Osnabrück  FC Ingolstadt taumelt erneut durch 3. Liga - Präsident schlägt Alarm

Benjamin Kraus
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Von Benjamin Kraus
| 18.04.2026 06:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Will wieder stärker ins Tagesgeschäft eingreifen: Präsident Peter Jackwerth (hier mit Sportgeschäftsführer Dietmar Beiersdorfer). Foto: imago/Bösl
Will wieder stärker ins Tagesgeschäft eingreifen: Präsident Peter Jackwerth (hier mit Sportgeschäftsführer Dietmar Beiersdorfer). Foto: imago/Bösl
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Zuletzt vier Niederlagen in Serie, nur vier Punkte aus den letzten acht Spielen: Beim traditionell hoch ambitionierten und finanzstarken FC Ingolstadt droht die Saison in der 3. Fußball-Liga unbefriedigend im hinteren Tabellenmittelfeld auszuklingen. Deshalb hat der langjährige Präsident und Vereinsgründer Peter Jackwerth jüngst in der Lokalpresse deutliche Worte gefunden.

„Es ist völlig unbefriedigend, auf welchem Tabellenplatz wir stehen.“ Diese klare Ansage machte Peter Jackwerth als Präsident, Vereinsgründer und tragender Sponsor des FC Ingolstadt jüngst im „Donaukurier“ über die Saison des aktuell auf Tabellenplatz 14 rangierenden Klubs. Vor dieser Spielzeit war zwar klar, dass der traditionell recht gut betuchte FCI finanziell etwas kleinere Brötchen backen muss. Aber dennoch ist tristes Mittelmaß in der Drittklassigkeit viel zu wenig für die hohen Ansprüche des Klubs mit der großartigen Infrastruktur und dem recht modernen Stadion, das Ansprüchen der Bundesligen genügt.

Nun droht das vierte Mal in Serie eine Saisonabschluss-Platzierung auf einem zweistelligen Tabellenrang - vor allem in den vergangenen Jahren wäre deutlich mehr möglich gewesen mit Spielerkadern, die von der Qualität der Einzelspieler betrachtet durchaus als aufstiegsreif zu sehen waren. Jetzt bezahlt der FCI die Zeche dafür, dass jene Akteure als Team nicht wirklich halten konnten, was sie versprachen, ehe ein durchaus merklicher Aderlass an Qualität im vergangenen Sommer einsetzte. Neben dem zum VfL gewechselten David Kopacz hatte der FCI damals gestandene Drittliga-Größen wie Torhüter Pelle Boevink sowie Sebastian Grönning, Pascal Testroet, Benjamin Kanuric, Mladen Cvjetinovic, Ryan Malone, Leon Guwara, Dennis Borkowski, Tim Heike und natürlich Supertalent Deniz Zeitler (nun Hoffenheim II) verloren.

In diesem Licht betrachtet, ist die aktuelle Platzierung im Fahrwasser der vergangenen Jahre eher keine Überraschung, sondern fast eine gute Leistung - insbesondere, wenn man sieht, dass einige aktuelle Ideen der Kadergestaltung beim FCI nicht wirklich funktioniert haben. So ist das als Ersatz für Zeitler geholte dänische Sturmtalent Mads Borchers (23) nach nur 15 Drittligaspielen (ein Tor) inzwischen zu HJK Helsinki weitergezogen, auch sein Landsmann Frederik Christensen (13 Spiele, ein Tor) konnte sich bis dato nicht nachhaltig empfehlen. Mehr erwartet hat man in dieser Saison sicherlich auch vom langjährigen Kapitän Lukas Fröde, der inzwischen 31 Jahre alt ist und trotz des eher mauen sportlichen Abschneidens keinen Stammplatz mehr hat, wenn die tragenden Akteure des Kaders fit sind.

Missstände, die man vor allem dem in die Kritik geratenen Sport-Geschäftsführer Dietmar Beiersdorfer anlastet. Der 62-Jährige, der inzwischen die vierte Saison bei den Schanzern wirkt, ist kürzlich in einem Donaukurier-Kommentar als Leichtmatrose und „Lame Duck im Haifischbecken 3. Liga“ bezeichnet worden. Sein Vertrag wurde jüngst noch einmal ein Jahr bis Sommer 2027 verlängert - aber nur unter der Maßgabe, dass Jackwerth auch wieder selbst bei der Kaderplanung und den Vertragsgestaltungen der Spieler prägend mitmischt. Der Gründer des 2004 ins Leben gerufenen Fusionsvereins aus den Traditionsklubs MTV und ESV will ebenfalls in etwas mehr als einem Jahr abtreten - und muss einiges tun, wenn er sein Ziel, ein solides wie zukunftsfähiges Konstrukt zu übergeben, erreichen will.

Möglich ist das allerdings durchaus, denn auch abseits der exzellenten Infrastruktur stimmt die Basis nach wie vor in Ingolstadt - auch im Kader, in dem Flügelspieler Marcel Costly nach seiner Versetzung aus der Abwehrkette ins offensive Mittelfeld regelrecht aufgeblüht und zum mit Abstand besten Torschützen des FCI (13 Treffer) avanciert ist. Stark ist auch die Entwicklung des talentierten Offensivspielers Dennis Kaygin (7 Tore), der zuletzt allerdings etwas im Formloch steckte.

Auch der nach abgesessener Gelbsperre gegen Osnabrück zurückkehrende Abwehrchef Simon Lorenz, Spielgestalter Max Besuschkow sowie die Kämpfernaturen Fredrik Carlsen und Yannick Deichmann werden gehobenen Drittliga-Ansprüchen gerecht - ebenso wie Mittelfeld-Talent Max Plath (20) und Flügelspieler Gustav Christensen (21): Der Linksaußen ist der jüngere Bruder von VfL-Kicker Frederik Christensen - das Bruderduell fällt allerdings wegen der Gelbsperre des Osnabrückers am Samstag aus.

Sicher im Sattel sitzt dagegen aktuell Trainerin Sabrina Wittmann, deren Vertrag im März über den Sommer hinaus verlängert worden ist. Seither setzte es allerdings - abseits des Sieges beim designierten Absteiger SSV Ulm - fünf Pleiten. Das größte Problem der 34-Jährigen ist der fehlende Ankerspieler in vorderster Front: Dort hat sich zwar der von Freiburg II gekommene Youngster Yann Sturm (21, sechs Tore) ordentlich entwickelt, abseits davon fehlen aber Spieler von jenem Format, wie man sie aus den Jahren zuvor beim FCI kannte.

Fünf Spiele vor Schluss sollte das Polster zur Abstiegszone mit elf Punkten Vorsprung zwar nach wie vor ausreichen. Aber der Druck auf dem FCI-Kessel wird größer nach der klaren Positionierung des mächtigsten Mannes im Verein, der vor allem das Verharren in der Komfortzone bei seinen Fußballern öffentlich anprangerte. Man darf gespannt sein, ob es im ersten Heimspiel danach gegen den VfL an diesem Samstag (14 Uhr) eine sichtbare Reaktion der Fußballer im zuletzt mit nicht mal 5.000 Fans eher spärlich besuchten Audi-Sportpark geben wird.

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