Osnabrück Vom Krankenhaus zur Kinderarzt-Praxis: Neues Leben am Natruper Holz in Osnabrück
Neues Leben am Natruper Holz: Das CKO eröffnet im ehemaligen Krankenhaus ein Medizinisches Versorgungszentrum für Kinder. Warum das Modell Ärzte entlastet und was das für Eltern in Osnabrück bedeutet.
Die Räume sind frisch gestrichen, an den Wänden fehlen noch Bilder. Während die letzten Stühle gerückt werden, herrscht im Behandlungszimmer bereits Alltag: Die ersten Patienten sind da. Seit dieser Woche behandeln die Kinderärzte Ulrike Knälmann und Franz Jüngerhans im ehemaligen Krankenhausgebäude am Natruper Holz. Das Christliche Kinderhospital Osnabrück (CKO) hat im Erdgeschoss ein Medizinisches Versorgungszentrum für Kinder eingerichtet.
Der Standort blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Vom Lazarett über das Bundeswehrkrankenhaus bis hin zur Paracelsus-Klinik und zuletzt als Teil des Niels-Stensen-Klinikverbunds wurde das Gebäude unterschiedlich genutzt. „Mit dem Standort am Natruper Holz erweitern wir unser Angebot und stärken die wohnortnahe Versorgung von Kindern und Jugendlichen“, freut sich Carolin Haunert, Prokuristin der Kinderhospital MVZ GmbH. Das Tochterunternehmen des CKO betreibt bereits Praxen in Georgsmarienhütte und Fürstenau.
Knälmann und Jüngerhans dürften vielen Osnabrückern bekannt sein. Zuvor führten sie ihre Gemeinschaftspraxis an der Natruper Straße. Knälmann macht sich schon länger Gedanken, wie die Praxis bestehen kann, wenn ihr Kollege in einigen Jahren in den Ruhestand geht. Aus ihrem Kollegenkreis hört sie immer wieder, wie schwierig es ist, einen Nachfolger zu finden. Wenn Kinderärzte aufhören, fällt die Tür oftmals dauerhaft ins Schloss. Als Knälmann junge Medizinerin war, sei es schwierig gewesen, einen freien Arztsitz zu bekommen. Die Situation habe sich gedreht. „Jetzt werden die Arztsitze frei und niemand will sich drauf bewerben.“
Dafür gibt es laut Knälmann mehrere Gründe. Neben den Kosten für eine Praxisübernahme ist da die überbordende Bürokratie. „Mein Job ist es, Kinder zu untersuchen“, sagt die Medizinerin. Aber neben dieser Tätigkeit sitze man als niedergelassener Arzt abends und am Wochenende, liest Vorschriften und Verordnungen. Das fängt bei der vorgeschriebenen Größe des Schreibtisches an und endet beim Datenschutz. Die Bürokratie sei in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden, findet Knälmann. Sie hat sich gefragt, ob sich das nicht anders lösen und die Aufgaben auf mehr Schultern verteilen lässt.
Ulrike Knälmann und Franz Jüngerhans haben nach einer Lösung gesucht und sie beim CKO gefunden. „Das ging alles ziemlich schnell. Die Interessen haben gut ineinandergegriffen“, fasst Knälmann zusammen.
Seit Oktober ist die Gemeinschaftspraxis Teil der Kinder-MVZ-Struktur. Was das für eine Entlastung bringt, habe sich bereits beim Umzug gezeigt. Egal, ob ein Maler, ein neuer PC oder die Telefonanlage bestellt werden musste: Das CKO kümmerte sich. In der Gemeinschaftspraxis hätten Knälmann und Jüngerhans alles selbst abwickeln müssen – neben dem Tagesgeschäft. Fortan wird die komplette Verwaltung von der Kinderhospital MVZ GmbH übernommen. Ulrike Knälmann spricht von einem „extremen Unterschied“ und vielen Aufgaben, die für sie nun wegfallen.
Auch für das CKO bringt das neue Kinder-MVZ Vorteile. Die Ärzte in Weiterbildung müssen eine sechsmonatige Praxisphase bei einem niedergelassenen Arzt absolvieren. Es sei nicht einfach, die Ärzte in Praxen vermittelt zu bekommen. Durch die neuen Kinder-MVZ können sie ihren Praxisteil dort ableisten.
Auch im neuen Kinder-MVZ am Natruper Holz soll künftig ein Arzt in Weiterbildung das Team verstärken. In der alten Praxis wäre das gar nicht möglich gewesen, so Knälmann. Dafür habe der Platz nicht gereicht. Ulrike Knälmann freut sich auf die Zusammenarbeit. Dadurch sei das Kinder-MVZ noch enger mit der Klinik verbunden. Die Kollegen sind durch ihre Ausbildung in der Klinik am Puls der Zeit und könnten ihr Wissen einbringen. Und vielleicht, so Knälmanns Hoffnung, findet sich über diese Zusammenarbeit in ein paar Jahren ein Nachfolger für ihren Kollegen.
Neben den beiden Ärzten sind sieben Medizinische Fachangestellte am neuen Standort. Das Leistungsspektrum der Praxis umfasst weiterhin die gesamte hausärztliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen: von Vorsorgeuntersuchungen über Impfungen bis zu Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen. Ein besonderer Vorteil sei die enge Anbindung an das CKO. Die kurzen Wege ermöglichten es, bei Bedarf eine schnelle Abstimmung mit Fachabteilungen und einen direkten Zugang zu spezialisierten Behandlungen.
Die Praxis steht grundsätzlich neuen Patienten offen, wie Knälmann sagt. Gleichzeitig lege das Team großen Wert auf eine verlässliche und kontinuierliche hausärztliche Betreuung. Ziel sei es, Familien langfristig zu begleiten.