Osnabrück  Auf Heimatkurs: Tobias Steinigeweg kehrt mit dem Film „Segeljungs“ nach Osnabrück zurück

Matthias Liedtke
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Von Matthias Liedtke
| 19.04.2026 11:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Hasbergen ist Filmproduzent Tobias Steinigewege aufgewachsen, mit dem Film „Segeljungs“ kehrt er nun filmisch nach Osnabrück zurück. Foto: Matthias Liedtke
In Hasbergen ist Filmproduzent Tobias Steinigewege aufgewachsen, mit dem Film „Segeljungs“ kehrt er nun filmisch nach Osnabrück zurück. Foto: Matthias Liedtke
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Aufgewachsen ist er in Hasbergen, als Filmproduzent durchgestartet in Hamburg: Wir haben mit Tobias Steinigeweg vor seinem Osnabrücker Heimspiel mit „Segeljungs“ im Cinema Arthouse über Heimat und Beruf gesprochen.

Heimatbesuche in Osnabrück ist Tobias Steinigeweg gewohnt. Nach seinem Zivildienst beim hiesigen Paritätischen Wohlfahrtsverband, für den er unter anderem Essen auf Rädern ausgefahren hat, war er zwar erst mal weg aus der Region. Aber auch während des Studiums der Medientechnik zunächst in Wiesbaden und dann in Emden in den 90er-Jahren hat er alle zwei Wochen die Familie in Hasbergen besucht, erzählt der heute 46-Jährige bei einem Bier auf der Dachterrasse des Kinocafés Garbo.

Diesmal ist der Anlass für den Stopp in Osnabrück nicht privater, sondern beruflicher Natur. Gemeinsam mit den Protagonisten Vincent Goymann und Tim Hund stellt Steinigeweg den von ihm produzierten Dokumentarfilm „Segeljungs“ im größten und ausverkauften Saal des Cinema Arthouse vor. Seine Filmkarriere hinter der Kamera hat er als Cutter in Hamburg begonnen, wo er heute immer noch lebt.

Dabei habe er ursprünglich Tonmeister werden wollen, erzählt der große Junge aus Hasbergen. Aber die Aufnahmeprüfung in Detmold sei „zu hart“ gewesen. Und danach sei ihm eigentlich „alles vor die Füße gefallen“, ohne es groß geplant zu haben. Insofern erinnere ihn die von ihm kinotauglich gemachte Geschichte der Jungs aus Bad Tölz, die nach dem Abi ohne jegliche Erfahrung um die Welt segelten, auch an seine eigene, sagt Steinigeweg.

Schon ans Gymnasium Ursulaschule sei er seinerzeit nur gekommen, weil seine beiden älteren Schwestern bereits dort waren. Eigentlich habe er eine Realschul-Empfehlung gehabt, verrät er. Und auch das Abitur sei ihm nur geglückt, weil er als Schlagzeuger in der schuleigenen Big Band aktiv war – und es dort das Fach Musiktheorie gab. Danach sei er noch in einigen Bands aktiv gewesen, heute habe er sich wieder ein Klavier gekauft, auf dem er ab und zu spielt, erzählt Steinigeweg.

„Ich war zwar in der Schule nicht gut, aber die Schule war gut zu mir“, sagt der heutige Filmproduzent. Er habe viel geschwänzt, „am liebsten Geschichte“, gesteht er. Stattdessen verbrachte er die Zeit mit Mitschülern lieber in einem „Oma-Café“ in der Theater-Passage. Auch im Rosenhof war er regelmäßig, als der noch ein Kino war. Seinen ersten Film habe er aber im damaligen Hasberger Kino Schierke am Roten Berg gesehen: „La Bamba“, erinnert er sich.

Die Verbindung von Film, Musik und Jugendkultur begleitet Steinigeweg seitdem. Was mit dem Schneiden von Musikvideoclips begann, ging weiter mit einer Doku-Serie für das ZDF über Samy Deluxe bis hin zu seinen „Segeljungs“, für die er als narrativen Soundtrack Originalmusik von Komponist Martin Kohlstedt und dem südafrikanischen Indie-Folker Sean Koch verwendet hat.

Produzent und nicht Regisseur sei er wohl auch deshalb geworden, weil ihm das Wirtschaftliche über seinen Vater in den Genen stecke, vermutet der Wahl-Hamburger. Und das Dokumentarische sei deshalb sein Steckenpferd, weil er „echtes Leben dokumentieren und daraus Spannung entwickeln“ möchte. Die rund 350 während des Törns selbst gedrehten Youtube-Videos als Rohmaterial für „Segeljungs“ kamen seinem Anspruch an größtmögliche Authentizität da sehr entgegen.

In Hamburg-Ottensen lebt Steinigeweg mitten in einem Epizentrum der Filmkultur. Sein zehnjähriger Sohn liebt allerdings Osnabrück, gesteht er. Weil es so ländlich ist mit „viel Wald drum herum“. Durch die enge Verbundenheit seines Vaters mit der Heimat kann der Nachwuchs aber beides haben: maritimes Großstadtflair und ab und zu Durchatmen im Osnabrücker Land. Gut zusammengeschnitten sozusagen. Und authentisch.

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