Osnabrück Wer kauft die Stephanuskirche in Osnabrück? Warum es nicht nur ums Geld geht
Abschied und Aufbruch in Atter: Die Stephanuskirche steht vor dem Verkauf. Doch was passiert mit dem Glockenturm, und wer bekommt am Ende den Zuschlag? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Die Entscheidung steht: Die evangelisch-lutherische Nordwestgemeinde will die Stephanuskirche und das Pfarrhaus in Atter verkaufen. Doch wie verkauft man eine Kirche? Einfach eine Anzeige in einem Immobilienportal schalten und hoffen, dass sich jemand meldet? So einfach ist es nicht, wie Pfarrerin Jutta Tloka sagt. Sie erklärt die nächsten Schritte, wen die Gemeinde gern in ihrer Nachbarschaft hätte und welche Nutzung der Kirchenvorstand kategorisch ausschließt.
Weniger Mitglieder bei gleichzeitig steigenden Kosten für Personal und Unterhalt sorgen dafür, dass die evangelisch-lutherische Nordwestgemeinde sparen muss. Da werden auch die Immobilien in den Blick genommen. Der Kirchenkreis hat seine Gebäude anhand von Kriterien wie dem baulichen Zustand, dem kulturellen Wert, der Nutzung und dem energetischen Standard bewertet. Die Eingruppierung entscheidet darüber, ob und mit wie viel Geld bei Sanierungen von der Landeskirche zu rechnen ist. Da die 60 Jahre alte Stephanuskirche als „B-Kirche“ eingestuft wurde, erhält sie nur begrenzte Zuschüsse für ein neues Dach oder eine Heizung. Und da die Gemeinde diese Kosten nicht allein tragen kann, beschloss der Kirchenvorstand den Verkauf. Im Februar wurden die Pläne der Gemeinde vorgestellt.
Auch vom Pfarrhaus wird sich die Gemeinde trennen. Pfarrerin Jutta Tloka mag die Lage an der Düte, den Blick auf den großen Garten. Sie hat bis 2023 mit ihrer Familie auf den mehr als 200 Quadratmetern Wohnfläche gelebt. Und das sehr gern, wie sie sagt. Doch es gibt massive Probleme mit der Feuchtigkeit. Auch energetisch müsste das Haus dringend auf Stand gebracht werden. Die Kosten würden das Budget der Kirchengemeinde deutlich übersteigen, wie Tloka sagt.
Die Gemeinde möchte den Glockenturm als Wahrzeichen erhalten. Allerdings ist dies technisch knifflig, da die Steuerung derzeit noch fest mit der Gebäudetechnik der Stephanuskirche verbunden ist.
Die gute Nachricht für die Nordwestgemeinde: Sie steht mit der Abwicklung des Verkaufs nicht allein da. „Wir sind froh, dass uns das Kirchenamt unterstützt“, sagt Jutta Tloka. Vor dem Verkauf sind etliche bürokratische Hürden zu nehmen und rechtliche Fragen zu klären. Das fängt beim Grundstück an. Bislang stehen Pfarrhaus, Stephanuskirche und Gemeindehaus auf einem gemeinsamen Grundstück. Für den Verkauf muss es vermessen und geteilt werden. Auch auf den Bebauungsplan wird geschaut. Die Flächen dort sind „für den Gemeinbedarf“ vorgesehen. Welche Möglichkeiten das eröffnet und ob Änderungen möglich sind, muss geprüft werden.
Alles in eine Hand: Das wäre aus Sicht der Gemeinde praktisch. Alles andere hängt davon ab, wie das Grundstück aufgeteilt werden kann.
Die Immobilien befinden sich im Eigentum der Nordwestgemeinde. Daher liegt die Entscheidung über deren Verkauf beim Kirchenvorstand als zuständigem Leitungsgremium.
Bei der Auswahl des Käufers steht die Nordwestgemeinde in einem Spannungsfeld: Zählt das beste Nutzungskonzept oder der höchste Preis? Pastorin Tloka betont, dass die künftige Verwendung der Gebäude keineswegs egal sei, die Gemeinde jedoch gleichzeitig – ähnlich wie der Staat – die Pflicht habe, verantwortungsvoll mit dem Kirchenvermögen umzugehen und einen angemessenen Verkaufserlös zu erzielen.
„Wir hoffen, dass es zügig klappt, damit uns das Geld zur Verfügung steht“, sagt Jutta Tloka. Es gibt nämlich bereits eine andere Baustelle. Das Gemeindehaus muss energetisch saniert werden. Wie lange es dauert, bis alles abgewickelt ist, vermag die Pfarrerin nicht zu sagen. Es fehlen schlichtweg Erfahrungswerte. „Von uns hat halt noch niemand eine Kirche verkauft.“
Die ersten Interessenten hätten sich gemeldet, nachdem noz über den geplanten Verkauf berichtet hat. Es handele sich aber um Vorabanfragen. „Diese Personen möchten sich erst einmal mit der Lage vertraut machen“, erklärt die Pfarrerin.
„Wir hätten gern gute Nachbarn“, sagt Jutta Tloka und lacht. Die Kirchengemeinde würde sich grundsätzlich über einen gemeinnützigen Eigentümer freuen. „Auch andere Eigentümer, die dazu beitragen, den Atteraner Ortskern mit ihren Projekten zu stärken, wären sehr erwünscht.“
Da fasst sich Jutta Tloka kurz und knapp: eine „verfassungsfeindliche“.