Osnabrück  Preis in Chicago: Schäffer in Osnabrück zählt zu den fünf besten Kaufhäusern der Welt

Corinna Berghahn
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Von Corinna Berghahn
| 16.04.2026 15:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vanessa Waldvogel und Tobias Schonebeck von Schäffer präsentieren stolz die zwei Preise, die das Osnabrücker Kaufhaus in den USA gewonnen hat. Foto: Tobias Saalschmidt
Vanessa Waldvogel und Tobias Schonebeck von Schäffer präsentieren stolz die zwei Preise, die das Osnabrücker Kaufhaus in den USA gewonnen hat. Foto: Tobias Saalschmidt
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Große Bühne für ein Osnabrücker Traditionshaus: Das Kaufhaus Schäffer gehört zu den fünf besten der Welt. Warum der internationale Preis nicht nur für das Unternehmen, sondern für die ganze Stadt ein starkes Signal ist, erklären die Geschäftsführer Vanessa Waldvogel und Tobias Schonebeck im Interview.

Das Osnabrücker Traditionskaufhaus Schäffer gehört zur Weltspitze: In Chicago wurde das Unternehmen mit dem Global Innovation Award (gia) ausgezeichnet, als eines der fünf besten Handelskonzepte weltweit.

In Zeiten, in denen oft über die Krise der Innenstädte gesprochen wird, ist das ein Zeichen dafür, dass stationärer Handel funktionieren kann – wenn er sich neu erfindet. Vanessa Waldvogel und Tobias Schonebeck über die Bedeutung der Auszeichnung.

Frage: Frau Waldvogel, Herr Schonebeck: Herzlichen Glückwunsch! Wie ordnen Sie den gia-Award ein?

Antwort: Vanessa Waldvogel: Der gia ist der wichtigste internationale Preis unserer Branche. Vergleichbares gibt es nicht. Für uns ist das die höchste Auszeichnung.

Frage: Und wie lief das konkret ab, wie wird man da überhaupt ausgezeichnet?

Antwort: Tobias Schonebeck: Zunächst wurden wir als einer von 31 nationalen Gewinnern ausgewählt. In Chicago hat eine internationale Jury dann die fünf besten Konzepte weltweit gekürt. Dass wir dazugehören, ist etwas Besonderes.

Frage: Auch Harrods gehörte bereits zu den Preisträgern, doch zumeist dominieren mittelgroße Einzelhändler, oder?

Antwort: Schonebeck: Der Award legt keine Größenkriterien fest und es geht im Kern um Innovation, Flexibilität und zukunftsweisende Ideen. Das sind häufig die Stärken der kleineren und mittelständischen Unternehmen. Wir haben uns vor dem Hintergrund auch gewundert und besonders gefreut, dass wir da so wahrgenommen werden und diesen Award gewinnen.

Frage: Was hat dieser Moment bei Ihnen ausgelöst?

Antwort: Waldvogel: Es fühlt sich ein bisschen wie Silvester an. Wir sind unglaublich stolz, und das Team freut sich mit. Auch von Kunden und Partnern kommt viel positives Feedback.

Frage: Gerade in schwierigen Zeiten für den Handel: Was bedeutet der Preis für Sie?

Antwort: Waldvogel: Sehr viel. Das klassische Kaufhaus ist kein Selbstläufer mehr. Die Auszeichnung zeigt: Unser Konzept funktioniert.

Antwort: Schonebeck: Und sie zeigt auch: Es gibt nicht nur Krisenmeldungen, sondern auch positive Entwicklungen.

Frage: Stichwort Krise: Teilen Sie den Blick auf schwächelnde Innenstädte?

Antwort: Schonebeck: Es gibt Herausforderungen, aber ich halte nichts vom Untergangsgesang. Wir verstehen uns als Teil der Stadtentwicklung. Eine attraktive Stadt ist die Grundlage für erfolgreichen Handel.

Frage: Was macht Osnabrück aus Ihrer Sicht besonders?

Antwort: Schonebeck: Die Mischung aus Altstadt, individuellen Läden und gewachsenen Strukturen.

Antwort: Waldvogel: Der Preis zeigt: Hier gibt es ein modernes, zukunftsfähiges Konzept. Darauf können auch unsere Kunden stolz sein.

Frage: Wie wichtig sind die Kunden für diesen Erfolg?

Antwort: Waldvogel: Zentral. Viele sagen: „Schön, dass es euch gibt.“ Der Preis verstärkt dieses Gefühl und schafft Identifikation.

Frage: Was glauben Sie, womit haben Sie die Jury überzeugt?

Antwort: Schonebeck: Mit dem Mix aus Tradition und Innovation. Wir entwickeln uns ständig weiter – im Sortiment, im Ladenbau und im Marketing.

Frage: Können Sie Beispiele nennen?

Antwort: Schonebeck: Ein Beispiel ist, dass wir die Marke Schäffer stärker in den Fokus rücken und uns zudem bewusst vom standardisierten, herstellergeprägten Ladenbau lösen. So schaffen wir mehr Individualität. Gleichzeitig treiben wir die Digitalisierung voran, etwa mit Multichannel-Angeboten, einer 24/7-Abholstation und Selbstcheckout-Kassen.

Frage: Wie sehr hat sich der Handel in den letzten Jahren verändert?

Antwort: Schonebeck: Innenstadt ist heute Erlebnisraum. Menschen kommen für Inspiration und Atmosphäre.

Frage: Und was heißt das konkret für Ihr Haus?

Antwort: Schonebeck: Erlebnis muss erlebbar sein – mit Aufenthaltsqualität und Angeboten für Familien. Das kann Onlinehandel nicht ersetzen.

Antwort: Waldvogel: Konsum ist emotionaler geworden. Oft geht es um kleine Dinge, die Freude machen, nicht mehr nur das große Tafelservice.

Frage:  Welche Rolle spielt dabei die Mischung in der Innenstadt?

Antwort: Schonebeck: Frequenz ist wichtig, aber entscheidend ist Vielfalt. Das Individuelle macht Städte besonders.

Frage: Haben Sie auch viele Besucher von außerhalb?

Antwort: Waldvogel: Ja, wir haben ein großes Einzugsgebiet. Der Preis kann Osnabrück als Einkaufsziel weiter stärken.

Frage: 135 Jahre Schäffer – wie wichtig ist Tradition für Sie?

Antwort: Waldvogel: Sehr wichtig, aber nicht im Sinne von Stillstand. Unsere Geschichte verpflichtet uns, uns immer wieder neu zu erfinden.

Frage: Und wie feiern Sie das Jubiläum mit Ihren Kunden?

Antwort: Waldvogel: Vom 20. bis 25. April gibt es eine Jubiläumswoche mit Rabatten. Und am Montagmittag, 20. April, kommt Oberbürgermeisterin Katharina Pötter zur feierlichen Enthüllung des gia-Awards.

Frage: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Wie sollte sich die Osnabrücker Innenstadt entwickeln?

Antwort: Schonebeck: Mehr Mut, weniger Jammern. Wer gestaltet, hat eine Chance.

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