Osnabrück  Bahnhofsmission Osnabrück: Wem hier alles geholfen wird

Thomas Wübker
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Von Thomas Wübker
| 23.04.2026 11:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das tägliche Geschäft: Die ehrenamtlich Mitarbeiter der Bahnhofsmission in Osnabrück unterstützen Menschen in Rollstühlen beim Ein- und Umsteigen. Foto: Thomas Wübker
Das tägliche Geschäft: Die ehrenamtlich Mitarbeiter der Bahnhofsmission in Osnabrück unterstützen Menschen in Rollstühlen beim Ein- und Umsteigen. Foto: Thomas Wübker
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Die Bahnhofsmission ist eine Absteige für Obdachlose und Drogenabhängige? Weit gefehlt. Auf Gleis 1 im Hauptbahnhof in Osnabrück finden viel mehr Menschen Hilfe.

Wer seinen Anschlusszug verpasst hat und auf dem Hauptbahnhof in Osnabrück gestrandet ist, ein Gebet sprechen oder Stulle essen möchte, ist auf Gleis 1 bei der Bahnhofsmission an der richtigen Stelle.

Seit 1897 gibt es die Bahnhofsmission in Osnabrück. Die erste Bahnhofsmission in Deutschland wurde 1894 in Berlin gegründet. Seit jeher sind es christliche Einrichtungen. Die Osnabrücker Bahnhofsmission ist ein ökumenisches Projekt, das von der Caritas und der Diakonie betrieben wird.

Am Osnabrücker Hauptbahnhof sind 25 ehrenamtliche Mitarbeiter beschäftigt. Ihre Aufgabe ist es, Reisende am Gleis beim Um- oder Einsteigen zu unterstützen. Dafür ist eine Anmeldung unter der Hotline 0541 27310 notwendig. In der Bahnhofsmission können zudem Menschen erfahren, wo sie in Bezug auf Süchte, Wohnungslosigkeit oder bei psychischen Problemen beraten werden können. Auch Menschen, die neue Kleidung benötigen, weil ihnen bei der Reise eine Hose zerrissen ist, erhalten bei der Bahnhofsmission Ersatz. Pro Tag kommen etwa 80 Menschen, sagt Diakonie-Pressesprecherin Karina Eggers.

Die 25 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Bahnhofsmission helfen Menschen mit Behinderungen in die Züge, schmieren Stullen, kochen Kaffee und verteilten sie an Menschen, die im Osnabrücker Hauptbahnhof gestrandet sind.

Viele der Ehrenamtlichen sagen, es sei die Dankbarkeit und das Lächeln der Menschen, denen sie geholfen haben, die den Dienst so wertvoll machen. Es gibt ihnen das Gefühl, gebraucht zu werden, sagt die Leiterin der Bahnhofsmission, Heidi Wöllner. Sie erzählt von einem pakistanischen Studenten, der einen speziellen Service erhalten hat. Er musste in Berlin seinen Pass verlängern lassen, hatte aber kein Geld, um die Tickets für die Reise zu bezahlen. Weil ihm von seiner Kirchengemeinde eine Bescheinigung seiner Bedürftigkeit ausgestellt wurde, besorgte ihm die Bahnhofsmission die Tickets. „Wir gehen in Vorkasse, bekommen aber das Geld von der Gemeinde zurück“, sagt Rieke Kuhlmann von der Diakonie, die die Geschäftsbereichsleitung innehat.

Der Student ist eine Ausnahme in der Klientel der Osnabrücker Bahnhofsmission gewesen. Auch wohnungslose Menschen sind dort keine Stammgäste. Sie bekommen zwar einen Kaffee dort, werden aber an die Tageswohnung des SKM weiterverwiesen. Auch für Drogenabhängige gibt es keinen Daueraufenthalt auf Gleis 1. „Wir richten uns nach der Bedürftigkeit der Menschen“, sagt Heidi Wöllner. Allerdings sind die Kapazitäten begrenzt. In den Räumlichkeiten der Bahnhofsmission können sich nur acht Personen gleichzeitig aufhalten.

Die Bahnhofsmission unterstützt bedürftige Menschen, ist aber auch selbst auf Unterstützung angewiesen. Es werden noch ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht. Dann könnten auch die Öffnungszeiten, die jetzt von 9 bis 14 Uhr gelten, erweitert werden. Zudem werden Spenden gesucht – in Form von Geld, aber auch Sachspenden wie Schlafsäcke, Schuhe oder Kaffee.

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