Osnabrück  Neue Bremer Brücke: Welche Fans des VfL Osnabrück müssen beim Umbau umziehen?

Benjamin Kraus
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Von Benjamin Kraus
| 17.04.2026 06:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Infoveranstalltung zur Planung der Sanierung des Stadions Bremer Brücke in Osnabrück: Nils Dethlefs (Geschäftsführer ppp, links), VfL-Geschäftsführer Michael Welling (v. re.), Jan Jansen (Geschäftsführer Stadion KG). Foto: Michael Titgemeyer
Infoveranstalltung zur Planung der Sanierung des Stadions Bremer Brücke in Osnabrück: Nils Dethlefs (Geschäftsführer ppp, links), VfL-Geschäftsführer Michael Welling (v. re.), Jan Jansen (Geschäftsführer Stadion KG). Foto: Michael Titgemeyer
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Die neue Bremer Brücke wird so langsam sichtbarer und erfahrbarer, die Planungen werden konkreter: Etwa 600 VfL-Fans lauschten am Donnerstagabend im Stadion dem Vortrag von Architekt Nils Dethlefs (ppp Architekten), der über die nun weitestgehend abgeschlossene Entwurfsplanung des neuen Stadions berichtete. Zudem gab es erste Antworten auf viele Fragen der Fans.

Schon zuvor hatte Dethlefs zusammen mit Jan Jansen (Geschäftsführer Stadion KG) die Entwurfsplanung in einem ausführlichen „Brückengeflüster“ der Sportredaktion von noz erläutert (der Video-Podcast ist hier zum Ansehen). Zu Beginn der Veranstaltung vor und auf der Nordtribüne erklärte Jansen nochmals, dass es weiterhin keine News darüber gebe, ob das Bauprojekt für Fördergelder aus der mit 333 Millionen Euro dotierten Sportmilliarde infrage komme - und man allein deshalb auch noch überhaupt keine Angaben zum Baustart-Termin machen könne.

Nach der Begrüßung von Jansen und VfL-Geschäftsführer Michael Welling erläuterte Dethlefs den Zuhörern die Details der Entwurfsplanung. Applaus gab es erstmals, als der Architekt über die Änderungen in den Südwest- und Südost-Ecken des Stadions referierte. Dort entstehen durch den neuen, quergezogenen Einlass zwei Ebenen mit Sitzplätzen unten und Stehplätzen oben - und jeweils Platz für einige zusätzliche barrierefreie Rolli-Plätze dazwischen. Diese Änderung war sowieso nötig geworden, da andernfalls für zu viele Plätze in den Kurven eine nur eingeschränkte Sicht auf das Spielfeld möglich gewesen wäre.

Dethlefs referierte zu den Plänen mit Unterstützung einer auf der Anzeigetafel abgespielten Präsentation. Zur Erklärung der ersten Entwurfsbilder des neuen Stadions mit Zuschauern erntete er einige Lacher, als der bekennende Fußballfan sagte: „Die ersten Visualisierungen haben wir übrigens mit Pyrotechnik gemacht - das mussten wir irgendwie wieder rausnehmen.“ Begeisterung gab es zudem, als Dethlefs erklärte, dass die vier großen Flutlichtmasten an den Längsseiten erhalten bleiben und auch weiter bei Flutlichtspielen genutzt werden sollen. Alle Details zum Planungsstand der neuen Bremer Brücke gibt es hier.

Dann startete Welling vor der offiziellen Fragerunde in gewohnt humorvoller Art und Weise den Versuch, absehbare Fragen der Fans zu beantworten - oder klarzustellen, wenn diese aktuell noch nicht beantwortet werden können. Letzteres gilt insbesondere für die Frage, wann die Sanierung startet und ab wann es Einschränkungen für den Spielbetrieb geben wird. „Ziel ist: So schnell wie möglich“, sagte Welling. Auszugehen ist aber davon, dass im Kalenderjahr 2026 kein Start der Sanierung erfolgen wird - und auch ein Baustart schon im kommenden Winter 2026/27 ist keinesfalls ausgemacht.

Auch die Frage, ob die drei Tribünen nacheinander oder in einem Rutsch saniert werden, ist nach wie vor offen. Wahrscheinlich bei einer schrittweisen Sanierung der Tribünen nacheinander sei, dass man im Westen beginne, weil dort die technischen Generalanschlüsse liegen - etwa die künftige Leitstelle für Polizei und Feuerwehr. Danach ginge es tendenziell im Süden weiter, ehe die Ostkurve den Abschluss bilde. Aber auch ein gleichzeitiger Abriss aller drei Tribünen sei weiterhin möglich, wenn Kosten-Nutzen-Abwägungen nach Prüfung der Angebote potenzieller Generalunternehmer dafür sprächen. Diese Entscheidung dürfte laut Welling und Jansen voraussichtlich im Herbst fallen.

Ein gleichzeitiger Abriss und Neubau aller drei Tribünen würde wohl die Bauzeit verkürzen, allerdings wohl zwingend einen zumindest zeitweisen Umzug des VfL für seine Heimspiele in ein anderes Stadion erfordern - ein Stadion, das im Aufstiegsfall in die 2. Bundesliga zudem DFL-Anforderungen wie eine Mindestkapazität von 15.000 Zuschauern bereitstellen muss. Welche Ausweichstadien infrage kämen und wann, wollte und konnte Welling aufgrund all der bestehenden Unsicherheiten ebenfalls nicht beantworten. Klar ist, dass der beschränkte Markt an tauglichen Stadien sondiert wird und erste unverbindliche Anfragen gestellt werden - Klarheit für den Bedarf besteht aber erst, wenn der exakte zeitliche Bauplan steht.

Viel Zeit und einige detaillierte Nachfragen kreisten um das Thema, welche Dauerkartenbesitzer auf welchen Tribünen während oder/und nach der Bauphase ihre Plätze behalten können. Hierbei gelang es Welling, einige generelle Statements zu setzen für den Fall, das die drei Tribünen nacheinander saniert werden. Dann würden, so Welling, alle aktuell knapp 9.000 Dauerkartenbesitzer stets ins Stadion kommen, weil bei nur einer fehlenden Tribüne im Baustellen-Spielbetrieb die Kapazität stets ausreiche. Zudem werde niemand, der aktuell eine Sitzplatz-Dauerkarte hat, seinen Sitzplatz verlieren - allerdings könnte es sein, dass Sitzplatz-Dauerkarteninhaber auf der Nordtribüne zeitweise und Sitzplatz-Dauerkarteninhaber auf der Südtribüne generell nicht exakt dieselben Plätze einnehmen können wie aktuell.

Wird schrittweise saniert, muss der Norden auf der einzigen Tribüne, die nicht neu gebaut wird, während der Bauphase Zuschauer-Kapazitäten aus anderen dann fehlenden Tribünenbereichen aufnehmen: Angedacht ist hier etwa der vorübergehende Umzug der Gäste auf die Westseite der Nordtribüne, wenn die Westtribüne fehlt. Oder die zeitweise Einrichtung eines VIP-Bereiches auf den Sitzplätzen im zentralen Teil der Nordtribüne, wenn die Südtribüne fehlt, aber die Westtribüne schon neu gebaut ist. Dann hätten sowohl die Fußballer, als auch die Medienvertreter bereits neue Räumlichkeiten in der Westtribüne, sodass man in den Kabinen und den aktuellen Medienräumen im Norden improvisierte VIP-Bereiche errichten könnte.

Im Süden ist der Grund, dass der dort neu entstehende VIP-Bereich im Zentrum der Tribüne vom Spielfeldrand bis unter das Dach errichtet wird und gewöhnliche Sitzplätze nur noch an der Seite der Tribüne, vor allem in der Südostecke, gebaut werden. Bisher sind die ersten sechs Reihen im Süden gewöhnliche Sitzplätze, die es so in Zukunft nicht mehr geben wird, wenn die Pläne realisiert werden. „Die Südtribüne ist unsere größte Herausforderung“, gab Welling zu und warb für einen offenen Austausch bezüglich der jeweils individuellen Anliegen. Gleiches gelte, wenn letztlich die Ostkurve neu gebaut werde - Lösungen für diese Zeit seien noch nicht entwickelt.

Klar ist aber auch, dass die bisherigen Pläne zumindest in Teilen Makulatur sein könnten, wenn der VfL für den Spielbetrieb doch zeitweise umzieht und das Stadion zur kompletten Baustelle wird. Mit den Eindrücken eines Besuchs der Stadionbaustelle in Münster sagte der Geschäftsführer der Stadion KG: „Man darf nicht unterschätzen, was auf so einer Baustelle alles rumsteht und wie viel Platz dort benötigt wird - am Ende könnte es sein, dass ein Generalunternehmer möchte, dass hier für einen gewissen Zeitraum nicht gespielt wird, um überhaupt vernünftig bauen zu können“, so Jansen.

Dem Chef der Stadion KG fiel schließlich zur Beantwortung noch eine weitere Frage zu, die in den nächsten Wochen noch an existenzieller Bedeutung gewinnen könnte: Jene nach den Rohstoffpreisen, die infolge kriegerischer Auseinandersetzungen allein in den letzten Wochen massiv gestiegen sind und jede Baustelle verteuern. Zwei Fans wollten wissen: Sei es überhaupt sicher, dass man das Projekt so durchziehen könne - oder gebe es als Plan B eine abgespeckte Version des Projekts? „Es gibt keinen Plan B“, machte Jansen klar - allein deshalb, weil es einen existierenden politischen Beschluss innerhalb klar festgelegter Grenzen gebe. Sollte irgendwann klar werden, dass es deutlich teurer wird, müsse man den dann wohl neu zusammengesetzten Stadtrat fragen, wie es weiterginge - Spekulationen über diese Frage würden aber aktuell nicht weiterhelfen. „Wir ziehen das jetzt voll durch und hoffen, dass es klappt“, sagte Jansen unter dem Applaus der Gäste.

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