Wiesbaden  Kurios, aber schön: So erlebte der VfL Osnabrück den Aufstieg auf dem Parkplatz im Bus

Susanne Fetter
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Von Susanne Fetter
| 02.05.2026 22:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Als Aufsteiger aus dem Bus: Torhüter Lukas Jonsson freut sich nach der Ankunft in Wiesbaden. Der VfL Osnabrück ist in der 2. Bundesliga. Foto: Malik Scherz/VfL
Als Aufsteiger aus dem Bus: Torhüter Lukas Jonsson freut sich nach der Ankunft in Wiesbaden. Der VfL Osnabrück ist in der 2. Bundesliga. Foto: Malik Scherz/VfL
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Der VfL Osnabrück ist zurück in der 2. Fußball-Bundesliga. Den Aufstieg erlebten Mannschaft und Trainerteam auf etwas kuriose Art und Weise im Bus auf dem Weg nach Wiesbaden und dem Parkplatz des Mannschafthotels. Die sportlich Verantwortlichen saßen im Auto. Die Freude war am Ende trotzdem riesig.

Etwas mehr als eine Viertelstunde war in Großaspach noch zu spielen, da bog der Mannschaftsbus des VfL Osnabrück gerade auf den Hotelparkplatz in Wiesbaden ein. Aussteigen wollte keiner, noch war die Partie nicht beendet, die den Lila-Weißen vorzeitig den Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga sicherte. Richtig spannend war es aber auch nicht mehr. Rot-Weiss Essen hätte einen Sieg benötigt, um dem VfL noch ansatzweise gefährlich zu werden. Stattdessen lag RWE zu diesem Zeitpunkt schon hoch zurück und verlor am Ende gegen den VfB Stuttgart II mit 1:6. Einige Fans veränderten schnell ihr Tattoo vom letzten Aufstieg 2022/23. Aus „90+6“ wurde mit Hilfe eines dicken schwarzen Stiftes „90+6:1“.

Im Mannschaftsbus wurden die Tore der Stuttgarter ebenfalls bejubelt. „Mein Stream ging immer ein bisschen schneller als der der anderen, deshalb habe ich die Tore immer vorhergesagt. Anfangs hat mir aber keiner geglaubt. Später dann schon“, sagt Fridolin Wagner und lacht. Spätestens nach dem 3:0 sei die Stimmung dann ausgelassen gewesen, verrät der Mittelfeldspieler. Videos aus dem Bus zeigen, wie die Mannschaft mehrfach jubelte.

Den achten Aufstieg der Vereinsgeschichte erlebten Spieler und Trainer dann auf dem Parkplatz. Die letzte Viertelstunde blieben alle im Bus sitzen, um die Partie, die ihnen den vorzeitigen Aufstieg sicherte, noch zu Ende zu schauen.

Die ersten Gratulanten waren Joe Enochs (Direktor Fußball) und Daniel Latkowski (Technischer Direktor). Gemeinsam waren sie mit dem Auto aus Aachen gekommen, wo das Spiel der Alemannia gegen Hansa Rostock angeschaut haben. „Eigentlich wollten wir nach Mainz, um dort morgen ein U19-Spiel zu schauen. Im Auto haben wir die Essener-Partie verfolgt und sind dann bis nach Wiesbaden durchgefahren“, sagte Enochs. Und Latkowski verrät: „Wir wollten schnell da sein. Ein bisschen zu schnell - ich wurde sogar noch geblitzt.“ Viel drüber war er nicht, so dass das Knöllchen wohl im Rahmen bleibt. Empfangen wurde die Mannschaft auch von ein paar wenigen Fans, die ebenfalls im Hotel eingecheckt hatten. Danach gab es ein spontanes Jubeltänzchen in der Lobby.

"Ein bisschen komisch war es schon“, sagte Joe Enochs. Der Rekordspieler des VfL war 2007 mit dem Verein aufgestiegen und 2024 als Trainer mit Jahn Regensburg. „So aufzusteigen war etwas merkwürdig. Aber es war trotzdem ein schönes Gefühl, dass wir es geschafft haben. Wir freuen uns unheimlich.“

Auch Timo Schultz befand: „Das war ein Aufstieg, den ich hoffentlich so das erste und letzte Mal so erlebt habe - im Bus auf dem Parkplatz vorm Hotel.“ Dennoch freute sich natürlich auch der Aufstiegstrainer über das erreichte Ziel. In der vergangenen Woche hatte er noch angekündigt, dass es auch im Aufstiegsfall keine wilde Partynacht geben werde (“Wir werden uns nicht die Kajüte vollhauen“), am Samstag revidierte er seine Einschätzung ein wenig und verkündete: „Wir werden es heute krachen lassen. Die Jungs werde ich vermutlich nicht mehr einfangen.“

Im Hotel feierte die Mannschaft während Geschäftsführer Michael Welling und Mitarbeiter des Vereins in der Stadt unterwegs waren. „Es war ein besonderer Moment. Dass wir das geschafft haben, hätte vor eineinhalb Jahren niemand für möglich gehalten. Es war uns wichtig, dass so viele wie möglich dabei sind.“ Auch deshalb hatte der Verein für die Spieler, die nicht im Kader waren, noch kurzerhand ein Zimmer gebucht. Alle sollten am Abend noch zusammenkommen und die Rückkehr in die 2. Bundesliga feiern.

Am Sonntag kann die Mannschaft noch Meister werden. Entweder durch einen eigenen Sieg oder eine Cottbuser Niederlage. Die Partie von Energie (13.30 Uhr) beim MSV Duisburg wird an der Brita-Arena gezeigt. Auch wenn der Ausgang des Spiels für den Aufstieg nicht mehr relevant ist, dürften einige der rund 5000 VfL-Fans alleine schon deshalb etwas früher am Stadion sein, um die Mannschaft gebührend zu empfangen.

Wer spielt, will Schultz am Morgen selbst entscheiden. „Vermutlich werde ich den Jungs einmal kurz in die Augen blicken und dann mal schauen“, sagte der Trainer und lachte. Dass die Mannschaft in Wiesbaden trotz des „spontanen“ Aufstiegs am Samstag aber einen guten Auftritt hinlegen will, daran zweifelt der Trainer nicht. Schließlich wird in Wiesbaden mit 5000 Osnabrücker Fans eine Art Heimspiel-Atmosphäre herrschen. „Das wird für uns alle morgen richtig cool“, meinte Mittelfeldspieler Wagner.

So gewissenhaft wie sonst wurde die Vorbereitung aber wohl nicht genommen, auch wenn Wagner versicherte: „Wir haben direkt nach der Ankunft im Hotel erst einmal Videoanalyse gemacht, um uns auf Wiesbaden vorzubereiten. Danach gibt es gleich ein gesundes Essen und einen Proteinshake, um 100 Prozent fit zu sein.“

Ganz so dürfte der Abend dann nicht verlaufen sein.

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