Osnabrück  Warum Nahverkehrsplaner Umweltspuren auf der Iburger Straße in Osnabrück kritisch sehen

Wilfried Hinrichs
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Von Wilfried Hinrichs
| 26.03.2026 05:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Mehrheit im Stadt von Osnabrück will eine Umweltspur für Busse und Radler auf der Iburger Straße einrichten. ÖPNV-Planer sehen das kritisch. Foto: Benjamin Beutler
Die Mehrheit im Stadt von Osnabrück will eine Umweltspur für Busse und Radler auf der Iburger Straße einrichten. ÖPNV-Planer sehen das kritisch. Foto: Benjamin Beutler
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Die Mehrheit des Osnabrücker Rates hat 2025 beschlossen, Umweltspuren für Busse und Radler auf der Iburger Straße einzurichten. Die Experten für den Nahverkehr halten davon wenig und schlagen einen Test vor.

Es war eine Entscheidung für Umwelt- und Klimaschutz: Die grün-rot-violette Mehrheit im Osnabrücker Rat beschloss im Juli 2025, Umweltspuren auf der Iburger Straße zu schaffen, die Busse und Radler vorbehalten sein sollen. So will die bunte Mehrheit den Bus attraktiver machen und Pendler zum Umsteigen bewegen. Doch die Sachverständigen des Nahverkehrs sehen die Umweltspuren kritisch.

Die Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück GmbH (Planos) und die Stadtwerke-Tochter SWO Mobil haben im September 2025 auf Bitten der Stadt eine Einschätzung abgegeben, wie sich eine „Busspur mit Fahrrad frei“ auf den Nahverkehr auswirken würden. Sie sind „skeptisch“, wie aus der schriftlichen Stellungnahme hervorgeht. Die Experten befürchten, dass die Radler die Busse ausbremsen würden.

Eine Busspur müsste mindestens 4,74 Meter breit sein, damit ein Busfahrer einen Radler gefahrlos überholen kann. Diese Breite steht auf den meisten Abschnitten der Iburger Straße nicht zur Verfügung oder wäre nur durch einen radikalen Straßenumbau mit Verzicht auf Parkstreifen umsetzber. Bei einer Spurbreite von weniger als 4,75 Meter sei der Busfahrer aber rechtlich verpflichtet, dem Radler langsam hinterher zu fahren, was einen deutlichen Zeitverlust bedeutete, so Planos und SWO Mobil.

Stadtauswärts dürfte der Zeitverlust der Busse nach Schätzung der Nahverkehrsplaner noch höher sein, weil die Iburger Straße ansteigt. Die Radfahrer, die über keine Elektrounterstützung verfügen, würden die Steigung nur langsam bewältigen können.

Busspuren mit Freigabe für den Fahrradverkehr gibt es im Stadtgebiet nur an einigen Stellen – und sie seien „aus ÖPNV-Sicht zu hinterfragen“, heißt es in der Stellungnahme. Die Busspur entlang der Natruper Straße könne wegen ihrer überschaubaren Länge von 750 Metern nicht als Maßstab herangezogen werden. Die Umweltspuren auf der Iburger Straße würden sich vom Rosenplatz bis Nahner Feld über zwei Kilometer erstrecken. Auch verkehrten auf der Natruper Straße deutlich weniger Busse und die Verkehrsbelastung sei mit jener auf der Iburger Straße nicht vergleichbar.

Die Iburger Straße ist ein wichtiger Nahverkehrsstrang in den Südkreis. Auf der Route verkehren die Buslinien 12, M5, 17, 158, 172 und die Südkreis-Linien 462 bis 469. Aktuell gibt es nach Angaben der ÖPNV-Fachleute keine gravierenden Probleme auf dem Streckenabschnitt zwischen dem Rosenplatz und der Haltestellte Paradiesweg in Nahne.

Als problematisch wird nur der Knotenpunkt am Marktkauf/Am Nahner Feld eingestuft. Die Ampel ist eine sogenannte Pförtnerampel, die die Zufahrt in die Stadt je nach Verkehrslage reguliert. Die Regionalbuslinien (462 bis 469) werden nach Angaben der ÖPNV-Planer in den Stoßzeiten massiv ausgebremst. Die Busse bräuchten mit den Autos oft mehrere Ampelphasen, bis sie die Kreuzung hinter sich lassen könnten.

Ein weiterer Konfliktpunkt stadteinwärts ist den Angaben zufolge der Abschnitt ab der Lutherkirche bis zur Haltestelle Rosenplatz (vor der Apotheke), wo sich der Verkehr in die Richtungen Rosenplatz, Johannisstraße oder Meller Straße sortiert.

Stadtauswärts gebe es zurzeit keine wahrnehmbare Konfliktpunkte. Einziges Hindernis seien Transporter und Kleinlaster, die zum Be- und Entladen auf der rechten Fahrspur halten müssten, weil es keine Ladezonen gebe.

Eine Busbeschleunigung kann nach Einschätzung der Verkehrsplaner eher durch eine Anpassung der Ampelsteuerungen erreicht werden, so wie auf der Bremer Straße geschehen.

Das Radweg-Problem könne damit nicht gelöst werden. Daher schlagen Planos und SWO Mobil vor, einen zeitlich begrenzten Testlauf mit einer Umweltspur für eine Richtung durchzuführen – und zwar mit einem breiten Fahrradstreifen, der für den Busverkehr freigegeben wird. Das wäre mit relativ geringem Aufwand umsetzbar.

Damit könnten die Auswirkungen für alle Verkehrsteilnehmer erprobt werden. Man gewänne auch Aufschluss darüber, wie ein- und ausparkende Autos den Ablauf auf der Umweltspur beeinflussten, und ob es Konflikte mit Rechtsabbiegern, parkenden Autos und links abbiegenden Radfahrern gäbe.

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