Osnabrück Frederik Christensen und der VfL Osnabrück haben ein „Match“ - aber hält die Beziehung?
Der Frederik Christensen ist beim VfL Osnabrück Stammkraft auf der linken Seite. Zusammengefunden haben der Däne und der VfL über einen speziellen Weg. Ob Christensen über den Sommer hinaus bei den Lila-Weißen bleibt, ist aber noch nicht entschieden.
Es gab keine Zeit zu verlieren. Direkt nach dem Testspiel gegen Bundesligist Borussia Mönchengladbach am vergangenen Donnerstag (2:2) ging es für Frederik Christensen in die Heimat. Der linke Flügelverteidiger des VfL Osnabrück wollte endlich mal wieder nach Hause. Fast 600 Kilometer sind es von Osnabrück bis ins Herzen Dänemarks, wo die Wurzeln des 23-Jährigen liegen. „Es war toll, endlich mal wieder ein paar Tage bei der Familie zu sein“, sagt Christensen, der seit seinem Wechsel nach Deutschland im vergangenen Sommer nur über Weihnachten Zeit zuhause verbrachte.
Die Sehnsucht nach der Heimat ist da - und trotzdem fühlt sich Christensen in Osnabrück wohl. „Ich kann mich über nichts beschweren. Ich spiele viel, wir haben Spaß in der Mannschaft und außerhalb des Platzes habe ich mit meiner Freundin ein gutes Leben hier“, berichtet der freundliche und höfliche Mann im - typisch Skandinavier - perfekten Englisch.
Dass er die deutsche Sprache aus der Schule kannte und sein Bruder Gustav zuvor bei Hertha BSC aktiv war und aktuell in Ingolstadt spielt, machte die Anpassung ans neue Land leichter. Die Verständigung in der Mannschaft fällt deshalb nicht so schwer, zumal mit Bjarke Jacobsen (Däne) und Lukas Jonsson (Schwede) zwei weitere Skandinavier beim VfL unterwegs sind. Der Wunsch, nach Deutschland zu wechseln, bestand für Christensen schon länger.
Auch deshalb wurde er im Sommer auf transferroom.com angeboten - einer Art „Fußball-Datingplattform“, auf der sich wechselwillige Spieler, transferwillige Clubs und Berater zum Einfädeln der Deals gegenseitig finden können. Daniel Latkowski, Technischer Direktor des VfL, wurde so auf Christensen, beim schwedischen Erstligisten IF Brommapojkarna in Stockholm unter Vertrag, aufmerksam. Und bislang ist es durchaus ein „Match“ zwischen den Lila-Weißen und ihm.
Denn: Christensen hat sich festgespielt beim VfL. 25 Einsätze sammelte er bislang, 16 Mal stand er in der Startelf von Trainer Timo Schultz (zwei Tore, drei Vorlagen). In den letzten sechs Partien bekam er fünf Mal den Vorzug vor der Konkurrenz aus Kevin Schumacher, Tony Lesueur oder auch Ismail Badjie. „Bislang ist es genau das, was ich erwartet habe“, sagt Christensen über sein erstes Jahr im neuen Land. „Der Spielstil hier passt gut zu mir, weil mir das Läuferische und die Intensität, gerade in meiner Rolle, sehr gefällt. So kann ich meine Qualitäten zeigen.“
Dazu zählen einerseits seine Dynamik und das Gefühl für offensive Räume, andererseits aber auch die Bissigkeit im Zweikampf - und in Osnabrück dazu gewonnene Fähigkeiten. „Es war immer mein Spiel, offensiv zu sein“, erklärt Christensen. „Aber ich habe hier von Timo im defensiven Teil meiner Position deutlich dazugelernt, gerade wenn es darum geht, kompakt zu stehen und als Dreier- oder Fünferkette gut zu funktionieren.“
Der Trainer selbst sieht hier ebenfalls einen wesentlichen Entwicklungsschritt. „Er schafft es inzwischen häufiger, in die Zweikämpfe zu kommen“, erklärt Schultz. „Manchmal ist er noch zu gierig und spielt gegen gute Gegner zu häufig Foul. Aber er ist zuverlässiger geworden im Kettenverhalten.“ Und weil zu den Qualitäten an beiden Seiten des Feldes auch noch gute Standards mit dem linken Fuß hinzukommen, bilanziert Schultz: „,Freddy‘ ist ein Spieler, der wesentlich zu unserem Erfolg beiträgt.“
Bleiben noch zwei Fragen. Erstens: Schafft Christensen mit dem VfL den ersten Aufstieg seiner noch relativ jungen Karriere? Zweitens: Bleibt er über den Sommer hinaus in Osnabrück? Während der 23-Jährige an der Beantwortung der ersten Frage tatkräftig helfen kann, gilt das für die zweite nur bedingt. Möglichst gute Leistungen helfen, klar. Aber es spielen auch noch andere Dinge eine Rolle.
Der VfL besitzt eine Kaufoption, um ihn von Brommapojkarna fest zu verpflichten. Eine Entscheidung, ob sie das auch tun werden, hat das Kaderplanungsgespann um Direktor Fußball Joe Enochs und Latkowski noch nicht gefällt. Zwar ist man im Verein grundsätzlich mit Christensen zufrieden, es bleibt aber noch eine Abwägungssache aus Leistung, Ablöse und Ligazugehörigkeit - bislang ohne Ergebnis. Und der Spieler selbst? Äußert sich diplomatisch. „Über die Zukunft sprechen wir sicher in den nächsten Wochen, wenn wir ein bisschen näher am Saisonende sind“, sagt er. „Natürlich mag ich es hier, aber wir werden sehen, was passiert.“