Osnabrück  Wohnungen statt Leerstand? Osnabrücker Rat lehnt Vorstoß von FDP und UWG ab

Karsten Frei
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Von Karsten Frei
| 27.04.2026 06:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Könnte man leerstehende Gewerbeflächen in den sogenannten C-Lagen nicht zu Wohnraum umwidmen? Mit diesem Vorstoß ist die FDP im Osnabrücker Rat abgeblitzt. Foto: Tobias Saalschmidt
Könnte man leerstehende Gewerbeflächen in den sogenannten C-Lagen nicht zu Wohnraum umwidmen? Mit diesem Vorstoß ist die FDP im Osnabrücker Rat abgeblitzt. Foto: Tobias Saalschmidt
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68 leere Erdgeschossflächen, rund 1000 fehlende Wohnungen: Im Osnabrücker Rat wollten FDP und UWG prüfen lassen, wo aus Ladenlokalen Wohnraum werden kann. Die Mehrheit lehnte den Vorstoß ab. Warum?

68 leerstehende Erdgeschossflächen in der Innenstadt, dazu rund 1000 fehlende Wohnungen in Osnabrück: Als der Rat am Dienstag, 21. April, über den Vorstoß von FDP und UWG sprach, lag der Gedanke erst einmal nahe. Warum nicht dort Wohnungen schaffen, wo sich Läden ohnehin immer schwerer vermieten lassen? Genau diese Prüfung aber wollte die Ratsmehrheit nicht. Sie lehnte den Antrag ab.

Oliver Hasskamp (FDP) machte deutlich, worauf seine Gruppe hinauswill. Man wolle wissen, „wo die Umwidmung möglich ist“. Im Ausschuss habe es geheißen, die Einzelfallprüfung reiche aus. Das sei zu wenig. Gerade in den C-Lagen, also den Randlagen der Innenstadt mit weniger Laufkundschaft, werde es „in Zukunft nicht einfacher“, Flächen zu vermieten, sagte er mit Verweis auf Homeoffice, Online-Handel und den Wandel der Innenstädte. Wenn dort Läden leer stehen, müsse die Stadt wenigstens klären, wo stattdessen Wohnen möglich ist.

Hasskamp verwies dabei auch auf neue rechtliche Spielräume. Mit dem sogenannten Bauturbo und gesenkten baulichen Hürden seien Umnutzungen heute leichter als früher. „Man muss sie hier nur nutzen wollen“, sagte er. Und er legte nach: Wer bei 68 Leerständen und 1000 fehlenden Wohnungen „nicht einmal einen Prüfauftrag beschließen möchte, muss sich erklären“. Genau darin lag die Stoßrichtung des Antrags: noch kein Umbauprogramm, aber ein klarer politischer Auftrag, das Problem systematisch anzugehen.

Aus der Verwaltung kam dagegen deutliche Skepsis. Stadtbaurat Thimo Weitemeier bremste die Erwartungen: Neue Erleichterungen bedeuteten nicht automatisch, dass nun massenhaft Läden zu Wohnungen werden sollten. In vielen Teilen der Innenstadt sei das schon wegen Lärm, Gastronomie und dem Ziel einer belebten City schwierig. „Da, wo diese Zielkonflikte nicht sind, machen wir das“, sagte er. Zugleich warnte er vor einem „Domino-Effekt“, wenn in C-Lagen zu viel Erdgeschoss ans Wohnen gehe.

Dass das kein theoretisches Problem ist, zeigte schon 2025 ein Fall am Goethering. Dort wollte ein Investor Wohnungen im Erdgeschoss vermieten und scheiterte am Bauamt. Die Stadt verwies auf den Bebauungsplan und darauf, dass der Gebietscharakter mit gewerblichen Nutzungen im Erdgeschoss erhalten bleiben müsse. Der Investor hielt dagegen, dass dort eher Leerstand drohe als neues Gewerbe. Genau dieser Gegensatz stand nun auch im Rat im Raum: Was wiegt schwerer – das Festhalten an alten Nutzungsbildern oder neuer Wohnraum?

Am Ende folgte die Mehrheit der vorsichtigen Linie. SPD, Grüne, Volt und Linke lehnten den Prüfauftrag ab, CDU und FDP stimmten dafür. Der Rat setzt damit weiter auf Einzelfallentscheidungen statt auf einen politischen Auftrag für die ganze Innenstadt. Für die Antragsteller bleibt genau die Frage offen, die sie beantwortet haben wollten: Was tun mit den Lagen, in denen sich Leerstand verfestigt – und in denen Wohnen womöglich realistischer ist als die Hoffnung auf den nächsten Laden?

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