Osnabrück  Erstmals wieder weniger Abschiebungen zum Jahresbeginn

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 30.04.2026 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Geleitschutz in den Flieger: Bundespolizisten eskortieren einen abgelehnten Asylbewerber beim Abschiebeflug in sein Heimatland. Foto: IMAGO/Bundespolizei/dts Nachrichtenagentur
Geleitschutz in den Flieger: Bundespolizisten eskortieren einen abgelehnten Asylbewerber beim Abschiebeflug in sein Heimatland. Foto: IMAGO/Bundespolizei/dts Nachrichtenagentur
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Die Bundesregierung hat einen robusten Kurs eingeschlagen. Doch nun ist die Zahl der Abschiebungen im 1. Quartal rückläufig. Details der Statistik sorgen für Kritik. Die Linke fordert ein Umdenken nach spanischem Vorbild.

Nach fünf Jahren kontinuierlichen Anstiegs ist die Zahl der Abschiebungen aus Deutschland im 1. Quartal 2026 erstmals wieder gesunken. Insgesamt mussten in den ersten drei Monaten dieses Jahres 4807 Menschen das Land zwangsweise verlassen – 1344 weniger als im Vorjahreszeitraum, als 6151 Menschen abgeschoben worden waren. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

Für die flüchtlingspolitische Sprecherin der Linken bleibt die Zahl der Abschiebungen trotz des Rückgangs auf einem „besorgniserregend hohen Niveau“. Besonders erschreckend sei der Umstand, dass sogar noch in den Iran abgeschoben worden sei, sagte Clara Bünger unserer Redaktion. Es brauche dringend einen Abschiebestopp in den Iran.

Die wichtigsten Zielstaaten der Abschiebungen im 1. Quartal 2026 waren nach Auskunft des Bundesinnenministeriums die Türkei (601), Georgien (266), Nordmazedonien (230), Spanien (192) sowie Marokko und Algerien (beide 178). Nach Syrien wurden drei Personen abgeschoben; in den Iran gab es drei Abschiebungen. Nach Afghanistan wurden im 1. Quartal 27 Personen abgeschoben. Zusätzlich zu der Sammelabschiebung Ende Februar mit 20 Personen gab es also weitere Afghanistan-Abschiebungen mit Linienflügen.

Für die Betroffenen bedeute die Zwangsausweisung aus Deutschland großes Leid, sagte Bünger: „Sie müssen Freunde, Bekannte und Kolleginnen zurücklassen, Kinder werden aus ihren Schulklassen gerissen, teilweise werden sogar Familien rücksichtslos getrennt.“ Im Herkunftsland stünden sie dann vielfach vor dem Nichts oder seien erneuter Verfolgung ausgesetzt.

Unter den Abgeschobenen waren Hunderte Kinder bis 13 Jahre (547) und Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren (146). Auch Senioren waren betroffen (99 über 60-Jährige, sieben über 71-Jährige).

„Es ist grundfalsch, Abschiebungen zu forcieren, wie es die aktuelle Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern tut“, sagte Bünger. Stattdessen brauche es „eine wirksame Bleiberechtsregelung, die Menschen eine sichere Perspektive eröffnet“. Spanien gehe hier mit gutem Beispiel voran.

Die spanische Regierung hatte kürzlich entgegen einer strikteren Migrationspolitik in der EU angekündigt, den Aufenthaltsstatus von rund 500.000 Migranten zu legalisieren, die bislang ohne gültige Papiere im Land leben.

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