Osnabrück  VfL Osnabrück meldet sich ebenfalls bereit für den FC Energie Cottbus

Benjamin Kraus
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Von Benjamin Kraus
| 10.04.2026 18:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Wollen wieder jubeln: Die VfL-Spieler nach dem Sieg im Hinspiel beim FC Energie Cottbus Foto: osnapix/Michael Titgemeyer
Wollen wieder jubeln: Die VfL-Spieler nach dem Sieg im Hinspiel beim FC Energie Cottbus Foto: osnapix/Michael Titgemeyer
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Das Topspiel der 3. Fußball-Liga steht bevor: Der Tabellenführer VfL Osnabrück erwartet den Dritten FC Energie Cottbus mit Ex-Trainer Claus-Dieter Wollitz und Ex-Stürmer Erik Engelhardt. Eine Konstellation, die eine emotionale Partie verspricht.

Dem souveränen 4:0-Sieg gegen Absteiger Schweinfurt folgte das knappe 0:1 in Duisburg - so wird der Abschluss der Englischen Woche in der 3. Fußball-Liga für den VfL Osnabrück richtungsweisend. Im elektrisierenden Spitzenspiel gegen Energie Cottbus (Sonntag, 13.30 Uhr, live im Ticker auf noz) könnte der VfL seine Tabellenführung zementieren, die Lausitzer auf Distanz halten - oder den Atem der Verfolger wieder dicht im Nacken spüren.

Ganz sicher wird der Aufstieg nicht allein in diesem Spiel entschieden, stehen doch danach für den VfL neben dem Duell gegen Mitkonkurrent SC Verl und dem Heimspiel gegen Ulm noch die unangenehmen Auswärtsspiele in Ingolstadt, Wiesbaden und Großaspach (gegen Stuttgart II) an. Dennoch könnten die Lila-Weißen im Falle eines Sieges einen Riesenschritt machen: Dann hätte man fünf Spiele vor Schluss sieben Punkte Vorsprung auf einen Tabellenrang, der nicht zum direkten Aufstieg berechtigt.

Umgekehrt kann dieser Vorsprung im Fall einer Niederlage auf einen Zähler schmelzen - und abhängig vom Duisburger Abschneiden in Mannheim das Polster auf Rang vier auf vier Zähler zusammenfallen. Es sind diese Partien, für die irgendwer den irrenführenden Begriff „Sechs-Punkte-Spiel“ erfunden hat.

Dazu kommen die emotionalen Geschichten rund um die Partie mit den vier Rückkehrern auf Cottbusser Seite: Außenverteidiger Henry Rorig spielte von 2022 bis 2024 für den VfL, Energie Kaderplaner Maniyel Nergiz arbeitete als Spielanalyst und Co-Trainer bis zum großen Umbruch im Dezember 2024 für die Lila-Weißen. Der langjährige VfL-Trainer Claus-Dieter Wollitz feiert seine inzwischen vierten Rückkehr mit Energie Cottbus an die Bremer Brücke, wo Erik Engelhardt erstmals im Trikot der Lausitzer gegen den VfL antreten wird.

Der mit stolzen 19 Treffern beste Torschütze für Energie hatte beim letzten Duell, jener 2:5-Packung im Flutlichtspiel im Herbst 2024, die jedem die Augen dafür öffnete, dass den Lila-Weißen eine schwere Saison bevorstehen würde, noch für Lila-Weiß getroffen. Im darauffolgenden Winter funktionierte der letzte der vielen inzwischen bekannten Abwerbeversuche der Cottbusser, für die Engelhardt bereits in der Saison 2021/22 erfolgreich auf Torejagd gegangen war. Er funktionierte, obwohl nur wenige Monate zuvor seine Vertragsverlängerung als Treueschwur zum VfL noch öffentlichkeitswirksam inszeniert worden war.

Einer von vielen im Rückblick extrem kruden Vorgänge in der Zeit von Sportgeschäftsführer Philipp Kaufmann - Vergangenheit, aus der sich die Lila-Weißen seit dem Winter 2024/25 in bemerkenswerter Geschwindigkeit mit vielen guten Entscheidungen auf und neben dem Platz und stellenweise auch etwas Glück herausgearbeitet haben. Osnabrück hat seine Qualitäten wiederentdeckt: Zusammenhalt im Team und in der Stadt und dem Umland, ein nahbares Team und ein zugänglicher Verein, Identifikationsfiguren aus der Region, ein guter Mix aus erfahrenen Führungsspielern und Talenten mit Wurzeln in der eigenen Jugend oder unteren Spielklassen.

Und dazu ein Trainerteam, das das ganze Theater auf Nebenkriegsschauplätzen des Profifußballs zu keiner Zeit aus der Ruhe bringt. War die kuriose Szene, als der Flitzer in Duisburg den Platz stürmte und auf den Schiedsrichter loswollte, ehe er zur Besinnung kam, nochmal Thema? „Nö“, sagt Timo Schultz. Spielt es irgendeine Rolle, wie der gegnerische Trainer vor dem Topspiel in Richtung seines Ex-Klubs stichelt? „Nö. Ich habe in einer Englischen Woche gar nicht die Zeit, mich damit zu beschäftigen“, so der VfL-Coach.

Schultz will seine Elf bestmöglich auf das Spitzenspiel vorbereiten und hat dafür am Freitagmittag auf dem Schinkelberg mit Blick auf Stärken und Schwächen des Gegners trainieren lassen. „Cottbus ist mit die offensivstärkste Mannschaft der Liga, nicht nur mit Blick auf Tore und Chancen. Auch bei den Expected Goals oder in der Anzahl der Strafraumaktionen sind sie weit vorn“, so Schultz, der schon anhand der Statistik Engelhardt und Topscorer Tolcay Cigerci (29 Scorerpunkte in 32 Saisonspielen) als Ausnahmekönner identifiziert hat.

Natürlich kann Energie auch gut verteidigen, sonst würden der Club nicht auf dem Relegationsplatz stehen, dennoch wird der VfL seine Chance nach vorne vor heimischem Publikum suchen und hat dafür entsprechende Räume identifiziert. Personell haben die Lila-Weißen bis auf Robin Fabinski (Sprunggelenk) alle Akteure an Bord. Offen ist noch, ob wieder Theo Janotta seinen Part in der Innenverteidigung übernimmt, oder Yigit Karademir anstelle des Ex-Erfurters spielt.

Ansonsten dürften David Kopacz hinter den Spitzen und Frederik Christensen auf der linken Außenbahn in die Startelf zurückkehren, während Fridolin Wagner wohl dort verbleiben wird im Zentrum an der Seite von Bjarke Jacobsen. „Die Stimmung ist gut: Gelöst, aber trotzdem fokussiert“, sagte Schultz am Freitag. Der Chefcoach glaubt nicht, dass die erste Niederlage nach sieben Spielen irgendwelche Spuren bei seinen Spielern hinterlassen hat.

Betrachtet man die Ausrichtung beider Teams, ist eine temporeiche Partie mit vielen emotionalen Ausschlägen zu erwarten. Cottbus sei bereit, hat Trainer Claus-Dieter Wollitz im Vorfeld der Partie gesagt. Der VfL machte am Freitag nicht den Eindruck, als sei es hier aus irgendwelchen Gründen anders.

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