Osnabrück  Der rosa Osterhase von Osnabrück: Eine süße Tradition bekommt eine tiefe Bedeutung

Janis Sophie Grosser
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Von Janis Sophie Grosser
| 01.04.2026 18:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In sein Osterhasen-Kostüm schlüpft Dennis Menn am Ostersonntag. Er rollt damit auf Skatern durch Osnabrück und verteilt Ü-Eier an Kinder. Foto: Thomas Wuebker
In sein Osterhasen-Kostüm schlüpft Dennis Menn am Ostersonntag. Er rollt damit auf Skatern durch Osnabrück und verteilt Ü-Eier an Kinder. Foto: Thomas Wuebker
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Dennis Menn sammelt Spenden für brandverletzte Kinder. Am Wochenende verteilt er als rosa Osterhase wieder Ü-Eier in der Osnabrücker Innenstadt.

Wenn ein lebensgroßer, pinker Hase auf Inlineskates durch die Osnabrücker Innenstadt rollt und Überraschungseier verteilt, ist klar: Die Ostertage sind wieder da. Hinter dem Kostüm steckt der 34-jährige Dennis Menn, der mit seiner Aktion nicht nur ein Lächeln in die Gesichter seiner Mitmenschen zaubern möchte, sondern in diesem Jahr auch Spenden für Kinder mit Brandverletzungen sammelt. Eine weitere Spendenaktion zugunsten des Kaufs seiner Überraschungseier soll das Verschenken einer größeren Menge ermöglichen.

Die Idee zum skatenden Hasen entstand in der Corona-Pandemie, die Menn rückblickend als „recht düstere Zeit“ beschreibt. „Weil ich einfach ein paar Leute zum Lachen bringen wollte, habe ich das Hasenkostüm angezogen und bin damit einfach mal durch Osna geskatet.“ Ein Video in den sozialen Medien, in dem jemand Schokoladeneier verschenkte, inspirierte ihn schließlich dazu, selbst aktiv zu werden. Als er bemerkte, dass die spontane Aktion gut ankam, stand für ihn fest: „Das ziehe ich weiter durch“.

Was im Jahr 2022 noch ganz klein mit nur 20 Eiern begann, wuchs schnell zu einem Herzensprojekt heran: „Es ist irgendwie immer größer geworden.“ Im vergangenen Jahr konnte er durch finanzielle Unterstützung aus seinem privaten Bekanntenkreis bereits Eier im Wert von 500 Euro für die Osnabrücker kaufen und verteilen.

In diesem Jahr steht die Aktion jedoch im Zeichen einer ernsten Sache. Auslöser war eine flüchtige Begegnung im vergangenen Jahr: Menn traf in der Hektik des Eierverteilens in einer Eisdiele auf ein kleines Mädchen mit Brandverletzungen. „Das hat mich total berührt“, erklärt er, „ich hätte mir da einfach gerne mehr Zeit genommen. Da habe ich noch lange drüber nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen: Genau das möchte ich gerne fördern.“ Rückblickend hätte er gerne den Kontakt zu der Familie des Mädchens gesucht, doch dazu ist es leider nie gekommen.

Das Thema geht Menn nämlich persönlich sehr nah: „Ich habe ja selber ein paar Verbrennungen.“ Menn und sein Zwillingsbruder erlitten schwere Verbrennungen, als sie gerade einmal 20 Monate alt waren. In dem zum Camper umgebauten Wagen ihres Vaters kam es durch einen elektrischen Funken zu einer Gasverpuffung, bei der die brennende Teppichverkleidung der Decke auf die Kinder herabtropfte. „Wir haben ultra viel Glück gehabt, wir haben beide noch unser Augenlicht“, betont Menn. Dicke Winterjacken bewahrten sie an diesem Tag vor noch Schlimmerem.

Menn weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig familiärer Rückhalt ist, denn „gerade als Kind wird man ausgegrenzt“ oder schief angeschaut, wenn man sichtbare Narben trägt. Er selbst fand seinen emotionalen Halt bei seinem Zwillingsbruder, der sein Schicksal mit ihm teilte. Menns großer Wunsch ist es in diesem Jahr, mehr Sichtbarkeit und Unterstützung für brandverletzte Kinder zu schaffen. Um auch anderen betroffenen Kindern Hilfe zu ermöglichen, sammelt er Spenden für die Stiftung „Paulinchen“ – eine Initiative, die sich genau dafür einsetzt. „Da habe ich einfach eine Verbindung zu“, erklärt er.

„Mit sichtbaren Brandverletzungen steht man immer im Mittelpunkt. Deswegen fällt mir das vielleicht auch leichter, der Osterhase zu sein, weil ich es kenne“, schildert Menn. „Wenn ich irgendwo in den Raum gehe, gucken mich die Leute an. Und man merkt halt, man ist anders.“ Doch er zieht daraus auch Positives: „Man lernt so sehr früh, dass es nicht aufs Äußere ankommt. Und wenn man das gelernt hat, dann öffnet sich eine Tür zu viel Potenzial.“

In diesem Jahr bittet Menn ebenfalls erstmals um Spenden für die Finanzierung der Überraschungseier. Dabei sei ihm wichtig, klarzustellen, dass er die Messlatte von 500 Eiern aus dem Vorjahr keineswegs zwingend übertrumpfen möchte. Den Leistungsdruck habe er bewusst abgelegt. Ihm gehe es um die Geste dahinter, völlig unabhängig davon, wie viele Eier er am Ende tatsächlich verteilen kann. „Ich will mir da nicht so viel Druck machen. Was zusammenkommt, kommt zusammen“, sagt Menn. Viel wichtiger seien ihm Spenden für die Stiftung.

Die diesjährigen Schokoladeneier finanziert der Osnabrücker daher gezielt durch die separat gesammelten Spenden. Er betont: „Das gesammelte Geld wird ausschließlich für den Kauf der Überraschungseier verwendet.“ Bisher seien rund 100 Euro dafür zusammengekommen.

Wer den rosa Hasen live erleben möchte, hat am kommenden Wochenende die Gelegenheit dazu. Menn kündigt an, am Samstag von 14 bis 16 Uhr und am Sonntag von 13 bis 17 Uhr in der Stadt unterwegs zu sein. Um dem größten Stress zu entgehen, wird er die stark belebte Große Straße in diesem Jahr eher meiden und stattdessen in den Nebenstraßen innerhalb des Wallrings seine Runden ziehen. Es sei ein zu großer Stress, auf einer so vollen Straße Hunderte Kinder „wie am Fließband abfertigen“ zu müssen.

Menn könne sich jedoch vorstellen, die Aktion zukünftig auszuweiten, etwa auf weitere Skatergruppen in Osnabrück oder aber auch in anderen Städten, um langfristig mehr Menschen eine kleine Freude zu bereiten. Ob und wie die Aktion in Zukunft umzusetzen ist, hängt von der diesjährigen Resonanz ab.

Die Spendenaktion für die Paulinchen Stiftung läuft auch nach dem Eierverteilen noch, voraussichtlich bis zum 8. April.

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