Osnabrück  Polizeieinsatz an Garagenhof im Schinkel: Schmierereien entpuppen sich als „Urbane Galerie“

Janis Sophie Grosser
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Von Janis Sophie Grosser
| 03.04.2026 12:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Garagenhof im Schinkel wird aufgehübscht: Das steckt hinter der Graffiti-Aktion kurz vor Abriss. Foto: Swaantje Hehmann
Garagenhof im Schinkel wird aufgehübscht: Das steckt hinter der Graffiti-Aktion kurz vor Abriss. Foto: Swaantje Hehmann
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In der Tiefstraße in Osnabrück-Schinkel sprühten acht Künstler mit Erlaubnis des Eigentümers. Die „urbane Galerie“ bleibt bis zum Abriss der Garagen. Warum rückte die Polizei an?

Am vergangenen Sonntag, 29. März, rückte die Polizei mit gleich drei Fahrzeugen in der Osnabrücker Tiefstraße an. Ein aufmerksamer Bürger hatte die Beamten verständigt, als er Personen mit Sprühdosen an einem leerstehenden Garagenhof bemerkte. Doch statt Vandalismus aufzudecken, trafen die Beamten auf das Künstler-Kollektiv „Bunte Hunde“, das hier völlig legal eine „urbane Galerie“ erschuf.

Für die Sprüher war der Besuch in Uniform keine Überraschung: „Das kennen wir. Sobald man eine Sprühdose in der Hand hat, wird man für einen Kriminellen gehalten“, erklärt einer der Künstler, Alexander Cordes. Dennoch blieben die Künstler völlig entspannt: „Wir wären ja dumm, wenn wir hier am helllichten Tag einfach illegal malen würden“, führt Cordes fort.

Auch der Grundstückseigentümer Jochen Entrup war bereits bestens auf den Einsatz vorbereitet. „Die Bunten Hunde haben mich da aber auch vorher schon drauf hingewiesen, dass das wahrscheinlich passieren würde“, berichtet Entrup, der am Sonntag einen Anruf der Polizei erhielt und die Rechtmäßigkeit der Aktion bestätigen konnte. Tom Herter, Quartiersmanager für den Schinkel, sieht den Anruf bei der Behörde durchaus positiv: „Das spricht ja auch für aufmerksame Bürger“.

Die Idee für die farbenfrohe Zwischennutzung des Geländes stammte von Tom Herter und einem Kollegen, die bereits in der Vergangenheit mit dem Künstler Christian Aretz von den „Bunten Hunden“ zusammengearbeitet hatten und den Kontakt zum Eigentümer herstellten.

Jochen Entrup stimmte dem Vorhaben sofort zu: „Das ist mir lieber, dann ist es offiziell“, erklärt der Eigentümer. Da das Gebäude ohnehin abgerissen werde, habe er überhaupt keine Bedenken und gönne den Künstlern die Fläche, um ihre Kunst darzustellen.

Am Wochenende verwandelten schließlich acht Künstler den Hof, der zuvor den Eindruck eines „Lost Places“ erweckte, in ein buntes Gesamtkunstwerk. Feste Vorgaben gab es dabei nicht. „Das ist frei nach Schnauze. Jeder Maler hat hier quasi seinen Schriftzug hingemacht“, beschreibt Alexander Cordes den kreativen Prozess. Viele Mitglieder der Gruppe üben ihre Kunst, teils hobbymäßig, teils gewerblich, bereits seit zehn bis 25 Jahren aus. Meistens setzen sie legale Auftragsarbeiten um und gestalteten in Osnabrück und Umgebung unter anderem schon eine große Hausfassade in der Süntelstraße, einen Gemeinschaftshof am Hasefriedhof oder auch Aussichtstürme im Teutoburger Wald.

Neben der Kunst selbst stand für das Kollektiv vor allem die Begegnung mit den Menschen im Mittelpunkt. Die Aktion zog schnell neugierige Blicke der Nachbarschaft auf sich. Die Reaktionen fielen dabei durchweg positiv aus: Viele Passanten freuten sich, dass aus dem „hässlichen Fleck“ etwas Buntes gemacht wurde.

Wie tiefgründig dieser Austausch war, schilderte Christian Aretz begeistert in einer Nachricht an die Redaktion: „Ein ehemaliger Imam erklärte uns den Zusammenhang zwischen Kunst und Glauben, eine Nachbarin blieb für Stunden und philosophierte über die Kunst, das Leben und die Welt“. Selbst die angerückte Polizei sei am Ende von den Arbeiten der Sprüher angetan gewesen. Für Aretz ist klar: „Bilder ohne Publikum machen keinen Sinn. Der Austausch mit einem Ort, seiner Geschichte und den Menschen ist das Tollste an unseren Aktionen im Schinkel!“. Auch Quartiersmanager Herter bewertet das Projekt als wunderbare Aktion, die den Stadtteil mit Kunst temporär aufwertet.

Das bunte Treiben an der Tiefstraße ist jedoch nur von begrenzter Dauer, denn die Zukunft des Grundstücks ist bereits besiegelt. Die Garagen, die bis Ende 2024 noch genutzt wurden und seitdem leer stehen, sollen voraussichtlich noch in diesem Jahr, spätestens bis zum Herbst, abgerissen werden.

Eigentümer Jochen Entrup plant auf dem Areal bereits einen modernen Neubau. „Da kommt ein Mehrfamilienhaus für zwölf Parteien mit Photovoltaikanlage nach dem neuesten Stand der Dinge“, gibt Entrup einen Ausblick auf die zukünftige Bebauung. Bis die Bagger anrollen, bleibt der Garagenhof jedoch noch eine Open-Air-Galerie, die zeigt, wie kreative Zwischennutzungen Brachflächen neues Leben einhauchen können.