Osnabrück  Streit um Iburger Straße in Osnabrück beendet: Kurzfristige Maßnahmen sollen Sicherheit bringen

Eva Marie Stegmann
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Von Eva Marie Stegmann
| 10.04.2026 16:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
So eng ist es stellenweise für Radfahrer auf der Iburger Straße. Daran soll sich etwas ändern. Foto: Jörn Martens
So eng ist es stellenweise für Radfahrer auf der Iburger Straße. Daran soll sich etwas ändern. Foto: Jörn Martens
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Nein, es gibt keinen neuen Streit um die Sicherheit für Radfahrer auf der Iburger Straße in Osnabrück. Stattdessen einigte sich der Ausschuss für Stadtentwicklung mit der Stadtverwaltung auf ein Sicherheitspaket. Darin enthalten: Tempo 30 und die Aussicht auf eine Mikro-Umweltspur.

Die Iburger Straße war wieder Thema im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Doch diesmal war es anders, ganz anders: Statt Streit um die Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger auf der Einfallstraße im Spannungsfeld mit dem fließenden Verkehr gab es Einigkeit. Einstimmig beschloss die Politik im Zwiegespräch mit der Verwaltung ein Paket. Mit kurzfristigen und mittelfristigen Lösungen. Dazu zählen auch Tempo 30 und eine Parallelroute für Radfahrer.

Doch fangen wir von vorne an. In der letzten Sitzung erfuhren die Ausschussmitglieder, dass die Verwaltung die 2025 vom Osnabrücker Stadtrat beschlossene eigene Spur für Radler und Busse (Umweltspur) gekippt hatte. Die Einschätzung: Verkehrsfluss und Sicherheit würden gefährdet, rechtlich sei das also nicht möglich. Die rot-grün-lila Mehrheitsgruppe kritisierte die Verwaltung, nach Monaten des Schweigens überraschend mit dieser Nachricht um die Ecke zu kommen – ohne Alternativen zu nennen.

Seither war insbesondere der Fachbereich Geodaten und Verkehrsanlagen aktiv geworden, hatte einige Ideen parat.

Die Sicherheit an der viel befahrenen Iburger Straße, das war auch in der jüngsten Ausschussitzung wieder Konsens, muss dringend verbessert werden. Immer wieder gibt es Unfälle, weil Radfahrer dort stellenweise „auf Handtuchbreite“ zwischen parkenden Autos und dem fließenden Verkehr eingeklemmt sind, wie es Volkmar Seliger von den Grünen beschrieb. Zuletzt im März, als eine Radfahrerin von einem Autofahrer bei einem Dooring-Unfall verletzt wurde.

„Wir wollen um Himmels willen nicht, dass dort noch ein Unfall passiert“, sagte Anette Meyer zu Strohen (CDU). Volkmar Seliger (Grüne) forderte: „Es braucht jetzt sehr schnell kurzfristige Verbesserungen.“ Joachim Viehl vom Jugendparlament betonte: „Viele Schüler sind dort täglich mit dem Rad unterwegs, es ist unfassbar gefährlich.“

Einigkeit herrschte also bei der Frage, dass etwas getan werden muss. Dann konzentrierte sich der Ausschuss auf seine Arbeit und die Frage: Was können wir statt einer Umweltspur für die Sicherheit tun?

„Wir haben kurzfristig eine Projektgruppe gegründet. Die Ampel-Kollegen haben schon eine Erhebung gemacht, wie Parkraum und Verkehrsaufkommen aussehen. Wir hoffen, in der nächsten Sitzung kurzfristige Maßnahmen für mehr Sicherheit auf der Iburger Straße vorstellen zu können“, informierte Mike Bohne, Leiter des Fachbereichs Geodaten und Verkehrsanlagen.

„Wir haben uns jeden einzelnen Stellplatz angeschaut“, sagte Stadtbaurat Thimo Weitemeier. Mehr als 200 befinden sich entlang der Straße. Der eine oder andere könne zugunsten der Sicherheit weichen oder verschoben werden, da der Bereich so sehr „Dooring-anfällig“ sei.

Als weitere Ad-Hoc-Maßnahmen sind auch bessere Piktogramme im Gespräch. Und für die Busse soll die Ampelschaltung bis zum Wall angepasst werden. Der Plan ist, dass das Team um Mike Bohne diese Sofortlösungen, damit sie noch vor der politischen Sommerpause im Juli beschlossen und direkt danach umgesetzt werden.

Außerdem einigte sich das Gremium darauf, dass auf der Iburger Straße in jedem Fall zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens Tempo 30 angeordnet werden soll. Die Verwaltung soll nun einen Antrag auf Zustimmung bei der Obersten Landesbehörde stellen. Und tagsüber? Diesbezüglich wartet die Stadt noch immer darauf, dass das Ministerium in Hannover den Modellversuch „Tempo 30 an Hauptverkehrsrouten“ ausgewertet hat. Erst dann ist klar, ob Osnabrück die Geschwindigkeit auf der Iburger Straße drosseln darf.

„Auch zum Wohle der Anwohner, die das aus Lärmschutzgründen wirklich brauchen, sollten wir, wenn es rechtlich möglich ist, dahin kommen“, sagte Robert Alferink (SPD). Skeptisch war Oliver Hasskamp (FDP), der eine Ausbremsung des Besucherverkehrs fürchtete.

Stadtbaurat Thimo Weitemeier entgegnete: „Wir hatten ja den Testballon Tempo 30 und auf den Bürgerforen waren die Menschen doch sehr zufrieden.“ Tatsächlich verlören auch Autofahrer die Zeit weniger wegen Tempo 30, als vielmehr durch Ampeln oder in zweiter Reihe parkende Lieferwagen. „Wenn wir die grüne Welle mit Tempo 30 schaffen könnten, das wäre keine schlechte Alternative.“

Wenn die Kurzfristmaßnahmen für die Iburger erfolgt sind, soll die Verwaltung Ende 2026 beginnen, eine Alternativroute für Radfahrer auszuweisen. Der von der CDU eingebrachte Vorschlag, diese über die Alte Bauernschaft unterhalb des Schölerbergs, entlang des Riedenbachs und über die Teutoburger Straße zur Meller Straße zu führen, steht ohnehin im Radverkehrsplan als „Veloroute 7“.

Eigentlich sollte diese erst zu einem späteren Zeitpunkt angepackt werden – der Ausschuss beschloss jetzt, sie vorzuziehen. Der Plan lautet: auch dort erst einmal schnell umsetzbare Verbesserungen. Sind die durch, soll sich die Verwaltung nach dem Willen der Politik sowohl für die Veloroute 7 als auch die Iburger Straße mittelfristige Änderungen überlegen. Als Zeithorizont nannte Mike Bohne etwa eineinhalb Jahre, ohne Gewähr. Beispiele hierfür wären: Entschärfung der Unfallstellen durch Verkehrstechnik und Ampelschaltung, Asphaltarbeiten, Beleuchtung und der Straßenzuschnitt.

Oliver Hasskamp von der FDP brachte die Idee ein, ebenfalls zu prüfen, wo an der Iburger Straße Quartiersgaragen geschaffen werden könnten. Ein Vorschlag, den alle annahmen.

Einstimmig einigte sich der Stadtentwicklungsausschuss auf das Paket Iburger Straße – in einer äußerst harmonisch verlaufenen Sitzung. Diese Einigkeit, das merkte man den Beteiligten an, stimmte alle nach den vielen Streitereien der vergangenen Wochen recht zufrieden. Keine Rede war mehr von einer Klage gegen die Stadt oder Vorwürfen, dass wichtige Informationen von der Verwaltung verheimlicht worden seien. Das große Reizthema während der letzten Sitzung, die Umweltspur, war keines mehr. Ja, das Wort fiel vielleicht dreimal insgesamt.

Mit Stadtbaurat Thimo Weitemeier war es dann ausgerechnet ein Vertreter der Verwaltung, der vorschlug, dass man auf der Iburger Straße an einigen Stellen trotzdem „in die Einspurigkeit gehen“ könnte. Zum Beispiel für ein Stück hinter Ampeln, ohne, dass es die Leistungsfähigkeit des Verkehrs beeinträchtige. Also eine Art Mikro-Umweltspur.

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