Washington Anti-Trump-Demos: Der Iran-Krieg ist das falsche Argument
Millionen Amerikaner gehen bei No-Kings-Demos auf die Straße, getragen von der Empörung über den Iran-Krieg. Um Trump abzuwählen, sollten sie auf ein ganz anderes Argument setzen.
Jetzt auch noch Trumps Angriff auf den Iran. Mit fadenscheinigen Gründen und unklaren Zielen führt der Fifa-Friedenspreisträger den Krieg, den er nie führen wollte. Auch Amerikaner sterben, Milliarden werden verfeuert. Und eine Weltregion stürzt ins Chaos. Und das alles – so Trumps Sprecherin wörtlich –, weil der US-Präsident ein „faktenbasiertes Gefühl“ hatte. Wenn die No-Kings-Demonstranten noch einen Beweis für die Willkürpolitik Donald Trumps brauchten – hier ist er.
Zum dritten Mal waren Millionen von Amerikanern auf der Straße gegangen, um ihren Präsidenten in demokratische Schranken zu weisen. Diesmal sollen es mehr denn je gewesen sein. Ein Hoffnungsschimmer, zumal der Krieg auch einzelne Republikaner skeptisch stimmt und mächtige Influencer von Trump abrücken. Politisch gefährlich wird das für ihn bislang allerdings nicht. Einen Antrag, seine Befugnisse in der Kriegsführung zu beschränken, haben beide Kammern des Parlaments abgelehnt.
Wie der Präsident selbst auf Proteste reagiert, ist ohnehin bekannt. Nach der letzten No-Kings-Demo setzte er sich in einem KI-Film selbst die Krone auf, in dem er seine Gegner als Jetpilot mit Gülle begoss. Die USA sind ein gespaltenes Land. Selbst wenn jeder einzelne Wähler der Demokraten Banner schwenkt, wird das die MAGA-Anhänger („Make America Great Again“) kaum umstimmen.
Trumps Menschenverachtung befriedigt die Rachlust von MAGA-Wählern, die sich selbst erniedrigt fühlen und die Erniedrigung anderer nur als gerecht empfinden. Und dabei ist es völlig egal, ob der Präsident das Gegenteil von dem tut, was er versprochen hat.
Um ihn abzuwählen, muss das liberale Amerika nicht nur geschlossen sein. Es muss auch die Trump-Gläubigen überzeugen. Ob Trumps Wechsel zum Interventionismus da ausreicht, darf man bezweifeln. Das Vertrauen der MAGA-Basis könnte nur eine fundamentale Einsicht erschüttern: Trump war nie einer der ihren. Argumente gäbe es genug, zum Beispiel dieses: Während viele seiner Wähler den Wocheneinkauf nicht mehr bezahlen können, ist Trumps Vermögen im ersten Jahr der zweiten Amtszeit um 2,7 Milliarden Dollar gewachsen. Im Sumpf, den er austrocknen wollte, lebt keiner besser als er selbst.