Osnabrück  Flutlicht brennt, Fassade metallisch: So soll die sanierte Bremer Brücke aussehen

Malte Artmeier
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Von Malte Artmeier
| 16.04.2026 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Das Flutlicht brennt, der Schinkel erstrahlt in Lila: So stellen sich die Planer die Bremer Brücke nach der Sanierung vor. Foto: ppp architekten + generalplaner/raum+
Das Flutlicht brennt, der Schinkel erstrahlt in Lila: So stellen sich die Planer die Bremer Brücke nach der Sanierung vor. Foto: ppp architekten + generalplaner/raum+
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Die Entwurfsplanung zur Sanierung der Bremer Brücke liegt vor. Wie die Heimspielstätte des VfL Osnabrück nach dem Umbau aussehen könnte, wird damit deutlich greifbarer. Im noz-Podcast „Brückengeflüster“ sprachen die Planer im Detail über die Ergebnisse ihrer Arbeit.

Wie sieht die Bremer Brücke, die Heimspielstätte des VfL Osnabrück, nach der geplanten Sanierung aus? Die Antwort auf diese Frage ist jetzt deutlich konkreter zu beantworten. Am Donnerstagabend (18 Uhr) stellten die Planer um Architekt Nils Dethlefs (ppp Architekten in Lübeck) sowie Jan Jansen als Geschäftsführer der Stadion KG die Entwurfsplanung öffentlich vor. Bereits am Vormittag waren Dethlefs und Jansen im noz-Podcast „Brückengeflüster“ zu Gast und erläuterten ihre Ideen. Das ist das Ergebnis der monatelangen Arbeit.

Zunächst mal: So richtig fertig ist die Entwurfsplanung noch nicht. Es müssen nämlich noch „die Kosten gezogen werden“, wie Architekt Dethlefs sagt. Die exakte Errechnung der Baukosten nach aktuellen Preisen erfolgt momentan und in den kommenden Wochen. Erst dann ist die Entwurfsplanung vollständig abgeschlossen - und wird zur Grundlage für die Suche nach einem Generalunternehmer, der den Bau umsetzt. Grundsätzlich ist im letzten halben Jahr, also seit der Vorstellung des Vorentwurfs im Oktober, die Planung „baubar“ gemacht worden, wie Dethlefs erklärt. Aus einer Sammlung von Ideen und Konzepten ist ein klarer Plan geworden, wie die Bremer Brücke zukünftig aussehen kann und soll - von großen Themen wie der Gestaltung der Fassade und der Dächer bis hin zur Positionierung von einzelnen Türen.

Trotz des engen Zeitplans sind die Planer zufrieden mit den Ergebnissen ihrer Arbeit - vor allem, „weil wir nicht so viel verändert haben im Vergleich zum Vorentwurf“, sagt Dehtlefs. „Beim letzten Mal haben wir gemerkt, dass wir mit der Idee nicht alles umzukrempeln und hier ein Ufo hinzusetzen, gut gefahren sind.“

Für VfL-Fans und Liebhaber des Traditionsstandortes Bremer Brücke wichtige Elemente sind weiterhin Teil der Pläne: die Flutlichtmasten zum Beispiel, aber auch die markante Dachkonstruktion mit den Betonpylonen. Vor allem die Flutlichter über dem Schinkel lassen die Herzen der lila-weißen Anhänger höher schlagen - und sie sind für die Beleuchtung des Spielfelds nach den Berechnungen der Fachplaner sogar notwendig. Allerdings nicht komplett: Die unteren Reihen der Strahler werden abmontiert, weil sie das Dach beleuchten würden. Dazu werden die beiden kleineren Masten hinter der Süd entfernt. Die vier großen Pfeiler in den Ecken des Stadions bleiben aber bestehen und in Funktion.

Weiterhin in den Plänen enthalten: der „West-Rucksack“, wie Dethlefs das an die Westtribüne angrenzende Bauwerk nennt. Hier sollen der neue Spielertrakt und das Medienzentrum im Erdgeschoss sowie Gastronomie und sanitäre Anlagen im Obergeschoss unterkommen. Dementsprechend bleibt es auch bei der Ursprungsidee, den Spielertunnel vom Norden wieder in den Westen zu verlegen. Nach der Sanierung sollen die Profis also aus dem Westen aufs Spielfeld treten - mit dem Blick auf die mit knapp 7400 Fans gefüllte Ostkurve.

Die übrigens bleibt im Zentrum frei von Mundlöchern - das stimmungstechnische Herz des Stadions soll weiterhin „von oben befüllt werden“. Die Zuschauer gelangen über Treppenhäuser nach oben und bevölkern dann die Tribüne nach unten.

Wie angekündigt, orientieren sich die Planer in Bezug auf die Abstände zwischen Spielfeld und Tribüne an den Minimalgrenzen, die DFB und DFL als Lizenzgeber ausgeben: Je sechs Meter an beiden Seitenlinien, 7,50 Meter hinter beiden Toren. Die Entfernung wird sich ausgehend von den aktuellen Werten im Westen und Süden je um einen halben Meter vergrößern, im Osten sogar um zweieinhalb. Die unterste Stufe soll nach der Sanierung 1,09 Meter über dem Platzniveau beginnen, die Brüstung 2,20 Meter über der Rasenhöhe enden. Die Planer sind bestrebt, die Nähe zwischen Fans und Spielfeld, die die Bremer Brücke auszeichnet, so gut wie möglich beizubehalten. Nicht umsonst ist in ihren Grafiken mehrfach das Banner zu sehen, dass eine Faninitiative in den letzten Monaten und Jahren regelmäßig präsentiert: „Mythos Bremer Brücke erhalten“.

Grundsätzlich relativ wenig. Vor allem an den Ecken der Südtribüne liegen aber die offensichtlichsten Abweichungen zum Vorentwurf. So ist sowohl Richtung Osten, als auch Richtung Westen ein quergezogener Einlass anstatt eines Mundlochs geplant, sodass darüber ein „Oberrang“ mit Stehplätzen entsteht. Grund für die Änderung ist die Berechnung der Sichtachsen, die keine andere Lösung zuließ. Unter dem Einlass befinden sich elf Sitzreihen, die sich in die Südtribüne hinüberziehen. Generell ist dort nun mehr Platz für „Public Seats“, also „normale“ Sitzplätze, als ursprünglich vorgesehen - statt 360 im Vorentwurf nun 771. Grundsätzlich bleibt die Südtribüne mit 1450 VIP-Plätzen aber eher exklusiv.

Eine nette Idee, die aus den Planungen verschwunden ist, ist die Integration der Trainerbänke in die Südkurve nach englischem Vorbild: Sie werden nun, wie aktuell auch, zwischen Tribüne und Spielfeld platziert. „Dafür hatten wir schlicht keinen Platz mehr“, erklärte Dethlefs im „Brückengeflüster“.

Deutlich konkreter können die Planer inzwischen über die anvisierte Stadionkapazität sprechen. Mit 16.500 bis 18.000 bezifferten sie diese im Oktober zur Vorstellung des Vorentwurfs. Nach der Berechnung der nun erarbeiteten Pläne soll sie künftig bei 17.219 liegen - an Spieltagen sollen also bestenfalls 1478 Menschen mehr Platz finden als aktuell (15.741).

Eine weitere deutlich sichtbare Konkretisierung findet sich mit Blick auf die Außengestaltung der Bremer Brücke: Weite Teile der Fassaden sollen mit Schrägmetallpaneelen verkleidet werden, die Blicke von außen nach innen und umgekehrt ermöglichen, sowie mit passender Beleuchtung bei Abendspielen für Atmosphäre sorgen sollen.

Das hängt wesentlich davon ab, ob die Bewerbung um Fördergelder aus dem Topf des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten“ (Sportmilliarde) erfolgreich ist oder nicht. Gibt es keine Zusage, kann die Ausschreibung für mögliche Generalunternehmer umgehend erfolgen, wie Jansen als Geschäftsführer der Stadion KG erklärte. Sollten Fördergelder in Aussicht stehen, muss dieser Prozess erst abgeschlossen werden, wodurch sich ein Baustart verzögern würde. „Dann reden wir nicht mehr über einen Baustart im Jahr 2026 oder in der Winterpause 2026/27. Das kann ich mir schwer vorstellen“, sagt Jansen. „Aber wir reden über eine Fördersumme von bis zu acht Millionen Euro. Das machen wir dann natürlich.“ Die Mitteilung über die Zulassung zum Bewerbungsverfahren sollte „nach Ostern“ erfolgen. Noch ist diese nicht eingetroffen.

Darüber hinaus ist es für weitere Aussagen zu früh: Ob während des laufenden Spielbetriebs gebaut werden kann oder nicht, wird im Zuge der Suche nach dem Generalunternehmer entschieden. Laut Jansen ist zumindest wahrscheinlich, dass der Abriss und Bau an der Westtribüne startet. Optimismus verbreiteten die Planer zur Frage, ob der Kostenrahmen von 67,7 Millionen Euro eingehalten werden kann - auch wenn die weltpolitische Lage natürlich Unsicherheiten bereithält. Klar ist: Mit der Entwurfsplanung ist nun ein weiterer wichtiger Schritt gegangen. Noch greifbarer werden die Dinge aber erst, wenn ein Generalunternehmer gefunden ist.

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