Osnabrück „Dann muss ich wohl noch öfter treffen...“: Der VfL Osnabrück und der Badjie-Effekt
Ismail Badjie ist beim VfL Osnabrück der Mann für die besonderen Tore. Siebenmal hat er für die Lila-Weißen in dieser Saison schon getroffen - immer gewannen die Osnabrücker danach. Auch gegen Cottbus. Gegen den Ostklub erzielte Badjie im Rück- wie im Hinspiel das entscheidende 1:0.
Einige seiner Teamkollegen waren am Sonntag bereits geduscht, da stand Ismail Badjie noch immer im Innenraum der Bremer Brücke, gab Interviews und erfüllte Selfie-Wünsche der Fans. Zuvor hatte er ausgelassen gejubelt. „Nach dem Spiel war bei mir komplette Ekstase“, sagt Badjie über seinen Gefühlszustand: „Ich glaube, ich habe jeden aus der Mannschaft umarmt. Da gab es kein Halten mehr.“.
Dass die Freude im Stadion derart überschwänglich war, daran hatte Badjie großen Anteil. Der 20-Jährige war beim 1:0 des VfL Osnabrück gegen Energie Cottbus der Mann des Spiels - mal wieder. Und einmal mehr als Joker.
Der Offensivmann, der seit der U11 bei den Lila-Weißen spielt, absolvierte sein 27. Saisonspiel in der 3 Liga. Achtmal stand er davon in der Startelf. Zuletzt in Duisburg, wo der 20-Jährige seine Schnelligkeit und Zielstrebigkeit nicht ganz so gut einbringen konnte, wie am Sonntag. Gegen Cottbus kam Badjie zum 19. Mal von der Bank. Oft ist er eine der ersten Optionen. So früh wie diesmal wurde er allerdings noch nie eingewechselt. Lars Kehl musste in der 14. Minute verletzt das Feld verlassen. Badjie ersetzte den Offensivmann und orientierte sich auf die linke Seite hinter Spitze Robin Meißner.
„Sie liegt ihm vielleicht sogar ein bisschen mehr“, sagt sein Trainer Timo Schultz: „Von dort aus kann er nach Innen ziehen.“ Doch auch auf der rechten Seite hat Badjie in dieser Saison schon gespielt - offensiv und auf der Außenbahn. Der 20-Jährige ist flexibel, er ist schnell und das nicht nur auf den Beinen, sondern auch im Kopf. Aber vor allem ist er in dieser Saison eines: unglaublich effektiv.
In 963 Einsatzminuten erzielte er bisher sieben Tore - und gab eine Vorlage (beim 2:0 gegen Viktoria Köln). Im Schnitt trifft er alle 138 Minuten. Kein VfLer ist effektiver als er. Fünfmal traf Badjie als „Joker“. Insgesamt fünfmal erzielte er das 1:0 - dreimal davon war es das Tor des Tages: Im Hinspiel in Cottbus, gegen Ingolstadt und noch einmal gegen Energie. In Aue, bei seinem ersten Treffer in dieser Saison am siebten Spieltag, machte er mit dem Tor zum 3:1 den berühmten „Deckel“ auf die Partie, ebenso beim 4:1 gegen Mannheim.
Badjie ist einer der Männer für die wichtigen Tore beim VfL in dieser Saison. Immer wenn er trifft, gewinnen die Osnabrücker. Der „Badjie-Effekt“ hat bisher stets gewirkt. Ob er selbst auch daran gedacht hat, als er das 1:0 am Sonntag erzielte? „In dem Moment nicht. Aber danach hat es mir gleich jemand erzählt“, sagt Badjie und lacht. In der 50. Minute traf der Offensivmann nach starker Vorarbeit von Frederik Christensen. „Vor dem Tor habe ich gesehen, Freddy hat sehr viel Platz auf der Außenbahn und da habe ich mich entschieden in die Box zu gehen, statt nach außen. War genau richtig“, beschreibt Badjie die Situation vor seinem Tor und fügt an: „Der Ball kam dann perfekt, so dass ich mit einem Kontakt direkt verwerten konnte. Nachgedacht habe ich nicht viel darüber. Ich wusste nur, den muss ich jetzt direkt aufs Tor bringen, sonst wird es schwierig.“
Als Dank riefen ihn die Fans in der Ostkurve nach der Partie auf den Zaun, in dem Stadion, das er seit seiner Kindheit kennt. In Gambia wurde der 20-Jährige geboren, doch aufgewachsen ist er in Osnabrück. Früh wechselte er zum VfL und macht hier nun seit einem Jahr rasante erste Schritte im Profifußball.
Einen Vertrag für die kommende Saison hat er schon früh in dieser Spielzeit unterschrieben. Immer wieder aber sitzen die Scouts höherklassiger Klubs auf der Tribüne an der Bremer Brücke. Der Erfolg des Tabellenführers macht eben sexy. Die Späher haben natürlich auch 20-Jährigen im Blick. Ein Aufstieg in die 2. Bundesliga würde es wahrscheinlicher machen, dass der VfL ihn auch weiter halten kann.
Dass dies gelingen könnte, ist seit Sonntag wieder ein Stück weit realistischer geworden. Das sieht auch Badjie so: „Das war ein großer Schritt in Richtung 2. Bundesliga“, sagt er und schickt sofort die Mahnung hinterher: „Wir dürfen uns jetzt nicht ausruhen. Das wäre das Schlimmste, was wir machen könnten.“
Seine Trainingsjacke hatte er da schon längst an. Denn den Schlusspfiff hatte Badje von der Bank aus erlebt. Ungewöhnlich für einen „Mann des Tages“ wurde Badjie nicht nur ein-, sondern auch ausgewechselt in der 86. Minute. Nicht, weil die Leistung nicht passte, sondern weil Schultz mit anderen Mitteln den Sieg sichern wollte. „Für mich kein Problem“, sagt Badjie: „So lange wir die drei Punkte einfahren, ist mir alles Recht.“ Der Badjie-Effekt hat auch so gewirkt - und soll noch öfter zuschlagen. „Wenn es den wirklich gibt“, sagt der 20-Jährige: „Dann muss ich wohl noch öfter treffen....“