Osnabrück Osnabrücks Stadtbaurat Thimo Weitemeier: „Ich bin total für Tempo 30 in Städten“
Bei der Frage, wie Osnabrück klimaneutral werden kann, geht es nicht nur um energetische Sanierungen, sondern auch um den Verkehr. Stadtbaurat Thimo Weitemeier vertrat jetzt bei einer Diskussionsveranstaltung der Grünen-Ratsfraktion klare Positionen – etwa beim Punkt Tempo 30 innerorts. Und natürlich ging es auch ums Radfahren.
Tempo 30 in Osnabrück? Das ist eine Wunschvorstellung von Stadtbaurat Thimo Weitemeier. Bei einer öffentlichen Fraktionssitzung der Osnabrücker Grünen-Ratsfraktion zum Thema Klimaneutralität machte er seine Position deutlich: „Ich bin total für Tempo 30 in Städten.“ Es würde den Verkehrsfluss verbessern, niemanden benachteiligen und schwere Unfälle gingen zurück.
Das Problem: An vielen Stellen, insbesondere an Hauptverkehrsstraßen, kann die Stadt nicht einfach so Tempo-30-Schilder aufstellen. Dafür müsste der Bund das Straßenverkehrsrecht ändern. „Ich verstehe nicht, warum man es nicht innerorts den örtlichen Verkehrsträgern überlässt“, kritisierte Weitemeier.
Bis 2040 will Osnabrück klimaneutral sein, bis 2035 soll das bereits für die städtischen Gesellschaften gelten. Dafür müssen die CO2-Emissionen in Osnabrück sinken – und ein Hebel, um das zu erreichen, ist der Verkehr. Die Zahlen, die der Stadt dazu aus der jüngsten Mobilitätsstudie vorliegen, besagen, dass 2013 noch 48 Prozent aller Wege mit dem Auto zurückgelegt wurden. 2023 waren es 37 Prozent. Der Anteil derjenigen, die das Fahrrad nahmen, stieg derweil von 20 Prozent auf 27 Prozent.
Aber da sei „noch ein bisschen Luft nach oben“, so Weitemeier. Und ohnehin wünscht er sich noch präzisere Zahlen als die aus der repräsentativen Umfrage „Mobilität in Städten – SrV“ (System repräsentativer Verkehrsbefragungen) der Technischen Universität Dresden, an der die Stadt 2025 zum dritten Mal teilnahm.
Das Thema Förderung des Radverkehrs sei kein Nischenthema in Osnabrück, sondern breit getragen von der Stadtbevölkerung, betonte Weitemeier. Jens Meier, Fraktionschef der Grünen, sagte, die Bedingungen für Radfahrer seien besser geworden, beispielsweise durch die Adhoc-Maßnahmen am Wallring, also Aufstellen von Betonblöcken auf Parkstreifen, um Dooring-Unfälle zu vermeiden.
Lob gab es auch von Peter Beckmann aus dem Klimabeirat der Stadt. „Fahrrad und Fahrradwege sind in den letzten vier Jahren unglaublich positiv im Klimabeirat begleitet und bewertet worden“, sagte er. „Ich fahre täglich von Sutthausen mit dem Fahrrad in die Innenstadt, da ist super viel passiert. Das ist definitiv gut gelaufen.“
Kritische Töne gab es hingegen von Florian Fox, Sprecher von Fridays for Future Osnabrück, den die Grünen ebenfalls aufs Podium eingeladen hatten. Er war einer der sehr wenigen jüngeren Menschen bei der Diskussionsveranstaltung der Grünen. Im Publikum dominierte unter den 40 bis 50 Besuchern die Haarfarbe „weiß“.
„Es geht in die richtige Richtung“, sagte Fox zum Radverkehr in Osnabrück. Aber der vom Rat beschlossene Radentscheid sei „in großen Teilen übergangen worden“, kritisierte er. 2022 hatte der Stadtrat die fünf Ziele des Radentscheid-Bürgerbegehrens übernommen: der Ausbau des Radverkehrsnetzes, sichere Radwege an Hauptstraßen, die sichere Gestaltung von Kreuzungen, der Ausbau von Fahrradstellplätzen sowie die Förderung der Mobilitätswende – und das alles bis 2030.
„Wir haben immer mehr Fahrradstraßen, das ist eine positive Sache“, sagte Fox. „Aber die sind nicht alle perfekt.“ Als Negativbeispiel nannte er die Lyrastraße, die nun wieder zu einer regulären Straße werden soll. „Wir sollten auf Fahrradstraßen Poller anbringen, um zu verhindern, dass zum Beispiel die Heinrichstraße als Überholspur auf dem Ring verwendet wird“, forderte Fox.
Und warum sei der Radfahrstreifen auf der Parkstraße eigentlich immer noch so schmal? Warum bringe die Stadt dort nicht wenigstens Piktogrammketten auf? Auch der Bus müsse noch viel stärker gefördert werden, damit er für die Bevölkerung attraktiver werde, so Fox.
Aber ganz so einfach sei das eben alles nicht, erklärte Thimo Weitemeier. „Es ist ziemlich viel Aufwand, einen Poller hinzukriegen“, so Weitemeier. Im Verwaltungsdeutsch heißen solche Poller „Modalfilter“. „Ich bin da komplett bei Ihnen“, sagte er zu Fox, „aber dafür müssen Sie eine Entwidmung machen, da hängt total viel dran.“
Weitemeier betonte, dass sein Team in der Stadtverwaltung „wirklich hochmotiviert und auch hochengagiert“ sei. „Die geben sich total viel Mühe, wirklich gute Lösungen zu finden“, sagte er. „Osnabrück ist total geeignet für Radverkehrsförderung, Stichwort 15-Minuten-Stadt“, so Weitemeier, sprich: In 15 Minuten komme man in der Stadt gut von A nach B.
Wenn es um Verbesserungen fürs Klima geht, setzt er also mehr aufs Fahrrad. Alternativ oder parallel das Busnetz so zu verbessern, dass deutlich mehr Menschen es nutzen, sei erheblich aufwendiger. „Da kommt man mit dem Fahrrad deutlich schneller zum Ziel“, so Weitemeier.