Osnabrück  Aus für das Polly Esthers am Osnabrücker Domhof – oder was ist da los?

Corinna Berghahn
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Von Corinna Berghahn
| 15.04.2026 07:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Was ist los mit dem Polly Esthers? Seit Ende März hat die Osnabrücker cafébar geschlossen – und sucht nach einem neuen Betreiber. Foto: Denise Matthey
Was ist los mit dem Polly Esthers? Seit Ende März hat die Osnabrücker cafébar geschlossen – und sucht nach einem neuen Betreiber. Foto: Denise Matthey
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Das Polly Esthers gehört seit vielen Jahren zur Osnabrücker Gastroszene, nun ist die Cafébar am Osnabrücker Domhof geschlossen. Ob und wann es an gleicher Stelle weitergeht, ist noch offen.

Das „Polly Esthers“ am Osnabrücker Domhof ist Geschichte: Seit dem 31. März ist die Bar geschlossen, über dem Eingang wird nach einem „neuen Mieter mit neuen Ideen“ gesucht. Wie und wann es an gleicher Stelle weitergeht, ist noch offen.

Dabei blickt das Polly Esthers, von den Osnabrückern auch Pollys genannt, auf eine lange Geschichte zurück. Gegründet wurde es in den 1990er-Jahren von Steve McGuire in der Herrenteichsstraße.

Damals galt sie als eine der ersten Cafébars in Osnabrück – und entwickelte sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt und schlug ein „wie einen Bombe“, wie er gegenüber unserer Redaktion einmal erzählte.

2008 folgte der Umzug an den Domhof, nachdem am ursprünglichen Standort das Parkhaus von L+T gebaut wurde. Auch dort blieb das Pollys – nun auf über drei Etagen beheimatet – über Jahre hinweg eine feste Größe in der Osnabrücker Gastro- und Kneipenszene.

Verschiedene Betreiber prägten das Lokal im Laufe Zeit, darunter bekannte Namen wie Martin Wüst, Hendrik Vogelsang oder Mesut Ayvaz.

Das Pachtverhältnis des bis dato letzten Betreibers endete nun vorzeitig: „Er ist aus privaten Gründen ausgestiegen“, sagt Immobilieneigentümer Sebastian Spille im Gespräch mit unserer Redaktion. Eigentlich habe ein langfristiger Mietvertrag bestanden. „Aber es bringt nichts, wenn man so ein Konzept nicht mehr mit Herzblut weiterführt. Deshalb haben wir ihn aus dem Vertrag entlassen.“

Für Spille steht fest, dass die Fläche wieder gastronomisch genutzt werden soll – idealerweise mit einem ähnlichen Konzept wie früher. „Das war immer eine klassische Studentenbar. Genau dahin soll es auch wieder gehen“, sagt er. Der Standort habe über Jahre hinweg gezeigt, dass er vor allem bei jungen Leuten gut funktioniere.

Wie prägend das Polly Esthers für die Stadt war, zeigt auch der Blick zurück: „Die Stimmung war toll: Es kamen ganze Generationen von Schülern des Carolinums, später auch Mitarbeiter des Theaters oder vom La Vie, die nach der Vorstellung oder Dienstende bei uns einkehrten“, erinnert sich der frühere Betreiber Hendrik Vogelsang.

Ganz ohne Interesse steht die Fläche nicht da: Nach Angaben Spilles gibt es bereits mehrere Anfragen potenzieller neuer Betreiber. „Wir sind in Gesprächen, aber noch ist nichts unterschrieben“, sagt er. Viele von ihnen hätten konkrete Ideen für eine Bar – teils ebenfalls mit Fokus auf ein studentisches Publikum. Dass der alte Name bleibt, glaubt Spille jedoch nicht: „Er ist für einen Neustart vielleicht verbrannt.“

Eine zentrale Voraussetzung für Spille: Engagement. „Wichtig ist, dass jemand mit Herzblut dabei ist und das nicht nur nebenbei betreibt. Das merkt man – und das kommt auch bei den Gästen an.“

Vor einer möglichen Neueröffnung wurde die Fläche bereits umfassend überarbeitet. Nach einem Wasserschaden im vergangenen Jahr und weiteren Renovierungsarbeiten wurden unter anderem Leitungen, Anschlüsse und Sanitärbereiche erneuert.

Wann genau es weitergeht, hängt nun von den laufenden Gesprächen ab. Spille hofft auf eine zügige Lösung: „Ich habe den 1. Mai im Visier. Wenn es der 1. Juni wird, ist das aber auch noch in Ordnung.“ Ziel sei es, möglichst bald wieder Leben in die Räume am Domhof zu bringen – idealerweise rechtzeitig zur Maiwoche oder zur Sommersaison.

Dass das Polly Esthers vielen Osnabrückern fehlen wird, steht für ihn außer Frage. „Das war eine Institution“, sagt Spille. „Umso wichtiger ist es, dass hier wieder ein Konzept einzieht, das an diese Zeit anknüpfen kann.“

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