Osnabrück VfL-Trainer Schultz: Wir wollen nicht die Trottelmannschaft sein, die das verspielt
Der VfL Osnabrück kann am kommenden Wochenende schon vor dem eigenen Spiel beim SV Wehen Wiesbaden (Sonntag, 16.30 Uhr) in die 2. Fußball-Bundesliga aufgestiegen sein. Trainer Timo Schultz nimmt das gelassen zur Kenntnis - und formuliert ein weiteres klares Ziel für die letzten Wochen der Saison.
Nach dem emotionalen 2:1-Heimsieg gegen den SC Verl ging es für Timo Schultz, Trainer des VfL Osnabrück, erstmal in die Heimat: Ein Frisörbesuch, das Spiel von Sohn Paul, der in der U19 des FC St. Pauli kickt, und der Hamburg-Marathon standen auf dem Programm. Während der 48-Jährige am Sonntagnachmittag am Straßenrand die Läufer anfeuerte, gewann Energie Cottbus etwas glücklich mit 2:0 bei Viktoria Köln. Bei einer Niederlage der Cottbuser hätte sich Schultz „Aufstiegstrainer“ nennen können. Angesehen hat er sich das Spiel der Konkurrenz aber nicht.
Der Trainer bleibt gelassen, aber gleichermaßen fokussiert, das machte er nach der ersten Trainingseinheit dieser Woche vor dem kommenden Auswärtsspiel beim SV Wehen Wiesbaden (Sonntag, 16.30 Uhr) deutlich. „Wir sind nicht aufgestiegen“, sagt Schultz trotz des Patzers von Rot-Weiss Essen im Heimspiel gegen Saarbrücken (1:2), der die Lage der Lila-Weißen sogar noch weiter verbesserte. Gewinnt RWE am Samstag (16.30 Uhr) nicht beim VfB Stuttgart II oder verliert Cottbus am Sonntag (13.30 Uhr) in Duisburg, stehen die Osnabrücker schon vor dem eigenen Anpfiff in Hessen als Zweitligist in der kommenden Saison fest.
Zu viel rechnen will Schultz aber nicht. „Wir müssen davon ausgehen, dass sowohl Essen als auch Cottbus gewinnt“ sagt er. „Dementsprechend brauchen wir noch was und so gehen wir die Woche auch an.“ So lief dann auch das Training am Dienstag, das von Ex-Mannheim-Trainer Dominik Glawogger beobachtet wurde, den Schultz aus Hamburger Zeiten kennt, und bei dem neben dem verletzten Robin Fabinski nur der erkrankte Luc Ihorst fehlte: Locker und gut gelaunt, aber konzentriert und intensiv.
Eine Arbeitshaltung, die das Team schon über die ganze Saison auszeichnet und einer der Schlüssel zum Erfolg ist. Aber auch eine, die zur Lage passt. Denn - und Schultz wird nicht müde, das zu betonen - noch ist nichts endgültig gewonnen: „Ich will nicht der ,Trotteltrainer‘ sein, der drei Spieltage vor Schluss neun Punkte und 15 Tore Vorsprung hatte und es am Ende nicht schafft. Wir wollen nicht die ,Trottelmannschaft‘ sein, die das verspielt.“
Dass es am kommenden Wochenende eine „spezielle Situation“ sei, räumt allerdings auch Schultz ein. „Wir sitzen Samstag im Bus und können aufsteigen, haben Sonntag die Spielvorbereitung und können aufsteigen. Trotzdem: Egal, ob wir dann durch sind oder nicht - wir wollen in Wiesbaden gewinnen. Es soll keiner glauben, dass wir uns die ,Kajüte dicht jagen‘, wenn wir Samstag aufgestiegen sein sollten.“ Eine Party vor dem Anpfiff am Sonntagnachmittag soll es entsprechend nicht geben.
Denn der Trainer und seine Mannschaft haben ein weiteres klares Ziel vor Augen: die Meisterschaft. „Mit 76 Punkten wären wir definitiv Erster, egal was die anderen machen“, rechnet Schultz vor. Und erst, wenn die erreicht ist, wird der Trainer die Zügel wohl auch mal etwas lockerer lassen.