Osnabrück VfL Osnabrück: Vier Tore gegen Schweinfurt, vier Schützen - Kaderbreite ist das größte Pfund
Mit dem 4:0-Sieg gegen den 1.FC Schweinfurt 05 ist dem VfL Osnabrück ein perfekter Auftakt in die englischen Woche im Aufstiegskampf der 3. Fußball-Liga gelungen. Erkennbar war, welche Vorteile die Osnabrücker gegenüber ihren Gegenspielern ausspielten, wobei sich einige Akteure besonders hervortaten. Die Einzelkritik.
#19 Lars Kehl (bis 66.): Hätte mit seinem zweiten Ballkontakt im ersten VfL-Angriff, den er selbst mit einleitete, treffen können, traf aber den Ball nicht richtig und schoss aus zehn Metern freistehend links vorbei. Agierte insgesamt lauf- und spielfreudig sowie trickreich bei Dribblings und Richtungswechseln und war so für die eher unbewegliche Schweinfurt-Abwehr kaum zu greifen. Ließ eine weitere sehr gute Einschusschance nach einem weiten Ball hinter die Kette liegen, weil er an Keeper Stahl scheiterte, hämmerte kurz darauf einen Distanzschuss übers Tor. Traf aber dann zum 2:0 nach starkem Zuspiel von Meißner mit der Außenseite ansatzlos und überlegt ins kurze Eck.
#11 Robin Meißner (bis 73.): Ließ zu Beginn der Partie ebenfalls eine klare Torchance liegen, weil er an Stahl scheiterte, war aber dann in der Entstehung des 2:0 als Vorlagengeber für Kehl und zuvor im doppelten Doppelpass mit Kopacz beteiligt. Lief immer wieder mit Tempo in die freien Räume, zeigte dann seine Qualitäten in puncto Ballverarbeitung und Kombinationsspiel und war deshalb von den Schweinfurter Verteidigern nur selten zu stellen. Traf zum 3:0 mit einem überlegten Abschluss ins lange Eck trotz schwieriger Bodenverhältnisse mit guter Ballkontrolle.
#25 Niklas Wiemann: Besorgte das erlösende 1:0 für den VfL, als er sich im Gestocher vor dem Tor durchsetzte und den Ball über die Linie drückte. War in der Defensive stets maximal aufmerksam und ließ dank starker Zweikampfführung in der Luft und am Boden keinen Schweinfurter Offensivspieler auch nur ansatzweise zur Entfaltung kommen. Einziger Schönheitsfehler einer Top-Leistung war eine unnötigerweise per unkontrolliertem Kopfball produzierte Ecke für Schweinfurt in der ersten Hälfte.
#31 Patrick Kammerbauer (bis 66.): Kreierte gleich in seiner ersten Aktion eine gute Chance für den VfL mit einer seiner präzisen Flanken auf den zweiten Pfosten. Hatte immer wieder gefährliche Vorstöße über seine Seite - und ließ gegen den Ball überhaupt nichts anbrennen. Stark insbesondere in der einzigen für den VfL etwas schwierigeren Phase zu Beginn der zweiten Halbzeit, als er mit Konsequenz und Cleverness Zweikämpfe gewann, Freistöße zog und den Ball gut in den VfL-Reihen hielt.
#21 Lukas Jonsson: Hatte wenig zu tun, weil seine Vorderleute extrem gut aufräumten und die Schweinfurter meist weit weg vom Tor hielten. Agierte sicher im Kombinationsspiel am Ball und war beim Rauslaufen stets da, als er gefordert war.
#15 Bjarke Jacobsen (bis 73.): Stand wie ein Turm in der Schlacht im VfL-Mittelfeld und verschaffte sich allein durch seine Präsenz Respekt bei allen Schweinfurtern. Starke Antizipation, sehr gute Zweikampfführung und Spielsteuerung mit Top-Entscheidungen in Ballbesitz, in welche Richtung es weitergehen soll. Bekam ebenso wie einige weitere Leistungsträger einen früheren Feierabend zu Beginn der kräftezehrenden Englischen Woche.
#24 Jannik Müller: War immer da, wenn er gebraucht war beim Ablaufen der Bälle oder beim Herausstechen in den Angriffsbemühungen der Schweinfurter, wo er vor allem Wintzheimer konsequent die Luft zum Atmen nahm. Schaltete sich in die Spieleröffnungen des VfL gewohnt ballsicher und kombinationsfreudig ein. Hatte alles in allem aber auch einen vergleichsweise ruhigen Nachmittag.
#27 Robin Fabinski: Meldete sich mit einem gewohnt zweikampfstarken Auftritt zurück in der Startelf, leistete sich aber wie so oft, wenn er nach einer Pause sein Comeback-Spiel macht, einige Fehlpässe - den krassesten vor der Pause ins eigene Abwehrzentrum, den Schweinfurt aber nicht nutzen konnte. Stark im Körpereinsatz in der Vorbereitung des Treffers von Wiemann, hätte unmittelbar danach per Kopf das 2:0 markieren können.
#29 David Kopacz (bis 81:): Zu Beginn der Partie im Vergleich zu Kehl und Meißner etwas unauffälliger unterwegs, dennoch ein großer Faktor im VfL-Offensivspiel mit Trickreichtum und seinem Näschen am Ball und in der Antizipation. Ganz stark im Zusammenspiel mit Meißner in der Entstehung des 2:0, den er mit einem mit der Außenseite weitergeleiteten Ball ins Spiel brachte, eher er ihn in den freien Raum auf die Reise schickte. Stark auch in der Einleitung des dritten Treffers, als er den Ball weit hinter dem Körperschwerpunkt im ersten Kontakt noch mitzog, dann den freien Raum im Zentrum erkannte und durchzog, ehe er abstoppte und Meißner für sein Tor in Position brachte.
#8 Robert Tesche (ab 73.): Sorgte für etwas mehr Ordnung im VfL-Spiel in einer Schlussphase, in der durch einige Wechsel die Ordnung etwas abhanden zu kommen drohte. Ballsicher und souverän im Kombinationsspiel, zu jeder Zeit an der richtigen Stelle im Positionsspiel mit und gegen den Ball. Bereitete den vierten Treffer per Flanke ins Zentrum nach einem Einwurf vor.
#3 Frederik Christensen: Traf zum 4:0, als er die Schläfrigkeit von Langhans, der mit dem Fuß klären wollte und dafür viel zu lange brauchte, ausnutzte: Sein Höhepunkt einer ansonsten nicht so starken zweiten Halbzeit mit einigen Ballverlusten und unpräzisen Aktionen. Vor der Pause viel stärker im Kombinationsspiel und bei der Entwicklung von Druck über seine linke Seite, wo er einige starke Angriffe mit prägte.
#19 Kevin Wiethaup: Zucker war sein 40-Meter-Pass über die Köpfe fast aller Schweinfurter hinweg auf Kehl, der sich plötzlich frei vor dem Tor wieder fand, aber die Großchance nicht nutzte. Auch ansonsten mit einigen starken Aktionen, insbesondere, wenn er seine Dynamik am Ball einsetzen konnte und so auch einige wichtige Zweikämpfe gewann. Ab und an hatte man allerdings den Eindruck, dass er gegen unterlegene Schweinfurter fast ein wenig sorglos agierte und so Bälle etwas unnötig verlor.
#10 Kai Pröger (ab 66.): Übernahm die rechte Seite von Kammerbauer und fügte sich nahtlos ein, indem er die Seite konsequent dicht machte und einige gute Aktionen nach vorn startete. So holte er etwa den Einwurf vor dem 4:0 heraus.
#37 Ismail Badjie (ab 66.): Glänzte ab und an mit seinem Tempo, das ihm gute Balleroberungen bescherte, stellte zudem damit die Schweinfurter Defensive vor einige Probleme, auch wenn es ihm nicht gelang, persönlich daraus Kapital zu schlagen. Agierte allerdings mit Christensen zu zögerlich in einer Überzahlsituation am eigenen Strafraum, als sekundenlang keiner der beiden den Gegner atackierte, ehe dieser sogar noch einen Freistoß herausholte.
#9 Julian Kania (ab 73.): Lief in den letzten 20 Minuten viel, versuchte immer wieder, Teil des VfL-Kombinationsspiels zu sein. Das gelang manchmal gut, manchmal mit Glück und manchmal leider nicht. Kam zu keiner Abschlusssituation mehr in einem allerdings auch bereits entschiedenen Spiel.
#6 Bryan Henning (ab 81.): Nicht mehr zu bewerten.