Osnabrück Viertes Gastspiel an der Bremer Brücke: Wie begrüßen die Fans Wollitz diesmal?
Kein Trainer kommt auf eine ähnlich lange Amtszeit an der Bremer Brücke, inklusive seiner Zeit als Profi hat Claus-Dieter Wollitz zehneinhalb Jahre die Farben des VfL Osnabrück getragen. Übertroffen wird er nur von Lothar Gans (32 Jahre), Ralf Heskamp (23) Joe Enochs, der in seinem 18. VfL-Dienstjahr ist. An diesem Sonntag (13.30 Uhr) kehrt Wollitz zum vierten Mal als Trainer des Gegners für 90 Minuten zurück.
Er kam als Rekord-Transfer im Sommer 1989 von Bayer Leverkusen zum VfL und war vier Saisons lang der schillernde Spielmacher der Osnabrücker; ein exzentrischer, leidenschaftlicher Ballkünstler, der immer alles gab, aber in seiner letzten Saison seine Linie verlor und am Ende Teil des Abstiegsteams 1992/93 war. Als Trainer kam er 2004 zurück und baute auf den Trümmern der Pagelsdorf-Saison mit wenig Mitteln eine komplett neue Mannschaft auf, die im Sommer 2007 in die 2. Bundesliga zurückkehrte und 2007/08 den Klassenerhalt schaffte.
Ein Happy-End gab es nach fünf Jahren allerdings nicht, genauso wenig wie in seiner zweiten Amtszeit als Coach zwischen Januar 2012 und Juni 2013. Nach dem Abstieg in der Relegation gegen den SC Paderborn 2009 wechselte Wollitz erstmals nach Cottbus und brachte dem VfL noch eine Ablöse ein, da sein Vertrag in Osnabrück noch lief – es war ein Abschied in der gemeinsamen Enttäuschung, aber geprägt von Freundschaft und Sympathie.
Das war nach dem verpassten Aufstieg 2012/13 anders: Die Rückrunde war geprägt vom Unfrieden und vom Misstrauen, dass die VfL-Führung damals beherrschte, auf den ganzen Klub ausstrahlte und Wollitz von der Konzentration auf seine Arbeit ablenkte. Nach dem 0:1 in Bielefeld, wo Wollitz die Nerven verlor, erst in der Pressekonferenz seinen Rücktritt zum Saisonende ankündigte und dann auf der Illoshöhe in einer – heimlich gefilmten und im Netz verbreiteten – Wutrede eine Generalabrechnung hinlegte, endete die zweite Amtszeit mit einer schmutzigen Scheidung, die erst vor dem Arbeitsgericht im Herbst 2013 einen Schlussstrich bekam.
Als Wollitz erstmals als Trainer des Gegners an der Bremer Brücke auftrat, hatte Karsten Baumann in seiner unaufgeregten Art den direkten Wiederaufstieg geschafft. Eine herbstliche Krise streifte seine Mannschaft dann am 22. Oktober 2010 mit einer der besten Saisonleistungen ab. Der überragende Alexander Schnetzler erzielte das 1:0 nach einem Traumpass von Björn Lindemann und bereitete das Tor von Nicky Adler zum 2:0-Endstand vor.
Wollitz fand vor und nach dem Spiel freundliche Worte für den VfL. Die Ostkurve hatte ihn mit dem Gesang „Pele, Pele, Pele auf den Zaun“ empfangen. Die Endphase der Partie erlebte der Cottbuser nach einigen Wutausbrüchen auf der Südtribüne, wohin ihn Schiedsrichter Patrick Ittrich verbannt hatte - der Hamburger pfeift übrigens auch die Neuauflage des Duells an diesem Sonntag. Zuvor war die FCE-Bank von Zuschauern hinter ihm massiv beleidigt und mit Bierbrechern beworfen worden, von denen einer den Cottbuser Teammanager am Kopf traf.
Es dauerte acht Jahre, bis Wollitz wieder als Trainer des Gastes an der Bremer Brücke war; dazwischen lag die zweite Amtszeit mit dem krachenden Ende. Am 24. November 2018 empfing in die Ostkurve mit einem ironischen Schlenker in die Saison 2012/13 und wiederholte den Gesang, der nach einer vollmundigen Aufstiegsankündigung von Wollitz damals kreiert worden war: „Wollitz hat gesagt, wir steigen auf…“
Das Spiel wurde tatsächlich zu einem Meilenstein in der Aufstiegssaison, in der der VfL mit Trainer Daniel Thioune und seinem Assistenten Merlin Polzin nach acht Jahren die längste Durststrecke des VfL in der Drittklassigkeit beendete. 10.200 Zuschauer feierten den 3:1-Flutlichtsieg, den Marc Heider auf den Weg brachte: Mit einem Kopfballtor zum 1:0 und einem Traumpass auf den eingewechselten Manuel Farrona Pulido (2:0).
Der Mann des Abends war dennoch Sebastian Klaas. Im Sommer hatte sich das große Talent aus der eigenen Jugend bei einem nicht von ihm verschuldeten Badeunfall auf der Abi-Fahrt einen Halswirbelbruch zugezogen. Gegen Cottbus war er zum Comeback bereit und erzielte drei Minuten nach seiner Einwechslung das 3:1.
Erst bei der dritten Rückkehr an die Brücke kostete Wollitz sechs Jahre später das Gefühl eines Sieges aus. Der VfL hatte sich zwei Tage zuvor von Trainer Uwe Koschinat getrennt, war auf Trainersuche und trat am 24. September 2024 mit Tim Danneberg als Interimscoach - assistiert vom heutigen Cottbuser Kaderplaner Maniyel Nergiz - an.
Die Partie blieb vor 14.500 Zuschauern bis in die zweite Halbzeit offen, weil Ba-Muaka Simakala und Erik Engelhardt die Energie-Führungen ausglichen. Doch in der Schlussphase überrollten die spielstarken Cottbuser den VfL und schossen einen 5:2-Sieg heraus. Für Wollitz war es – nach eigenen Angaben – ein „Auswärtsspiel wie jedes andere, denn ich lege da keine Emotionen mehr rein.“
Zwei Siege gegen Cottbus mit dem Trainer Wollitz – aber keiner in vier Heimspielen gegen die Lausitzer mit einem anderen Coach auf der FCE-Bank. Die Premiere fand am 31. Juli 1999 im DFB-Pokal statt, als Regionalligist VfL gegen das Zweitliga-Team von Trainer-Legende Eduard Geyer mit 0:1 verlor. Ebenfalls 0:1 endete die Partie in der 2. Bundesliga am 29. Februar 2004. „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen“, sagte Trainer Frank Pagelsdorf nach der unglücklichen Niederlage. Schiedsrichter Günter Perl stellte den Cottbuser Torschützen Laurentiu Reghecampf und den VfL-er Guido Spork nach einer tätlichen Rangelei vom Platz.
Am 26. Juli 2014 verpatzte der VfL das in der ARD live übertragene Saison-Eröffnungsspiel nach einer schwachen Darbietung mit 1:3; die späteren Bundesliga-Asse Tim Kleindienst und Sven Michel trafen für das Energie-Team von Trainer Stefan Krämer gegen Frank Lehmann, dem Trainer Maik Walpurgis im Tor den Vorzug gegenüber Daniel Heuer Fernandes gegeben hatte. Eins von sieben Duellen an der Bremer Brücke endete torlos: Das Team von Joe Enochs verpasste durch das 0:0 am 6. Februar 2016 den Sprung auf den dritten Platz.
Im Gegensatz zur negativen Heimbilanz gegen Cottbus mit nur zwei Siegen gewann der VfL die vier letzten Spiele in der Lausitz und verlor dort nur zweimal.