Osnabrück Im Zweifel drücken: Warum es an Osnabrücks Ampeln teils Geduld braucht
Nein, Grün kommt nicht immer automatisch: An mehreren Ampeln in Osnabrück müssen Fußgänger und Radfahrer erst einen Taster drücken. Warum das so ist, wo die Probleme liegen – und was die Stadt dazu sagt.
Am letzten Tag der Osterferien hat ein Junge am Heger Tor in Osnabrück sichtbar keine Zeit zu verlieren. Hinter ihm warten weitere Menschen, vor ihm bleibt die Ampel rot. Auf der anderen Seite der Kreuzung laufen Fußgänger längst bei Grün. „Dauert das hier immer so lange?“, fragt er einen älteren Mann. Der nickt. Was beide in diesem Moment offenbar nicht wissen: Diese Querung wird nur dann grün, wenn vorher jemand den Knopf drückt.
Solche Anlagen heißen umgangssprachlich „Bettelampeln“. Gemeint sind Ampeln, an denen Fußgänger oder Radfahrer Grün erst anfordern müssen. Genau darüber hat sich nun auch eine Leserin bei der noz gemeldet. Ihr Beispiel: der Haster Weg auf Höhe Lerchenstraße und Knollstraße. Dort beobachte sie immer wieder, dass Menschen erst nach längerer Wartezeit merkten, dass ohne Tastendruck nichts passiere.
Ganz neu ist die Debatte nicht. Schon seit Längerem gibt es Kritik von Bürgern, vom ADFC und vom Verein „zu Fuß!“. Die Stadt Osnabrück verweist dagegen vor allem auf Sicherheits- und Verkehrsgründe. Bedarfsgesteuerte Ampeln sorgten dafür, dass Grünphasen nur dann geschaltet werden, wenn sie tatsächlich gebraucht würden. Das helfe dem Verkehrsfluss und könne auch Busse beschleunigen.
Vor allem aber sieht die Verwaltung einen Sicherheitsvorteil: Wer als Fußgänger oder Radfahrer kurz wartet, startet bei Grün aus dem Stand und ist für abbiegende Autofahrer besser sichtbar. Gerade an konfliktträchtigen Knotenpunkten könne das helfen, Unfälle zu vermeiden. Das Prinzip gelte im Übrigen nicht nur für Menschen zu Fuß oder auf dem Rad: Auch Autos, Busse und Lkw „melden“ sich an vielen Ampeln über Kameras oder Induktionsschleifen an.
Nach Angaben der Stadt gab es bei der jüngsten Auswertung im Oktober 2024 im Stadtgebiet 32 Anlagen mit Freigabe auf Anforderung, darunter 27 Vollkreuzungen und fünf reine Fußgängersignalanlagen. Besonders häufig werde der Knotenpunkt Haster Weg/Lerchenstraße/In der Dodesheide angesprochen. Dort war die Schaltung im Zuge der Umleitung wegen der gesperrten Vehrter Landstraße verändert worden.
Die Stadt räumt ein, dass die Wartezeit an solchen Anlagen als Nachteil wahrgenommen werden kann. Technisch gilt: Eine Anforderung muss rechtzeitig erfolgen. Wer zu spät drückt, wird erst im nächsten Umlauf berücksichtigt. Nach Darstellung der Stadt ist die Wartezeit bei modernen Anlagen damit zwar auf maximal einen Umlauf begrenzt, im Alltag kann das trotzdem unerquicklich wirken. Gerade dann, wenn an derselben Kreuzung eine andere Querung automatisch Grün bekommt.
Genau das sorgt offenbar gelegentlich für Verwirrung. Wer an einer Ampel steht, rechnet meist nicht damit, erst ein Signal geben zu müssen. Denn auch an älteren Anlagen, die automatisch schalten, steht oft „Bitte drücken“. Die Stadt sieht bei der Beschriftung allerdings keinen grundsätzlichen Handlungsbedarf. Ihre Empfehlung lautet: Im Zweifel einfach drücken.