Osnabrück Osnabrücker Ostbunker kriegt Löcher: Exklusive Einblicke in den spektakulären Umbau
Der Umbau des Osnabrücker Ostbunkers im Stadtteil Schinkel ist gestartet. Eine Fachfirma schneidet Öffnungen für Türen in die meterdicken Betonwände. Es ist ein Aufwand, der seinesgleichen sucht. Wir haben uns das vor Ort angeschaut.
Der Umbau des Osnabrücker Ostbunkers für 1,5 Millionen Euro hat begonnen. Es ist ein Projekt mit gewaltigen Ausmaßen und Seltenheits-Charakter, wie bei einem Ortsbesuch an der Oststraße im Stadtteil Schinkel deutlich wird.
„Bunkerwände schneidet man nicht jede Woche“, sagt Philipp Hoppe, Geschäftsführer der Diamant Bohr- und Trennservice GmbH (DBT) aus Wallenhorst. Sein Job: Auf jeder Etage Löcher in den meterdicken Beton schneiden, damit die Stadt neben dem Haupteingang einen zweiten Fluchtweg über eine Außentreppe herstellen kann.
Die Wände sind 1,10 Meter dick, im verstärkten Sockel am Boden sogar 3 Meter. Als die alliierten Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg Osnabrück bombardierten, bot der Hochbunker Zuflucht für Hunderte Menschen, die dort in Todesangst ausgeharrt haben müssen.
Heute schallt das Kreischen der Säge durch die Luft an der Oststraße. Diese Säge ist ein diamantbesetztes Stahlseil, mit dem Hoppe und sein Team den Beton schneiden.
Sie arbeiten im Inneren des Bunkers. Dort bohren sie an den Ecken für die Türen Löcher, um das Seil durchzuführen und den Beton zu schneiden. Die Bohrkerne zeigen eine erstaunliche Dichte, betont Hoppe.
An der Außenwand haben seine Mitarbeiter an den Schnittlinien Holzleisten befestigt. Die Leisten verhindern unter anderem, dass das Wasser zur Kühlung des Seils durch die Gegend spritzt.
Wie ein großer Legostein ragt unten schon ein Betonklotz ein Stück hervor. Pro Tür schneiden die DBT-Mitarbeiter zwei solcher Klötze heraus und schieben sie von innen nach außen. Die Klötze wiegen zwei und vier Tonnen, der unterste Klotz wegen des Sockels sogar fünf Tonnen – so viel wie ein afrikanischer Elefant. Noch im April soll ein Baukran die Betonklötze herausheben, damit sie abtransportiert werden können.
Die Dicke der Bauteile und ihr Transport sind etwas Besonderes, sagt DBT-Chef Hoppe. Damit seine Firma die Betonklötze herausschneiden kann, musste die Stadt extra eine Starkstromleitung legen.
Das übliche Stromnetz reiche für das Spezialgerät nicht aus, erläutern Ludger Rasche, Fachdienstleiter im städtischen Eigenbetrieb Immobilien der Stadt Osnabrück, und Projektleiterin Manuela Krause. Sie ist bei der Stadt für die Bauunterhaltung der Jugendzentren verantwortlich ist.
Vor ziemlich genau zwei Jahren hatte die Stadt das Jugend- und Kulturzentrum im Schinkel von heute auf morgen geschlossen, weil nach fast 50 Jahren täglicher Nutzung plötzlich erhebliche Mängel beim Brandschutz aufgefallen waren.
Einziger Fluchtweg des Ostbunkers war das innenliegende Treppenhaus. Osnabrücks Feuerwehrchef Dietrich Bettenbrock erklärte unserer Redaktion damals: Wäre ein Feuer ausgebrochen, hätten die Besucher im Bunker festgesteckt „wie in einer Mausefalle“.
Mehrfach verzögerte sich der Umbau. Zum einen sei es „kein einfaches Bauwerk“, wie Rasche sagt, und es gebe nur wenige Bauunterlagen dazu. Zum anderen verfolgte die Stadt zwei Planungen parallel (mit und ohne Fahrstuhl), stellte Förderanträge und hatte Erfolg: Der Bunker wird nun auch barrierefrei.
Im Auge des Außentreppenturms wird ein Fahrstuhl entstehen, und auch die Toiletten werden barrierefrei. Weil der Platz begrenzt ist, hat sich die Stadt für Unisex-Toiletten entschieden.
Davon abgesehen will die Stadt nicht viel im Bunker verändern. „Wir werden versuchen, die Wände so zu lassen, wie sie sind“, erläutert Manuela Krause. Jugendliche aus dem VfL-Fanprojekt und aus dem Jugendtreff haben die Innenwände mit aufwendigen Graffitis verziert.
„Wir wollen die Atmosphäre so lassen“, sagt Ludger Rasche. „Es soll ein Jugendzentrum bleiben und darf auch ein wenig ruppig sein.“
Lediglich der Bodenbelag auf den verschiedenen Etagen soll erneuert und die Lüftungsanlage optimiert werden. Und die Etage, auf der sich anmietbare Proberäume für Bands befinden, wird Fenster erhalten, erläutert Melanie Krause.
In der obersten Etage, in der die Jugendzentrumsmitarbeiter ihre Büros haben, gibt es bereits Fenster.
Herzstück des Ostbunkers ist der Konzertbereich auf der ersten Etage. Dort hängen weiterhin viele Plakate früherer Konzerte. Nur den Bühnenaufbau hat die Stadt für den Umbau entfernt.
Da, wo die Firma DBT die Löcher schneidet, haben die Mitarbeiter alte Tapete freigelegt. Manuela Krause erzählt, dass sie auf alte Unterlagen gestoßen sei, wonach der Bunker in der Nachkriegszeit als Möbelhaus gedient habe.
Vor dem Eingang des Ostbunkers stehen eine alte Platane und eine Winterlinde. Die Stadt hofft, dass die Bäume durch das Legen der Fundamente für den Treppenturm und Fahrstuhl keinen Schaden nehmen werden. Sie sollen erhalten bleiben.
Wenn weiterhin alles planmäßig läuft, soll der Ostbunker-Umbau im Frühjahr 2027 fertig sein. Im Anschluss will die Stadt mit Fördermitteln die Außenbereiche verschönern.