Leer und Emden Krispy Kebab vs. KFC – Namensstreit schwappt nach Ostfriesland
Die Döner-Kette Krispy Kebab wehrt sich gegen KFC. Der Fastfood-Riese brachte ein gleichnamiges Produkt raus. Wer setzt sich im Namensstreit durch? Wir haben Gründer Sergen Kolcu (29) in Leer getroffen.
Leer/Emden - 17 Filialen gegen Zehntausende: Das Dönerunternehmen Krispy Kebab liegt im Clinch mit dem Fastfood-Riesen Kentucky Fried Chicken (KFC). KFC verkauft seit Kurzem in Deutschland eine Hähnchen-Dönervariante namens Krispy Kebab. Die Dönerfirma – mit Filialen in Leer und Emden – hatte sich ihr gleichnamiges Produkt aber markenrechtlich schützen lassen, was KFC nach eigenem Bekunden nicht wusste, wie unter anderem die Deutsche Presseagentur berichtete.
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In Leer haben wir Gründer Sergen Kolcu aus Bielefeld getroffen. Bei ihm, den Mitarbeitenden und einigen Kunden ist der Markenrechtsstreit schon länger ein Thema. Besonders pikant: Das Lied der Prinzen „Alles nur geklaut“ wurde umgedichtet und für den KFC-Werbeclip zum neuen Produkt genutzt. „Das ist natürlich in dem Zusammenhang besonders ärgerlich, ist ja klar“, sagt er. „Ich glaube ihnen mittlerweile, dass sie uns nicht auf dem Schirm hatten.“ Und doch, Kolcu lässt nicht locker: Der Krispy-Kebab-Chef befürchtete Umsatzeinbußen, wenn die Kundschaft teilweise abwandere und annehme, dass sein Dönerprodukt nun auch bei KFC zu haben sei. „Außerdem geht es um die vielen Foodblogger. Die testen ‚Krispy Kebab‘“, sagt er, formt mit seinen Händen Anführungszeichen, „und sie machen es eben nicht so richtig kenntlich, dass es dabei nicht um uns geht. Die Bewertungen fallen im Zweifel auf uns zurück und die Leute können es kaum unterscheiden“, so Kolcu.
„David hat gewonnen“ – Er knickt nicht ein und Fast-Food-Riese kommt vermutlich auf ihn zu
Gerade in Kleinstädten wie Leer und Emden hätten sich die Filialen einen Namen gemacht. Da sei es umso ärgerlicher, wenn das zu verwässern drohe. Die Filialen in Leer sei eine der ersten gewesen, sagt er. Die dritte, um genau zu sein. Emden sei nicht viel später hinzugekommen. „Die Filialen in Ostfriesland liegen mir sehr am Herzen. Sie waren da, bevor alles richtig groß wurde.“
Eine Sache, die den Namensstreit für ihn komplizierter mache: Die Franchisepartner bekämen Gebietsschutz – in ihrem Gebiet darf also kein anderer Krispy Kebab verkauft werden. „Das steht auch so in den Verträgen und das will und muss ich auch einhalten.“ Gerade in Sachen „Gebiet“ tut sich aktuell etwas. Denn, wie Kolcu erklärt, will der Fast-Food-Riese ihm entgegenkommen. „Sie haben angekündigt, an den Standorten, an denen es eine Filiale von uns und eine von KFC gibt, das Produkt aus dem Sortiment zu nehmen“, sagt er. Das beträfe also auch Emden. „David gewinnt Goliath.“
Das doppelte Krispy: Oft fallen solche Fälle vorher auf
Kolcus Anwalt Markus Brock von der Kanzlei SKW Schwarz sieht in dem KFC-Produkt eine klare Verwechslungsgefahr und infolgedessen eine Markenrechtsverletzung, sagte er gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). „Wenn ein Konsument an einem Krispy-Kebab-Standort vorbeifährt und danach bei KFC deren Krispy Kebab sieht, könnte er sich denken, dass die beiden Firmen zusammenarbeiten.“ Markenrechtlich geschützt sei eine sogenannte Wort-Bild-Marke, deren Wortbestandteil prägend sei. Wenn Unternehmen ein neues Produkt auf den Markt bringen wollen, machten sie üblicherweise eine „Freedom to Operate“-Analyse.
Darin wird geprüft, ob mit dem neuen Produktnamen ein fremdes Markenrecht verletzt wird. „Krispy Kebab hätte bei dieser Prüfung auftauchen und KFC auffallen müssen“, sagt Brock. Ob KFC so eine Analyse einfach nicht gemacht habe oder die Analyse lückenhaft gewesen sei, könne er nicht sagen. Es sei jedenfalls erstaunlich, dass ein so großer global agierender Anbieter so einen Fehler gemacht habe.
Was bisher geschah: Keine Kooperation bei Dönersoße bei KFC
In den Gesprächen hatte Kolcu vorgeschlagen, gemeinsam ein Gericht zu machen, etwa mit Soße von der Bielefelder Dönerfirma. Das wiederum wollte KFC nicht. Das Angebot zu Gratis-Werbung in KFC-Filialen für die Dönerkette Krispy Kebab lehnte Kolcu ab, heißt es bei der dpa weiter. Der Ärger in der Gastro-Szene hat derweil medial recht hohe Wellen geschlagen.
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KFC hatte unter anderem Medien auf Anfrage mitgeteilt, dass sie keinen „Beef“ wolle, „Unser Fokus liegt bekanntlich auf Chicken.“ Ein Wortwitz, denn Beef bedeutet Rindfleisch und Streit oder Ärger aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Das Social-Media-Team des Hähnchen-Konzerns greift das Thema derweil auf und witzelt. Unter anderem mit einem Screenshot, der 66 und 67 verpasste Anrufe der „Legal Abteilung“, also der Rechtsabteilung, zeigt. Dazu schreibt der Account „Haben wir was verpasst?“ und verlinkt Krispy Kebab. Die antworten in den Kommentaren: „Ihr habt nichts verpasst… ihr habt nur den falschen Namen gewählt“. „Wie der „Beef“ letztendlich endet, ist offen. „Das müssen wir abwarten“, sagt Kolcu beim Gespräch in Leer.
Mit Material der dpa