Osnabrück VfL Osnabrück: Wie Routinier Robert Tesche für die Zeit nach seiner aktiven Karriere vorarbeitet
Robert Tesche ist trotz seiner inzwischen 39 Jahre weiter ein topfitter Musterprofi beim Drittliga-Tabellenführer VfL Osnabrück. An das Ende seiner großartigen Karriere will er eigentlich noch gar nicht denken - dennoch beschäftigt sich der Mittelfeldstratege bereits mit der Zeit danach.
Fußball spielen ist das Größte, sagt Robert Tesche, Drittliga-Profi beim VfL Osnabrück. Dennoch rückt die Zeit nach der aktiven Karriere auch für den nach wie vor topfitten 39-Jährigen näher. Damit diese gut wird, arbeitet der Stratege auch abseits des Platzes an Optionen - und hat mit einem erworbenen DFB-Zertifikat einen weiteren Schritt gemacht.
„Players Pathway: Management“ hieß der Lehrgang für Fußballer im Herbst ihrer Profilaufbahn, die Tesche zusammen mit bekannten Kickern wie Rani Khedira, Mark Uth oder Serdar Tasci jüngst erfolgreich abgeschlossen hat. „Ich kann mir zwar weiterhin vorstellen, auch den Trainerschein zu machen, aber aktuell sehe ich mich nach meiner aktiven Laufbahn weiter eher in jenem Bereich“, sagt der langjährige Profi. Im Sommer hatte den VfL das Angebot der erstmals aufgesetzten Fortbildung vom Verband erreicht - Tesche wurde diese nach einem Hinweis von Ex-Mitspieler Timo Beermann weitergeleitet, der richtig vermutete, dass diese auch für den Mittelfeldspieler interessant sein könnte.
Die Fortbildung führte den Fußballer jeweils in Länderspielpausen für mehrere Tage zu drei verschiedenen Stationen: Zuerst an den DFB-Campus in Frankfurt, wo das Thema Persönlichkeitsentwicklung im Zentrum stand. Vortragende waren unter anderem Marcel Schäfer, aktuell Geschäftsführer bei RB Leipzig, und Ex-VfL-Profi Dominic Peitz, der jetzt das Nachwuchsleistungszentrum von Holstein Kiel leitet. Kannte Tesche ihn schon vorher? „Klar - auf dem Platz dürfte ihn jeder in Erinnerung haben“, sagt der Mittelfeldspieler über jenen Mann, der beim VfL eine ähnliche Position wie er auf dem Platz ausfüllte, aber diese bekanntlich etwas derber und weniger filigran interpretierte.
Teil zwei des Lehrgangs führte die Gruppe nach England zu Manchester City. Dort stand das Thema Nachwuchs im Mittelpunkt: Die Akademie des europäischen Spitzenklubs leitet der Deutsche Thomas Krücken (einst Nachwuchschef VfB Stuttgart). „Dort hinter die Kulissen zu schauen, war sehr interessant: Aufgaben, die bei einem Drittligisten wie hier beim VfL ein Kopf übernimmt, teilen sich dort viele Angestellte“, berichtet Tesche.
Der Abschluss stieg nun beim FC Bayern München am Campus, an der Säbener Straße und in der Allianz Arena. Im Mittelpunkt standen dort die Tätigkeiten eines Managers sowie die generellen Strukturen in Profiklubs, wobei die Teilnehmer dort die ganz großen Persönlichkeiten des FCB wie Sportvorstand Max Eberl nicht zu Gesicht bekamen. Zwischendurch erledigten Tesche und die anderen Kursteilnehmer Hausaufgaben wie etwa die Erstellung von Organigrammen eines Profifußballvereins.
Am interessantesten fand Tesche das Thema Scouting: „Ich werde nie der Typ sein, der tagelang nur im Büro sitzt und auf dem Laptop Videos schaut“, sagt der 39-Jährige. „Aber Persönlichkeitsprofile von Fußballern erstellen, Stärken und Schwächen erfassen, natürlich vor Ort bei Spielen Fußballer beobachten - das kann ich mir für den Einstieg in das Fußball-Management nach der aktiven Karriere durchaus vorstellen“, ergänzt er. Vielleicht sogar beim VfL, sollte sich die Möglichkeit ergeben? „Auf jeden Fall, das ist vorstellbar“, sagt Tesche, der aus seiner über zwei Jahrzehnte langen Karriere ein starkes Netzwerk für die Arbeit im sportlichen Management eines Profiklubs einbringen könnte.
Zwei weitere Erkenntnisse nimmt der 39-Jährige aus dem Lehrgang mit: Einerseits hätten viele Dozenten betont, wie wichtig in der Zeit des Einstiegs die Hilfe eines Mentors sei, der notfalls auch mal die schützende Hand über den Neuling halte. Zudem sei die bekannte Schnellebigkeit des Geschäfts ein Thema gewesen. „Viele, die heute als Sportdirektor arbeiten, machen ja längst nicht mehr nur das, was sie zum Einstieg in das Fußball-Business gemacht haben“, so Tesche.
Wann aber beginnt sie denn nun, die Zeit nach der aktiven Karriere, für Robert Tesche? Der Mittelfeldspieler, der für Arminia Bielefeld, Fortuna Düsseldorf, den Hamburger SV und natürlich den VfL Bochum auf dem Platz stand, jeweils 136 Mal in der 1. und 2. Bundesliga auflief und dazu im Europapokal gespielt sowie vier Spielzeiten in der englischen Championship für Birmingham City und Nottingham Forest absolviert hat, ist in dieser Frage weiter ganz Vollprofi. „Wir wollen aufsteigen, darauf liegt der volle Fokus. Alles andere ist jetzt uninteressant“, sagt er.
Tesche sieht sein Team auf einem guten Weg. „Wir lassen mit unserer defensiven Kompaktheit wenig zu, sind im Umschaltspiel deutlich besser geworden und machen vorne nun auch die Tore“, sagt der Mann mit dem großartigen Auge und der guten Übersicht für das Kombinationsspiel, der zuletzt wieder mehr Einsatzzeiten von Trainer Timo Schultz erhielt: Etwa zuletzt bei Hoffenheim II, wo er mit seiner Ballsicherheit dazu beitrug, den knappen 1:0-Vorsprung nach Hause zu bringen.
„Selbst spielen ist am Schönsten - das haben auch alle berichtet, mit denen ich gesprochen habe. Aber danach ist es dann anders schön“, sagt Tesche. Ein weiterer Aufstieg nach 2023 in seinem ersten Jahr im VfL-Trikot könnte natürlich ein krönender Abschuss seiner großen aktiven Karriere sein. Aber so oder so darf man auch über den Sommer hinaus gespannt sein, wie Tesches Weg im Fußball weitergeht.