. Juli verlängert werden.

Die Commerzbank teilte mit, sie nehme „die Angebotsunterlage der UniCredit S.p.A. im Rahmen ihres unabgestimmten Übernahmeangebots zur Kenntnis“. Vorstand und Aufsichtsrat des Dax-Konzerns werden demnach das Angebot „sorgfältig prüfen“ und innerhalb der gesetzlichen Frist dazu eine begründete Stellungnahme abgeben. Das Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz verlangt dies „unverzüglich“, in der Praxis hat sich eine Frist von zwei Wochen als Regel etabliert.

Keine Kontrollmehrheit

Das Angebot bleibe sechs Wochen gültig, „was danach bei der Commerzbank geschieht, liegt in der Hand der Aktionäre“, sagte Orcel. „Wir glauben, dass wir viel Wert schaffen können, nicht nur für die Aktionäre, sondern auch für die Mitarbeiter und Kunden in Deutschland.“

Die Italiener erwarten nicht, mit ihrem Tauschangebot die Kontrollmehrheit bei dem Frankfurter Institut zu erlangen. Denn eine Commerzbank-Aktie kostet an der Börse derzeit um die 35 Euro. Daher gilt es als unwahrscheinlich, dass die Unicredit viele Commerzbank-Aktionäre überzeugen werden.

Das wahrscheinlichste Szenario sei, dass die Unicredit unter der Kontrollmehrheit von 50 Prozent bleibe, sagte Orcel. „Wie Sie wissen, haben wir klar zum Ausdruck gebracht, dass wir bislang kein Interesse daran haben, mehr Mitspracherecht zu erlangen“, betonte der Manager. „Unser Interesse gilt vielmehr der Umsetzung unserer Agenda und der Sicherstellung, dass die Commerzbank ihr volles Potenzial ausschöpft und sich wandelt.“

Der deutsche Staat will seine restlichen gut zwölf Prozent an der Commerzbank nicht verkaufen und setzt sich dafür ein, dass Deutschlands zweitgrößte Privatkundenbank eigenständig bleibt. „Ich denke, Regierungen entwickeln ihre Ansichten ebenso wie Führungskräfte weiter“, sagte Orcel. „Und wenn sie nicht verkaufen wollen, haben wir in Deutschland einen starken Partner, nämlich die Regierung. Und das ist großartig.“

Unicredit wirbt seit Monaten um Commerzbank

Die Unicredit habe seit Herbst 2024 versucht, mit verschiedenen Interessengruppen in Kontakt zu treten, um einen gemeinsamen Plan zu entwickeln, sagte Orcel. Das sei leider nicht gelungen. „Aber ich glaube fest daran, dass sich mit der Zeit die Vernunft durchsetzen wird. Und viele Fehlinformationen darüber, was wir tun würden, werden durch die Fakten widerlegt werden.“

Der Manager kritisierte die abwehrende Haltung der Commerzbank-Spitze. „Meine persönliche Meinung ist, dass Unternehmen nicht der Führung dieser Unternehmen gehören. Sie gehören den Aktionären, den Mitarbeitern und allen sogenannten Stakeholdern“, sagte der Unicredit-Chef. „Bessere Möglichkeiten nicht zumindest einmal auszuloten, ist unserer Meinung nach nicht richtig. Aber es liegt an der Commerzbank, zu entscheiden.“ Orcel betonte: „Wir waren, wir sind und wir werden immer offen für den Dialog sein.“

Commerzbank wehrt sich

Management, Betriebsrat und Belegschaft der Commerzbank wehren sich seit Monaten gegen das aus ihrer Sicht „feindliche“ Taktieren Orcels. Die Unicredit hatte im September 2024 einen Aktienverkauf des Bundes zum Einstieg bei der Commerzbank genutzt. Inzwischen kontrolliert die italienische Großbank direkt über Aktien und indirekt über Finanzinstrumente 29,99 Prozent der Commerzbank-Anteile. Für weitere 2,65 Prozent hat sich die Unicredit den Kaufpreis der Papiere gesichert, aber nicht das Kaufrecht selbst.

Die Unicredit verspricht sich bei einer Übernahme der Commerzbank Vorteile im Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden in Deutschland. Hierzulande ist die Unicredit schon mit ihrer Tochter Hypovereinsbank (HVB) vertreten, was Einsparungen ermöglichen würde. Gewerkschaften befürchten einen „Kahlschlag“ bei der Commerzbank wie einst bei der HVB.

Orcels Umbauplan

Orcel präsentierte jüngst einen Plan für den Fall einer Commerzbank-Übernahme, demzufolge etwa 7.000 Vollzeitstellen in Deutschland wegfallen könnten. Das Auslandsnetz der Commerzbank hält die Unicredit für „überdimensioniert“ und „ineffizient“. Orcels schonungsloses Fazit: Der derzeitige Kurs der Commerzbank werde „mittelfristig ihr Überleben gefährden“.

Den Vorwurf, die Unicredit rede die Commerzbank öffentlich schlecht, um den Preis für weitere Anteile zu drücken, wies Orcel zurück. „Wir machen die Commerzbank nicht schlecht. Wir wollen, dass die Commerzbank den Wert realisiert, den sie realisieren kann“, betonte der Manager. „Aber wenn wir sagen, die Commerzbank soll den Wert realisieren, den sie realisieren kann, dann heißt es, wir zerlegten sie, wir zerstörten sie. Es tut mir leid, wenn man sich die Fakten ansieht, tun wir das nicht.“

Ähnliche Artikel