Osnabrück  Nach Sieg gegen Cottbus: Für den VfL Osnabrück ist die Tür zur 2. Bundesliga offen

Malte Artmeier, Susanne Fetter
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Von Malte Artmeier, Susanne Fetter
| 13.04.2026 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die pure Freude nach dem Schlusspfiff: Fridolin Wagner (links) und Lukas Jonsson vom VfL Osnabrück schreien die Erleichterung nach dem 1:0-Sieg gegen Cottbus heraus. Foto: Helmut Kemme
Die pure Freude nach dem Schlusspfiff: Fridolin Wagner (links) und Lukas Jonsson vom VfL Osnabrück schreien die Erleichterung nach dem 1:0-Sieg gegen Cottbus heraus. Foto: Helmut Kemme
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Das Stadion war in bester Verfassung und die Mannschaft nach einer komplizierten Anfangsphase auch: Der 1:0-Sieg des VfL Osnabrück gegen Energie Cottbus sendete klare Signale, dass die Lila-Weißen bereit sind, die letzten Schritte Richtung Aufstieg in die 2. Bundesliga zu gehen.

Die Fans des VfL Osnabrück waren vorbereitet. Als Antwort auf die Choreografie im Gästeblock kritzelten sie vor oder während des 1:0-Siegs gegen Energie Cottbus noch ein Transparent. Denn bei der ansonsten etwas verunglückten Choreografie der Cottbuser Anhänger prangte folgender Satz vor dem Zaun: „Morgen schreibt das ganze Land: Cottbus hat Osnabrück überrannt“. In der Ostkurve war direkt nach Schlusspfiff zu lesen: „Selbst Wollitz ist bekannt: In Osnabrück wird Cottbus überrannt.“

Eine kleine, aber feine Replik, nicht nur auf die leicht übermütige Prognose der Energie-Fans, sondern auch in Richtung des ehemaligen Osnabrücker Spielers und Trainers Claus-Dieter Wollitz, der dem VfL im Vorfeld des Spiels ohne Grundlage unterstellte, sich schon in der 2. Bundesliga zu wähnen. Passend dazu skandierte das Stadion den alten Gesang: „Wollitz hat gesagt, wir steigen auf...“

Der 60-Jährige selbst beschwerte sich zwar nach der Partie wohl nicht zu Unrecht über Beleidigungen und Mittelfinger in seine Richtung, aber vor allem mit Blick auf die eigene Choreografie vor dem Anpfiff und die Unterstützung für das eigene Team in den 100 Spielminuten zuvor, lässt sich feststellen: Die Bremer Brücke war an diesem Sonntagnachmittag in Bestform.

Schon vor der Partie war zu spüren, dass dies hier kein „normales“ Heimspiel war: Das ausverkaufte Stadion war früher voller als sonst und das Einsingen in der Ostkurve lauter als gewöhnlich - dazu die einfache, aber eindrucksvolle VfL-Blockfahne inklusive hunderter lila-weißer Fähnchen zum Einlauf der Mannschaften. Das Publikum bejubelte gewonnene Zweikämpfe mehr als an einem x-beliebigen Spieltag und half so dem Team auf dem Rasen, nach einer schwierigen Anfangsphase, als die Gäste das Kommando übernahmen, in die Partie zu finden. Die Saison geht dem Endspurt entgegen und der VfL könnte etwas Großes schaffen - die Zuschauer an der Bremer Brücke hatten das begriffen und übertrugen ihre Energie auf die Mannschaft.

Entsprechend arbeitete sich die Elf von Trainer Timo Schultz ins Spiel, vor allem auch dank eines eigentlich unglücklichen Umstands: Spielmacher Lars Kehl musste nach einer Viertelstunde infolge eines Pressschlags ausgewechselt werden. Ismail Badjie kam aufs Feld und belebte das Spiel des VfL innerhalb weniger Minuten. Der Lohn für starke 20 Minuten vor der Pause blieb zwar aus, aber die Osnabrücker waren angekommen - und belohnten sich nach der Pause eben durch Badjie nach einem tollen Pass von Frederik Christensen.

In der letzten halben Stunde entnervte der VfL die sonst so offensivstarken Gäste mit konzentrierter Abwehrarbeit - eine Tugend, die diese Mannschaft schon in der gesamten Saison auszeichnet. Der VfL blieb zum 18. Mal ohne Gegentor, spielte inzwischen deutlich öfter zu Null als dass er einen Treffer schlucken musste. Es ist und bleibt die Basis für den Erfolg. In der Schlussphase am Sonntag war Lila-Weiß dem 2:0 sogar näher als Energie dem Ausgleich. Dass Bryan Henning und Niklas Wiemann ihre Gelegenheiten ausließen, störte am Ende aber niemanden.

Denn nach dem Schlusspfiff entlud sich beim Team und dem Publikum die Anspannung, die nach der ersten Niederlage des Jahres am Dienstag in Duisburg (0:1) und der enger gewordenen Tabellenlage gewachsen war. Es sah schon fast nach einer Aufstiegsparty aus in diesem Moment, in dem der VfL bei sieben Punkten Vorsprung und noch fünf ausstehenden Spielen die Tür zur 2. Bundesliga ziemlich weit aufgestoßen hatte. Nur einem war all das nicht so ganz geheuer. „Mir war es schon fast zu viel Gejubel“, sagte Trainer Schultz.

Den Impuls seiner Spieler, sich für das Geschaffte feiern zu lassen, versteht der 48-Jährige natürlich. Sie hatten es sich nach einer kämpferischen Topleistung verdient. Aber der Trainer kündigte sogleich an, seine Mannschaft für die anstehenden Aufgaben zu sensibilisieren. Denn die Tür ist zwar offen, aber sie muss noch durchschritten werden.

Dazu muss die Mannschaft noch einige Hürden nehmen und Widerstände überwinden. Dass sie das wie keine zweite in der Liga kann, hat sie gegen Cottbus erneut gezeigt. Sie hat auf die Niederlage gegen Duisburg reagiert, auch Schultz hat die richtigen Schlüsse gezogen. Sie hat die Ausfälle von Robin Fabinski und Kehl, der laut VfL-Angaben vom Montag zwar keine schwerwiegende Verletzung erlitten hat, aber „vorerst“ fehlen wird, kompensiert. Sie hat das Getöse des Cottbuser Trainers im Vorfeld entspannt hingenommen. Und sie hat den keinesfalls enttäuschenden Gegner, die zweitbeste Offensive der Liga, vom eigenen Tor ferngehalten, als es drauf ankam. Der VfL ist bereit, die letzten Schritte zu gehen - dieser Sieg in einem eminent wichtigen Spitzenspiel ist Beweis dafür.

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