Osnabrück  Freie Bahn für alle? Wie sich die Stadt Osnabrück mit ihren Einfallstraßen abquält

Wilfried Hinrichs
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Von Wilfried Hinrichs
| 15.04.2026 05:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dieses Bild der Iburger Straße zeigt ein Kernproblem des Osnabrücker Verkehrs: Auf den großen Einfallstraßen konkurrieren Busse, Radfahrer und Autos um den Platz. Foto: Jörn Martens
Dieses Bild der Iburger Straße zeigt ein Kernproblem des Osnabrücker Verkehrs: Auf den großen Einfallstraßen konkurrieren Busse, Radfahrer und Autos um den Platz. Foto: Jörn Martens
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Osnabrück hat ein Problem: Weil es neben dem Wallring keine äußere Ringstraße gibt, kämpfen Autos, Busse und Radler um den Platz auf den Radialstraßen, die sternförmig ins Zentrum führen. Der Streit um die Iburger Straße lenkt den Blick wieder auf die Mutter aller Probleme in der Osnabrücker Verkehrspolitik.

Ein halbes Jahr vor der Kommunalwahl dürfte es im Osnabrücker Stadtrat hoch hergehen. Die CDU-Fraktion hebt zur Sitzung am Dienstag, 21. April, einen wunden Punkt der Verkehrspolitik auf die Tagesordnung: die Einfallstraßen. Anlass ist der jüngste Streit um den Umbau der Iburger Straße. „Verkehrschaos an der Iburger Straße verhindern – Keine Halbierung großer Ausfallstraßen“, mit dieser Überschrift setzt die CDU den Ton in der Debatte.

Eigentlich ist ja die Luft raus aus dem Streit um die Umweltspuren auf der Iburger Straße. Die Verkehrsexperten im Rathaus haben dargelegt, dass die Einrichtung einer Umweltspur für Busse und Radfahrer und die Verengung des Autoverkehrs auf zwei Spuren zu so großen Staus führen würde, dass ein solcher Umbau gegen geltendes Recht verstoßen würde. Im Stadtentwicklungsausschuss einigten sich die Fraktionen daher auf eine kleine Lösung, die die Vierspurigkeit belässt und mehr Sicherheit für Radfahrer schaffen soll.

Trotzdem will CDU-Fraktionschef Marius Keite die Iburger Straße zum Anlass nehmen, in der Ratssitzung Grundlegendes zu den Einfallstraßen zu sagen. Die müssen, so der Standpunkt der CDU, leistungsfähig bleiben – und das lasse sich oft nur durch vier Autospuren erreichen.

Bei den Grünen und in der Radfahrer-Lobby sehen das viele ganz anders. Die heißen Debatten der vergangenen Jahre über die Pagenstecherstraße oder Martinistraße haben gezeigt, dass es die optimale Lösung, die Autofahrer, Buskunden, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen zufriedenstellt, in der Regel nicht gibt.

Beispielhaft lässt sich das Dilemma an der Pagenstecherstraße ablesen. Sie ist in Osnabrück zum Symbol für die unlösbaren Zielkonflikte in der lokalen Verkehrspolitik geworden. Als 2020 eine 18-jährige Radfahrerin bei einem Unfall auf der Pagenstecherstraße starb, riefen alle Fraktionen nach mehr Sicherheit. Doch jede angedachte Lösung blieb mit Nebenwirkungen verbunden: Eine Zweispurigkeit würde den Verkehrsfluss massiv ausbremsen, das Abbiegen unmöglich machen, den Unternehmen das Geschäft erschweren. Und für breite Radwege entlang von vier Fahrspuren müssten 27 Großbäume geopfert werden.

Am Ende einer monatelangen Debatte, in der sich sogar Radfahrer-Lobby und Baumschützer verhakten, entschied der Rat, die Pagenstecherstraße punktuell sicherer zu machen und die parallel verlaufende Natruper Straße für den Rad- und Nahverkehr zu optimieren. Parkstreifen auf der Pagenstecher wurden mit Betonklötzen blockiert, Bäume in Pflanzkübeln aufgestellt. Ein Konzept für die Natruper Straße liegt bis heute nicht vor.

Auch auf der Martinistraße hat sich nichts getan, obwohl seit zehn Jahren über einen Umbau diskutiert wird. Die bisherige Planung sieht vor, den Verkehrsraum anders aufzuteilen: mehr Platz für Busse und Radfahrer, nur noch ein Fahrstreifen je Richtung für den Autoverkehr. Anwohner hoffen auf weniger Autoverkehr und die Stadtwerke auf eine Beschleunigung ihrer Busse.

2020 scheiterte die Stadt mit einem Förderantrag. Dem Land waren die Planungen zu vage und unausgereift. Seither liegen die Pläne auf Eis. 2024 ließ die Stadt die marode Fahrbahndecke erneuern und gewann damit Zeit für weitere Planungen.

Kaum Komplikationen gab es dagegen bei Eingriffen auf der Mindener Straße. 2024 reduzierte die Stadt den Autoverkehr auf dem Abschnitt zwischen der Schellenbergstraße und der A33-Auffahrt Lüstringen auf eine Spur je Richtung. Aus Fahrbahn und Parkstreifen machten die Verkehrsplaner breite Radfahrwege. Ein weißer Strich trennt seither Autofahrer und Radler. Der Verkehr fließt trotz der Verengung weitgehend störungsfrei.

Das Beispiel Mindener Straße zeigt auch, dass es keinen Masterplan gibt, der sich bei allen Einfallstraßen anwenden ließe.

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