Private Transport-Aktion Der Wal und das Meer: Was wir wissen - und was nicht

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Von dpa
| 03.05.2026 04:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wo sich der Wal jetzt befindet, ist öffentlich nicht bekannt. Foto: Sebastian Peters/NEWS5/dpa
Wo sich der Wal jetzt befindet, ist öffentlich nicht bekannt. Foto: Sebastian Peters/NEWS5/dpa
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Der Wal ist freigesetzt - und jetzt? Nach der aufwendigen Transportaktion stellen sich viele Fragen. Zuallererst die, wo das zuletzt stark geschwächte Tier mittlerweile steckt.

Der mehrfach an der deutschen Ostseeküste gestrandete Buckelwal wurde in der Nordsee freigesetzt, so viel steht fest. Ob das Tier nun „Timmy“, „Hope“ oder sonst wie genannt wird - die tagelange Reise des Schiffskonvois der privaten Initiative verfolgten Tausende Menschen, auch über die deutschen Grenzen hinaus. Knapp 24 Stunden später bleiben aber etliche Fragen offen. 

Was wir wissen

  • Das Tier wurde am Samstagmorgen in der Nordsee freigesetzt. Das geht aus den Angaben der Initiative sowie aus den Livebildern des Anbieters News5 hervor. Der Lastkahn, in dem der Wal transportiert wurde, ist leer. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe um kurz nach 09.00 Uhr befand sich der Konvoi etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak.
  • Das Begleitschiff „Robin Hood“ und der Schlepper „Fortuna B“ verließen diese Position. Im Verlauf des Samstags näherten sie sich der dänischen Küste, ehe sich ihre Wege trennten.
  • Zahlreiche Experten halten an ihrer sehr kritischen Bewertung fest. Bereits die Bergung war gegen den Rat vieler Wissenschaftler, Fachinstitutionen und Tierschutzorganisationen erfolgt. „Wir können den Wunsch, dem Tier zu helfen, nachvollziehen, schätzen seine Überlebenschancen aber als minimal ein“, sagte Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace. Die mehrfache Strandung gilt als klares Anzeichen dafür, dass der Wal krank war, als er die deutsche Küste erreichte. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass das Tier extrem geschwächt ist.
  • Das Interesse an dem Buckelwal ist groß. Die Livebilder wurden tausendfach aufgerufen, in den sozialen Medien überschlugen sich die Kommentare - mit einer Bandbreite von genervt über emotional bis hin zu fanatisch. Der Wal ist in den vergangenen Wochen für eine Reihe von Menschen zu einer Art Symbol geworden - wofür genau, ist je nach Deutung unterschiedlich.
  • Sollte der Wal an der dänischen Küste stranden, wird es keine erneute Bergung geben. Strandungen seien „ein natürlich vorkommendes Phänomen“ und Wale sollten generell „nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört“ werden, teilte das dänische Umweltministerium der Deutschen Presse-Agentur mit. Ähnlich dürften sich Schweden und Norwegen verhalten.

Die Geschichte des Wals wurde von vielen Menschen verfolgt. Foto: Florian Wiegand
Die Geschichte des Wals wurde von vielen Menschen verfolgt. Foto: Florian Wiegand

Was wir nicht wissen

  • Die Position des Wals nach der Freisetzung ist zumindest öffentlich nicht bekannt. Die Initiative hatte angegeben, dass ein Peilsender an dem Tier angebracht worden sei. Eigentlich sollten die Daten dem Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt werden. Zumindest am Samstagmittag war das nicht geschehen.
  • Offen ist deshalb, ob der Sender funktionsgerecht angebracht wurde und Signale sendet. „Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das eine Katastrophe, auch für das „Rettungsteam““, teilte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter mit.
  • Auf Drohnenbildern von News5 war am Samstag zeitweise ein im Wasser schwimmender Wal zu erkennen - ob es sich tatsächlich um das freigesetzte Tier handelte, ließ sich nicht gesichert sagen.
  • Zum Gesundheitszustand des Wals zum Zeitpunkt der Freisetzung liegen keine offiziellen Angaben vor. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus sagte bei News5, es sei eigentlich vereinbart gewesen, dass ein Videosystem auf dem Transportschiff installiert werde, damit beauftragte Tierärzte den Wal weiter beobachten könnten. Das sei aber nicht erfolgt.

Da war er noch da - nun sollen eigentlich Daten des angebrachten Senders Aufschluss über den Wal-Verbleib geben. Foto: Philip Dulian
Da war er noch da - nun sollen eigentlich Daten des angebrachten Senders Aufschluss über den Wal-Verbleib geben. Foto: Philip Dulian

  • Von den finalen Momenten der Freisetzung existieren keine öffentlich zugänglichen Videoaufnahmen. Es ist deshalb offen, wie der Wal aus dem Transportschiff bugsiert wurde. Teile der Initiative kritisierten am Samstag, die Schiffsbesatzung sei grob vorgegangen. Die Bereederungsgesellschaft des Begleitschiffs „Robin Hood“ sprach in einem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, von einem Erfolg. Die Freisetzung sei in Abstimmung mit allen Beteiligten erfolgt, hieß es.
  • Noch keine Angaben gibt es zu den Kosten der aufwendigen Aktion über mehrere Tage auf hoher See. Finanziert wurde das Vorhaben von der aus dem Pferdesport bekannten Unternehmerin Karin Walter-Mommert und dem Mediamarkt-Gründer Walter Gunz. Innerhalb der Initiative war es in den vergangenen Tagen immer wieder zu Unstimmigkeiten gekommen, ein Teil des Personals wurde ausgetauscht.
  • Kaum abzuschätzen ist, ob tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt von einer „Rettung“ gesprochen werden kann. Nur mit Trackingdaten und damit dem jeweiligen Aufenthaltsort des Wals ließe sich transparent machen, ob sich das Leiden des Wals auf dieser Reise gelohnt hat, sagte Greenpeace-Experte Maack. Ritter erklärte, nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne. Auch die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzreste. Der Wal sei allen Anzeichen nach alles andere als fit.
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