Osnabrück „Magischer Ort“: So soll die Kinderbibliothek im ehemaligen Prelle-Shop in Osnabrück aussehen
Geht es nach der Osnabrücker Stadtverwaltung, soll der lange Leerstand an der Krahnstraße bald zu Ende gehen. In den ehemaligen Prelle-Shop soll eine Kinderbibliothek einziehen. Nun hat OB Katharina Pötter die konkreten Pläne vorgestellt.
Das Logo klebt abgewetzt an den Schaufenstern, an den Säulen haben sich Graffitisprayer verewigt, hüfthohe Bleistifte flankieren die historische Eingangstür. Schreibwaren verkauft das Osnabrücker Traditionsunternehmen Prelle hier, an der Krahnstraße 49, schon lange nicht mehr. Nach 60 Jahren lief 2023 der Mietvertrag aus. Verlängert wurde er nicht.
Prelle ist inzwischen ein paar Meter weitergezogen. Übergangsweise zog später der Hof Löbke mit einem Pop-up-Store in das ehemalige Stammhaus ein. Danach: erneuter Leerstand. Nun soll hier etwas Neues, etwas Großes entstehen. Die Stadtverwaltung spricht von nichts weniger als einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung. Sie plant, hier eine neue Kinder- und Jugendbibliothek unterzubringen.
Dafür luden Oberbürgermeisterin Katharina Pötter und Wolfgang Beckermann, Kulturdezernent der Stadt Osnabrück, am Donnerstag, 30. April, ins Erdgeschoss des historischen Gebäudes ein. Der lange Leerstand hat seine Spuren hinterlassen: unverputzte Wände und freiliegende Kabel. Betonstaub auf dem Boden, an den Schaufenstern und in der Luft – ein Sinnbild für die herausfordernde Situation der Krahnstraße, auf die Pötter mit Sorge blickt. Mit einer Leerstandsquote von 8 Prozent sieht die Oberbürgermeisterin hier dringenden Handlungsbedarf. Und wo anfangen, wenn nicht hier, in einem der prominentesten Gebäude der Straße?
Die Stadt will das Haus in Zukunft mieten und die vier Etagen zu einer Kinder- und Jugendbibliothek umgestalten. „Damit reagieren wir auf die hervorragende Arbeit, die die Stadtbibliothek bereits leistet“, sagt Wolfgang Beckermann. In den vergangenen zehn Jahren sei die Besucherzahl stetig gestiegen, zuletzt auf mehr als 300.000 Personen jährlich.
Damit stoße der aktuelle Standort am Markt an seine räumlichen Grenzen. An der Krahnstraße wolle man jetzt Kinder und Jugendliche zwischen null und 14 Jahren in den Blick nehmen. Die freigewordene Fläche am Markt soll dann ein Publikum ab 15 Jahren ansprechen.
Zu den Aufgaben von Bibliotheken gehöre heute weit mehr als die bloße Bereitstellung von Büchern und anderen Medien, sagt Pötter: „Es sind Orte für Bildung und Begegnung, an denen Kinder wachsen können.“ Ein solches ganzheitliches Lernkonzept, ein sogenannter „Dritter Ort“, der Bildung, Begegnung und Austausch ermöglicht, ist schon lange im Gespräch.
Pötter brachte ihn bereits 2021 während ihrer Kandidatur zur Oberbürgermeisterin ein und schlug damals die Dominikanerkirche vor. Danach entwickelte eine Initiative aus Politik und Kultur diese Idee weiter. Geht es nach der Initiative, soll in Zukunft ein Haus des Wissens entstehen, das Bildung und Kultur verzahnt und die Innenstadt um einen Ort erweitert, der eine nichtkommerzielle Aufenthaltsqualität schafft.
Gegenüber unserer Redaktion befürwortet Pötter diesen Vorstoß, gibt aber auch zu bedenken, dass sich ein solches groß angelegtes Projekt nicht von heute auf morgen realisieren lasse. Mit der neuen Kinderbibliothek wolle man heute für diese Überlegung einen Grundstein legen, der sich kurzfristig umsetzen lasse. Nicht zuletzt hofft die Stadtverwaltung, dadurch in die Zukunft der Innenstadt zu investieren, an die ein zukünftiges Haus des Wissens andocken könne.
Für diese Idee wirbt Katharina Pötter mit den Worten, dass die neue Bibliothek nichts weniger als ein „magischer Ort für Kinder und Familien“ werde, der die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt deutlich erhöht. Am Mittwoch, 6. Mai, wird der Vorschlag zunächst in einer gemeinsamen Sitzung des Immobilien- und Kulturausschusses beraten, danach wird im Rat abgestimmt. Falls die zuständigen Gremien zustimmen und der Umbau planmäßig verläuft, soll die Kinderbibliothek im Frühjahr 2027 eröffnen.