Osnabrück VfL Osnabrück erhält Lizenz ohne Probleme - aber was ist mit den Auflagen?
Der VfL Osnabrück hat im ersten Durchgang die Lizenz für die kommende Saison für die 2. Bundesliga und 3. Liga erhalten - die Auflagen, die der Klub zur neuen Saison erfüllen muss, sind kurzfristig erfüllbar. Der Klub muss aber über die Fortschritte bei der Sanierung Bremer Brücke regelmäßig berichten - und diese mittelfristig auch erzielen.
„In diesem Sommer müssen wir im Stadion baulich auch im Aufstiegsfall nur ein paar Kleinigkeiten nachjustieren“, sagt Michael Welling. Der Geschäftsführer des VfL Osnabrück begrüßt die positiven Bescheide zur Lizenz der Lila-Weißen für die kommende Saison, die der Klub unter den schon zuvor erwartbaren Auflagen sowohl für die 2. Bundesliga, als auch für die 3. Liga erhalten hat.
Insbesondere im wirtschaftlichen Bereich haben die ausrichtenden Verbände dem VfL bereits grünes Licht für die Saison 2026/27 bescheinigt - hier hatte der VfL gerade im vergangenen Jahrzehnt oft noch bis zum letzten Tag des Fristablaufs gekämpft, ehe es über kurzfristig akquirierte Sponsorengelder oder Geldsammel-Aktionen wie das Crowdfunding gelungen war, die geforderten finanziellen Reserven zur stabilen Aufrechterhaltung des Spielbetriebs aufzubringen. Die gute Arbeit der letzten Jahre zahle sich nun einmal mehr aus, so Welling, der auf das weiterhin positive Eigenkapital der Spielbetriebs-KgaA verweist und ausdrücklich seinem Team und den Unterstützern des Klubs dankt. „Unsere Herausforderungen haben sich verschoben“; bilanziert Welling: „Vom wirtschaftlichen Fußball-Geschäftsbetrieb hin zum dominanten Thema Infrastruktur.“
In der Tat haben die Lila-Weißen auch im - wahrscheinlichen - Aufstiegsfall in den Bereichen Sport, Recht, Finanzen, Administration sowie Nachhaltigkeit die Lizenz ohne Bedingungen und Auflagen erhalten. Auch an der Virtual-Bundesliga (VBL) werde der Klub wie gefordert teilnehmen, erklärte Welling, wobei der Geschäftsführer offen ließ, wie genau man antrete: „Darüber werden wir uns zu gegebener Zeit Gedanken machen und das Kriterium ressourcenschonend erfüllen.“ In der letzten Zweitliga-Saison 2023/24, als die VBL-Teilnahme erstmals obligatorisch für Zweitligisten war, hatte man ein Frauenteam in den Wettbewerb geschickt. Auf dem grünen Rasen indes garantiere das Bestehen der Kooperation mit dem Klub Viktoria Gesmold den Nachweis der ebenfalls geforderten Förderung des Frauenfußballs durch alle DFL-Klubs.
Auflagen hat die Deutsche Fußball-Liga als Dachgesellschaft für den Spielbetrieb der Bundesligen dem VfL nur im Stadionbereich gestellt. Kurzfristig müsse man „ein paar Dinge nachjustieren“, so Welling etwa mit Blick auf die nötige Verlegung einiger Glasfaserkabel, damit neben der Torlinientechnik auch der Video Assistant Referee (VAR) bei den Spielen reibungslos eingesetzt werden kann. Das leidige Thema Hintertorkamera sei inzwischen erledigt durch eine bereits errichtete, spezielle Konstruktion in der Westkurve. Die hatte man errichtet, nachdem es gelungen war, einen tragfähigen Kompromiss zwischen den in Teilen divergierenden Anforderungen der DFL und dem DFB als Ausrichter des Spielbetriebes der 3. Liga zu finden.
Nicht kurzfristig lösen lassen sich allerdings die Mängel, die sich aus dem aktuellen Zustand der in die Jahre gekommenen Bremer Brücke ergeben: Am Offensichtlichsten sind hier die nicht eingehaltenen Mindestabstände der älteren Tribünen zum Spielfeld, die fehlende Überdachung der Zuschauerplätze etwa über der Ostkurve sowie die viel zu geringen Kapazitäten für die Medien hinsichtlich bereitgestellter Arbeitsplätze oder Interviewräumlichkeiten, etwa in der Mixed-Zone. „Gegenwärtig erfüllt unser Stadion die Lizenzierungsvorgaben nicht ansatzweise“, stellt Welling klar. Hier sind dem VfL für die kommende Saison Ausnahmen gewährt worden - vor allem deshalb, weil die umfassende Sanierung des Stadions mit dem Neubau von drei Tribünen von der Stadt beschlossen worden ist: Nach dem nun erfolgten Abschluss der Entwurfsplanung und der noch nicht abgeschlossenen Einwerbung von möglichen Fördergeldern beginnt die Suche nach einem Generalunternehmer. „Wir müssen regelmäßig berichten über die Sanierungs-Fortschritte, die wir im Stadion machen - das wurde uns vom Lizenzgeber deutlich gemacht“, so Welling.
Gleiches gilt übrigens auch für das Thema Trainingszentrum: Den hochqualitativen Naturrasenplatz auf dem Schinkelberg kann der VfL zwar inzwischen vorweisen. Das dazugehörige Funktionsgebäude mit Räumlichkeiten für die Profis sowie den Staff einschließlich des medizinischen Bereiches befindet sich allerdings aktuell erst im Bau. Momentan improvisiert der VfL hier aktuell mit seinem Profi-Quartier im Stadion, das von einer kurzfristigen Winter-Übergangslösung zur mittelfristig genutzten Heimat der Profis mutiert ist. Auch auf der künftig allein für den Nachwuchs bestimmten Illoshöhe gibt es mit den in die Jahre gekommenen Räumlichkeiten sowie dem aktuell abgängigen Kunstrasenplatz bekanntlich gravierende Mängel, die durch eine Teilnutzung des Kunstrasens an der IGS Eversburg nur teilweise gelindert werden können: Ein DFL-Klub mit einem anerkannten Nachwuchsleistungszentrum muss zwingend drei Plätze exklusiv zur Nutzung für Jugendteams vorweisen - darunter mindestens ein für den Bundesliga-Spielbetrieb abgenommenes Feld sowie mindestens ein Kunstrasenplatz.
Baustellen, die auch mit Blick auf die Lizenzierung beseitigt werden müssen - idealerweise, bevor die große Stadion-Baustelle eröffnet wird. Das wird zwar frühestens im kommenden Winter, wahrscheinlicher erst im Frühjahr oder Sommer 2027 der Fall sein. Aber dennoch ergeben sich auch hier lizenzierungstechnisch neue Hürden - allein deshalb, weil mit dem Abriss einer Tribüne die Stadionkapazität unter die von der DFL geforderte Mindestkapazität von 15.000 Plätzen sinken wird. „Klar ist: Die Stadionsanierung wird hier neue Herausforderungen mit sich bringen - in wirtschaftlicher Hinsicht, aber auch mit Blick auf die Lizenz“, so Welling.
Der VfL ist deshalb gefordert, mindestens einmal im Quartal der DFL einen umfassenden Bericht über den aktuellen Stand und die Fortschritte bei den großen Bauprojekten zu erstatten - ein Prozess, der mühevoll werden und sicher noch die eine oder andere Ausnahme erfordern wird, bei der der jeweilige Ligaverband mitspielen muss. Bis dato hat der VfL übrigens noch keine Ausweichstadien an DFB und DFL für den Fall einer baustellenbedingten Sperrung der Bremer Brücke gemeldet - auch die Auflage, das nachzuholen, müssen die Lila-Weißen noch erfüllen.
Umso wichtiger sei eben jener stetiger Austausch mit DFB und DFL sowie der Stadt Osnabrück als neuem Eigentümer der Bremer Brücke, erklärt Welling. Die Lizenzgeber hätten hierbei sehr positiv kommentiert, dass Stadt Osnabrück und VfL Osnabrück in einer gemeinsamen Projektgruppe die notwendigen Aufgaben angehen. Den fruchtbaren Austausch auf operativer Ebene mit den Experten der Verbände gelte es in den kommenden Monaten fortzusetzen.