Osnabrück Siegesserie gerissen: VfL Osnabrück wacht beim 0:1 in Duisburg zu spät auf
Der VfL Osnabrück hat das Spitzenspiel der 3. Fußball-Liga beim MSV Duisburg mit 0:1 verloren und büßt etwas von seinem Polster an der Tabellenspitze ein. Dennoch bleiben die Lila-Weißen Erster vor dem nächsten Topspiel am Sonntag an der Bremer Brücke gegen Energie Cottbus.
Der VfL Osnabrück hätte mit einem Sieg im Topspiel der 3. Fußball-Liga beim MSV Duisburg seinen achten Sieg in Folge einfahren und den Allzeit-Vereinsrekord einstellen können - daraus wurde nichts. Mit viel Kampfkraft zwangen die Meidericher die Lila-Weißen beim 1:0-Sieg vor 24322 Zuschauern in der Schauinsland-Reisen-Arena in die Knie - Osnabrück musste einer schwachen ersten Halbzeit Tribut zollen und schaffte es im Sturmlauf zum Schluss nicht mehr, den Ball über die Linie zu drücken.
VfL-Trainer Timo Schultz setzte im Topspiel voll auf die Karte Tempo: Neben Tony Lesueur anstelle von Frederik Christensen auf der linken Schiene begann auch Ismail Badjie in Duisburg auf der Position hinter den Spitzen - für David Kopacz. Fridolin Wagner übernahm zudem den Part im defensiven Mittelfeld von Kevin Wiethaup im Vergleich zum 4:0-Sieg gegen Schweinfurt am Samstag.
Duisburg-Coach Dietmar Hirsch reagierte auf das 0:1 in Essen mit sechs Änderungen in der Startelf - unter anderem saßen in Conor Noß, Patrick Sussek und Tyger Lobinger die drei bisher besten Torschützen auf der Bank. Der MSV agierte überraschend mit einer Fünferkette, spiegelte ansonsten das VfL-System und versuchte, über Wandspieler Thilo Töpken und die schnellen Sebastian Kother und Florian Krüger nach vorn zu kommen.
Das gelang zuerst nur bedingt: Der MSV versuchte zwar, über lange Bälle und Präsenz beim Nachrücken in den Zweikämpfen Druck aufzubauen. Der VfL aber hielt dagegen, befreite sich zunächst spielerisch geschickt und versuchte, offensiv seine schnellen Spieler einzusetzen. Letzteres gelang aber vor der Pause viel zu selten - Lesueur deutete einmal das Potenzial an, als er Gegenspieler Jessen einfach stehen ließ und dann in der Mitte Robin Meißner fand, der aber abgeblockt wurde. Badjie hingegen zeigte manchmal gute Ansätze, traf aber dann einige falsche Entscheidungen, als er etwa ab und an den Zug zum Tor vermissen ließ.
Nach 20 Minuten gewannen die Duisburger Offensivbemühungen mehr und mehr Kontur: Flecksteins langer Ball flog von ganz hinten durch, aber der hinter Jannik Müller eingelaufene Dominik Kother traf den Ball so schlecht, dass er an der Eckfahne ins Aus rollte. Kother war Robin Fabinski weggelaufen, der sich zuvor bei einem Zweikampf verletzt hatte und kurz darauf von Theo Janotta ersetzt wurde (27.).
Der hochaufgeschossene Innenverteidiger musste einen Kaltstart in die Partie hinlegen, wurde direkt in Kopfballduelle gezwungen und produzierte an der Mittellinie einen Freistoß, aus dem die Duisburger Führung resultierte. Ein klassisches Abstimmungsproblem nach der Freistoßflanke, wo Jannik Müller eigentlich besser zum Ball stand, aber Bjarke Jacobsen hochsprang und den Ball quer direkt zu Duisburgs Florian Krüger köpfte. Der erfahrene Stürmer schoss den Ball volley mit rechts direkt an Lukas Jonsson vorbei ins Tor (30.).
Duisburg hatte nun Oberwasser, ging mit 100 Prozent in jeden Zweikampf und war stets aufmerksam, während sich der VfL zu sehr auf lediglich fußballerische Mittel verließ. So verdiente sich der MSV die 1:0-Pausenführung, die hätte noch höher ausfallen können: Der eingesprungene Töpken irritierte die VfL-Abwehr nach einem langen Ball derart, dass niemand das Aufspringen verhinderte und Kother plötzlich frei durch war, aber an Jonsson scheiterte.
Einfache Mittel, mit denen der MSV im ersten Durchgang gefährlich war - nach der Pause verteidigte der VfL souveräner und entwickelte etwas mehr Zug nach vorn, wobei die Fehlerquote nach wie vor etwas zu hoch blieb. Dennoch kamen die Lila-Weißen zu Ausgleichschancen: Wagner schoss aus neun Metern knapp drüber nach Kammerbauers Flanke, Niklas Wiemann zielte aus spitzem Winkel infolge eines Standards etwas zu hoch und Lesueur wurde nach einem schönen Spielzug über Lars Kehl und Meißner im letzten Moment von Joshua Bitter gestoppt.
Zum Auftakt in die hektische Schlussphase reagierte VfL-Trainer Schultz, brachte Kopacz und später Julian Kania, Kai Pröger und Robert Tesche ins Spiel. Kurz darauf wechselte Hirsch vorsichtshalber den gelbverwarnten Matchwinner Krüger aus, der den Schiedsrichter geschubst und kurz darauf auch noch Kehl gefoult hatte. Letzterer versuchte es nach einem der vielen abgewehrten VfL-Angriffe per Volley von der Strafraumgrenze, konnte aber Maximilian Braune im MSV-Tor vor keine Probleme stellen (81.).
Der MSV verteidigte bis zum Schluss leidenschaftlich und kampfstark das Tor vor seiner Fankurve, die jede Abwehraktion lautstark bejubelte - aber einem Flitzer brannten die Sicherungen durch, als er - nach einer abgepfiffenen Aktion am Strafraum, wegen der MSV-Keeper Braune noch Gelb sah - das Spielfeld enterte und Referee Nico Fuchs an den Kragen wollte. Angesichts des offensichtlich schlafenden Ordnungsdienstes konnte der Mann nur von Duisburger Spielern zurückgehalten und vom Spielfeld gedrängt werden. Als kurz darauf Braune noch Prögers Abschluss vom Strafraum parierte, war das Spiel vorbei - und die Siegesserie des VfL gestoppt.
Weil zugleich Essen (3:1 in Schweinfurt) und Cottbus (3:0 gegen 1860 München) ihre Spiele gewannen, schrumpfte der Vorsprung des VfL auf den Relegationsplatz drei auf vier Punkte - Duisburg auf Rang vier ist nun sieben Punkte entfernt. Noch sind die Osnabrücker in dieser Saison bei Weitem nicht im Ziel - und das nächste Spitzenspiel wartet bereits am Sonntag (13.30 Uhr, Bremer Brücke) gegen den Dritten Cottbus.