Osnabrück Energie Cottbus setzt beim VfL Osnabrück auf Emotionen und positive Erinnerungen
Der VfL Osnabrück erwartet an diesem Sonntag den FC Energie Cottbus zum Spitzenspiel der 3. Fußball-Liga. Mit Außenbahnspieler Henry Rorig, Mittelstürmer Erik Engelhardt und Claus-Dieter Wollitz kommen drei Ex-Osnabrücker zurück an die Bremer Brücke - und der Trainer stichelt bereits in bekannter Manier gegen VfL-Verantwortliche.
Auf sieben Punkte hatte der VfL Osnabrück den FC Energie Cottbus in der Tabelle bis vor wenigen Tagen distanziert - nun aber können die Lausitzer mit einem Sieg am Sonntag an der Bremer Brücke bis auf einen Zähler an die Lila-Weißen heranrücken. Während der VfL am Dienstag nach dem 0:1 in Duisburg seine Wunden leckte, feierten sie in Cottbus nach dem 3:0-Sieg die Distanzierung des nun abgehängten Konkurrenten 1860 München auf zehn Punkte - und Trainer Claus-Dieter Wollitz nutzte die Gelegenheit, schon mal in Richtung seines Ex-Klubs zu sticheln.
„Ich kann nur sagen: wir sind bereit“, sagte Wollitz zum bevorstehenden Auftritt seines Teams an der Bremer Brücke, nachdem er klargestellt hatte, sein Team werde auch auswärts seinen aktiven Spielstil etablieren wollen. Und dann ergänzte er in Richtung VfL: „Die haben ja schon die 2. Liga in der Schublade, wie deren sportlicher Leiter gesagt hat.“ Das habe er irgendwo gehört oder gelesen, so Wollitz weiter, ehe er schloss: „Wir können nur gewinnen. 2. Liga gegen 3. Liga, Favorit gegen Außenseiter - wird doch ein schönes Spiel.“
Ein schönes Spiel könnte es in der Tat werden, wenn vorher so viel Zündstoff hineingegeben wird - dennoch lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen, wieviel Substanz das einem leitenden Osnabrücker von Wollitz in den Mund gelegte Zitat überhaupt hat. Was hat er gemeint? Diese Frage haben auch Journalisten aus der Lausitz der Sportredaktion von noz gestellt. Nach gemeinschaftlicher Recherche hat sich ergeben: Eigentlich kann Wollitz nur die Aussagen im Interview bei Magentasport nach dem 4:0-Sieg gegen Schweinfurt gemeint haben.
In einem Interview direkt nach dem Spiel fragte Field-Reporterin Camilla Benshop, wie weit fortgeschritten denn die Planungen für die 2. Liga beim VfL schon seien. Daraufhin stellte Enochs fest, dass der VfL aktuell dort stehe, wo 19 andere Teams der Liga auch gerne stehen würden und erklärte: „Die Planungen sind schon sehr weit fortgeschritten.“ Die ersten Ansprechpartner seien die Spieler auf dem Platz im VfL-Trikot, aber natürlich liefen drumherum auch Planungen. Ein erstes Teil davon wurde in dieser Woche mit der Verpflichtung von Jonathan Wensing offensichtlich, der im Sommer ligaunabhängig zum VfL wechselt.
Generell ist es ja so, dass beim VfL momentan zweigleisig geplant wird - wie bei jedem Klub, der in Auf- und Abstiegskämpfen steckt. So wird man es übrigens auch in Cottbus handhaben - alles andere wäre unprofessionell. Insofern darf man die Einlassungen von Wollitz durchaus als Stichelei werten, die im Lager der Osnabrücker im Vorfeld der wichtigen Partie für Unruhe sorgen soll. Zumal Enochs im gleichen Interview noch gesagt hat, dass man als VfL noch sehr schwere Spiele vor sich habe, alle Osnabrücker auf dem Teppich bleiben sollten, man wie bisher von Spiel zu Spiel sehen werde und es natürlich noch überhaupt nichts zu feiern gebe.
„Pele interpretiert das jetzt natürlich ein bisschen anders, macht damit seine Mannschaft noch ein bisschen heiß und das Umfeld auch - so kennen wir ihn ja“, sagte Ralf Heskamp als VfL-Experte in der jüngsten Brückengeflüster-Analyse zu dem Vorgang. Der langjährige VfL-Profi erwartet ein richtig spannendes Spiel: „Beide Mannschaften werden brennen, die Tagesform könnte entscheiden“, so Heskamp.
Bei Cottbus war die Tagesform zuletzt gut: Vor dem Erfolg gegen 1860 gewann sein Team ebenfalls 3:0 beim TSV Havelse, davor gab es im Landespokal ein lockeres 5:0 bei Fünftligist BSC Preußen 07 Blankenfelde-Mahlow. Erst einmal hat der FC Energie, der als Tabellenführer in den Winter gegangen war, in der Rückrunde verloren - 1:4 bei der wiedererstarkten Alemannia aus Aachen. Die schon im vergangenen Jahr als Neuling stark aufspielende Mannschaft hat Wollitz bezüglich der Säulen zusammengehalten und drumherum vor allem in der Breite kontinuierlich weiter verstärkt - im Winter noch mit dem gestandenen Innenverteidiger Mladen Cvjetinovic (zuvor Ingolstadt, nun ausgeliehen von Holstein Kiel) und Tolga Cigerci (34), den älteren Bruder von Ausnahmespieler Tolcay Cigerci (31).
Den vierfachen türkischen Nationalspieler hatten die Cottbusser am letzten Tag der Winter-Wechselperiode unter Vertrag genommen - anstelle von David Kopacz, für den die Lausitzer dem VfL zwischenzeitlich ein finanziell sehr attraktives Angebot vorgelegt hatten, ehe sie es im letzten Moment zurückzogen. Allein das zeigt: An der polnischen Grenze ist inzwischen wirtschaftlich wieder einiges möglich. So war es ja auch im Winter 2024/25 die - im gefühlt fünften Versuch geglückte - Rückholaktion von Torjäger Erik Engelhardt, die dem VfL Osnabrück eine stabile sechsstellige Ablöse einbrachte.
Engelhardt ist mit stolzen 19 Treffern der beste Energie-Schütze in dieser Saison, gefolgt von Topscorer Tolcay Cigerci (15 Vorlagen) mit 14 Toren. Zum Herz des Teams gehören zudem Dominik Pelivan als defensiver Abräumer und der seit 2019 für den FC Energie spielende Axel Borgmann, der zwischen der Linksverteidiger-Position und dem defensiven Mittelfeld pendelt. Neben einigen in tieferen Klassen entdeckten Rohdiamanten wie Innenverteidiger Nyamekye Awortwie-Grant (Stuttgarter Kickers) oder den Offensivspielern Moritz Hannemann (Würzburger Kickers, schon sieben Tore) und Jannis Boziaris (FC Astoria Walldorf) hat Energie einige gute Leihgeschäfte bei großen Klubs realisiert, um neben der Quantität auch die Qualität im Kader zu heben: Neben Cvjetinovic sind das Lukas Michelbrink (Hertha BSC) oder King Manu (Fortuna Düsseldorf).
Verantwortlich dafür zeichnen neben Wollitz auch Energie-Präsident Sebastian Lemke, der die finanziellen Möglichkeiten der Lausitzer in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert hat, und der in Osnabrück ebenso gut bekannte Kaderplaner Maniyel Nergiz. Vor einem Jahr hatte Energie die Saison mit 62 Punkten abgeschlossen und den Aufstieg knapp verpasst. Jetzt hat man bereits 60 Punkte, noch sechs Spiele übrig, und will Geschichte schreiben: Als „ganz großen Traum“, hatte Engelhardt den möglichen Aufstieg des FC Energie in die 2. Bundesliga in einer Kabinenansprache vor dem 1860-Spiel bezeichnet - Wollitz sprach hinterher von „Gänsehaut“ und ergänzte, mit etwas mehr Distanz zum Spiel hätte er Tränen in den Augen gehabt und geweint vor Freude.
Hochklassige Emotionen können sie in jedem Fall in der Lausitz. Deshalb werden sie sicher in der Spielvorbereitung an den 5:2-Sieg an der Bremer Brücke in der vergangenen Spielzeit erinnern. „Damals haben wir dort auch gewonnen - hochverdient“, sagte Wollitz nach dem 3:0 gegen 1860. Es war das erste Spitzenspiel im Endspurt: Nach dem Duell beim VfL stehen für Energie auch noch Auftritte gegen Essen und in Duisburg an.