Osnabrück-Hellern Von klein auf immer da: Wie ein Osnabrücker Bruder-Trio für seinen Hof Amelingmeyer lebt
Vom Schweinehof zum Pferdestall: Der Hof Amelingmeyer hat sich in 200 Jahren stark verändert, eine Sache ist aber gleich geblieben – der Hof ist familiengeführt. Wie drei Brüder ihrem Hof treugeblieben sind.
Ein lauer Frühlingsabend, die Sonne steht tief hinter der Reithalle des Hofs Amelingmeyer. Auf dem Gelände sind einige Reiter unterwegs – Kinder, die eine Trainingsstunde haben, und Erwachsene, die nach der Arbeit ihr Pferd ausreiten. Immer wieder hört man Pferdewiehern.
Zu den Anfangszeiten konnte man statt Wiehern noch Grunzen hören. Die Geschichte des Amelingmeyer-Hofs beginnt nämlich bereits um das Jahr 1822. Lange Zeit war er ein klassischer landwirtschaftlicher Betrieb – der Fokus lag vor allem auf der Schweinezucht. Erst über hundert Jahre später wurde er zu einem Reiterhof. „Unsere Eltern sind früher selbst geritten und dadurch war der Bezug zu den Pferden eigentlich auch immer da“, erklärt Jens Amelingmeyer.
Er ist mit 49 Jahren der Älteste von drei Brüdern – Jens, Mark und Heiner Amelingmeyer. Alle drei sind hier gemeinsam aufgewachsen und auch heute noch auf dem Familienhof tätig. Sie haben die Entwicklung des Hofs und auch des Hoflebens miterlebt. Weg von dem landwirtschaftlichen Nutzen, hin zu einer Stätte, auf der Kinder reiten lernen, alte Pferde ihren Ruhestand genießen, Springreiter über die Hindernisse gleiten und Dressurpferde rhythmisch traben.
Hier vermischen sich Hobby- und Turnierreiter – junge Reitpferde, aber auch „Rentner“-Pferde. Die Besitzer können quasi jederzeit auf den Hof kommen, weshalb hier fast durchgängig Betrieb ist. So sei über die Jahre eine enge, fast familiäre Reitgemeinschaft auf dem Hof gewachsen, erklärt Jens Amelingmeyer.
Die Pferde waren ursprünglich ein Hobby der mittlerweile verstorbenen Mutter Ingrid Amelingmeyer. Mit der Zeit entschied sich die Familie dann, den Fokus auf die Pferdezucht und den Reitsport zu legen. Der Hof veränderte sich: Es wurden Ställe umgebaut und neue Gebäudeteile errichtet. Der Reiterhof wurde nicht am Reißbrett entworfen, er ist organisch gewachsen. Mittlerweile gibt es eine Reitanlage mit zwei Reithallen, einem Dressurplatz, einer Rennbahn und einem Geländeplatz.
Seit 2004 findet dort jedes Jahr das Turnier vom PSV Hellern statt, in diesem Jahr am 11. und 12. April. Früher noch als eines der wenigen Vielseitigkeitsturniere in der Region, hat es sich seit Corona gewandelt: Heute liegt der Fokus vor allem auf dem Nachwuchs und auf dem Dressur- sowie Springreiten. Der Aufwand dafür sei deutlich geringer, wie Jens Amelingmeyer erklärt. Er ist Vorsitzender des Vereins. „Den großen Geländeplatz haben wir ja da, der wird über das Jahr auch immer wieder aufgehübscht und vielleicht sagen wir irgendwann: ‚Okay, wir wollen doch mal gerne wieder eine Vielseitigkeit machen.‘ Also das ist jetzt nicht abgehakt.“
Jens Amelingmeyer ist früher selbst aktiv geritten. Neben seiner Arbeit in einem Ingenieurbüro engagiert er sich vor allem beim PSV Hellern und hilft nach seiner Arbeit auf dem Hof der Familie mit. Noch mehr Zeit auf dem Gelände verbringt sein Bruder Heiner. Er ist derjenige, der den Hof hauptgewerblich leitet und gemeinsam mit seinem Vater Heinrich – der ebenfalls auf dem Hof arbeitet – dort wohnt.
Für Heiner Amelingmeyer beginnt der Tag bereits um 6.30 Uhr, wie er sagt. Die Pferde müssen gefüttert werden, danach werden die Ställe eingestreut. Über den Tag werden die Pferde raus auf die Weide gebracht und auch wieder in den Stall geführt. Abends werden sie dann erneut gefüttert.
Der Jüngste aus dem Brüder-Gespann ist Mark Amelingmeyer. Der 35-Jährige ist auch der einzige noch aktive Turnierreiter unter den dreien. Er arbeitet im selben Ingenieurbüro wie sein großer Bruder und hilft anschließend ebenfalls auf dem Hof. Sein Fokus: die Ausbildung von Jungpferden. „Es ist jeden Tag eine neue Herausforderung: Jedes Pferd hat einen eigenen Charakter, auf den man sich einstellen muss.“, erklärt er.
Die drei Brüder hat es nie weit weggezogen von ihrem Hof. Seit ihrer Kindheit leben sie hier oder zumindest in unmittelbarer Nähe und das hat sie zusammengeschweißt. Selbst als Jens Amelingmeyer für drei Jahre in Leipzig lebte, kam er am Wochenende nach Hause zurück, um auf dem Hof zu sein. „Weil es ja der eigene Betrieb ist, ist man dann natürlich auch ganz anders involviert. Klar hat man sich auch mal gekabbelt, aber man kann immer wieder abends zusammen ein Bier trinken“, erklärt er.
„Wir können uns auch mal die Köppe einschlagen und trotzdem zusammen Mittag essen“, ergänzt Mark Amelingmeyer lachend. Wenn es um den Hof geht, ist der Übergang zwischen Hobby, Beruf und Passion fließend für die Brüder. Und der Nachwuchs ist bereits gesichert. Denn auch Jens Amelingmeyers Tochter Nike reitet bereits mit ihrem Pony über den Geländeplatz.