Osnabrück Die großen Pläne reifen: Das wird aus dem alten Finanzamt in Osnabrück
Das ehemalige Finanzamt Osnabrück-Land in Osnabrück steht seit neun Jahren leer. Ein Unternehmen aus dem Münsterland hat große Pläne für die Liegenschaft an der Hannoverschen Straße. Pläne, die allmählich konkret werden.
Es hat schon bessere Tage erlebt, das ehemalige Finanzamt Osnabrück-Land an der Hannoverschen Straße in Osnabrück. Seit neun Jahren steht es leer. Die Eingangstür ist mit Bauzäunen verrammelt, Graffiti-Maler toben sich an der Fassade aus. Doch wenn alles nach Plan läuft, könnte die 75 Jahre alte Büroimmobilie bald zu einem städtebaulichen Glanzstück werden. Die Pläne dafür reifen seit gut zwei Jahren und nähern sich der Vollendung.
Der Investor, die Energy Real Estate GmbH mit Sitz in Billerbeck im Münsterland, will in dem Straßendreieck ein Objekt schaffen, das Wohnen, Arbeiten und Freizeit miteinander verbindet. Die vier Gesellschafter der Energy Real Estate kommen aus der Land- und Energiewirtschaft.
Vor genau einem Jahr brachte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt eine Änderung des Bebauungsplanes (Nr. 519 – Östlich Stahlwerksweg / Frankenstraße) auf den Weg. Der Bebauungsplan umfasst die gesamte, gut einen Hektar große Fläche im Straßendreieck Hannoversche Straße, Peiner Straße und Schweerstraße. Das Gebiet ist bislang ausschließlich der gewerblichen Nutzung gewidmet. Es soll den Status eines „Urbanen Gebiets“ bekommen, wo nicht störendes Gewerbe und Wohnungen in enger Nachbarschaft möglich sind.
„Im Sommer“, so sagt Holger Clodius, Leiter des Osnabrücker Bauamtes, werde der Bebauungsplan die nächste Stufe erreichen – die öffentliche Auslegung. Dann kann jeder über einen Zeitraum von vier Wochen die Pläne einsehen und Anregungen oder Bedenken äußern. Clodius geht davon aus, dass der Bebauungsplan Anfang 2027 beschlussreif ist.
Thomas Lohre, der den Investoren aus Billerbeck beratend zur Seite steht, fühlt sich im Osnabrücker Rathaus gut aufgehoben. Die Bauverwaltung erlebe er als „ungewöhnlich kooperativ“ und lösungsorientiert. „Das kennen wir aus anderen Städten auch anders“, sagte Lohre unserer Redaktion.
Das Konzept des Billerbecker Unternehmens sieht vor, den Altbau an der Hannoverschen Straße zu erhalten und für medizinische Angebote zu nutzen. Arztpraxen, Fitnessstudio, Physiotherapie, Apotheke oder auch ein Sportgeschäft – solche Nutzungen würden ins Konzept passen. „Der Altbau ist mit interessanten Mietern schon weitgehend verplant“, so Lohre. Unterschriebene Mietverträge gebe es noch nicht, aber es kämen „laufend Anfragen rein“.
Auf dem Hinterhof des ehemaligen Finanzamtes entlang der Peiner Straße ist ein Neubau mit Wohnungen vorgesehen, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten: Studenten, Paare, Familien mit mehreren Kindern. Auch Sozialwohnungen sind vorgesehen, wie von der Stadt vorgeschrieben. Zurzeit liefen die Detailplanungen für die Wohnungen und die Verhandlungen mit Baufirmen, sagt Lohre. Auf einen Zeitplan will er sich nicht festlegen lassen. Nur so weit legt sich Lohre fest: „Wir stehen relativ kurz vor dem Bauantrag.“
Die Entwürfe für das Finanzamtsquartier stammen vom Architekturbüro Oevermann aus Osnabrück. Es hat das Dreieck als Ergänzung zum Lokviertel und zu den Genusshöfen auf der anderen Seite der Hannoverschen Straße konzipiert. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs entsteht mit dem Lokviertel ein neuer Stadtteil mit hoher Lebensqualität und ohne Autoverkehr. Die Genusshöfe sind in den letzten fünf Jahren auf dem Gelände einer ehemaligen Eisengießerei entstanden.
Das alte Finanzamt entstand 1951 und wurde 1965 erweitert. Es hat in den vergangenen zehn Jahren mehrere Besitzerwechsel erlebt und steht seit 2017 leer. Über 300 Beschäftigte bearbeiteten dort bis 2015 die Steuerangelegenheiten der Menschen und Unternehmen aus dem Landkreis Osnabrück. Im Februar 2015 zogen die Finanzbeamten in das Behördenzentrum in der ehemaligen Kaserne am Hafen.
Im Winter 2015/16 wurde das Bürohaus in eine provisorische Flüchtlingsunterkunft für 400 Menschen umgewandelt. 2020 veräußerte das Land die Altimmobilie für 1,2 Millionen Euro an einen Osnabrücker Immobilienentwickler, der zwei Jahre später an die Energy Real Estate GmbH weiterverkaufte. 2022 ließen die neuen Eigentümer das Bürohaus entkernen. Bei der Renovierung in den Sechzigerjahren war asbesthaltiger Wandputz verwendet worden.