Osnabrück  Álvarez erinnert sich: Der VfL Osnabrück und die Parallelen zum Aufstieg 2019

Malte Artmeier
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Von Malte Artmeier
| 25.03.2026 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
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Der VfL Osnabrück steuert in der 3. Fußball-Liga dem Aufstieg entgegen. Bei den Fans werden Erinnerungen wach an die Meisterschaft im Jahr 2019 - denn es gibt einige Parallelen. Diese sieht auch Marcos Álvarez, der gemeinsam mit Zeugwart Mario Richter in der aktuellen Folge des noz-Podcasts „Brückengeflüster“ zu Gast war.

Der VfL Osnabrück geht als Tabellenführer der 3. Liga in den Saisonendspurt und marschiert mit sechs Siegen in Folge dem siebten Zweitliga-Aufstieg in diesem Jahrtausend entgegen. Der wahrscheinlich souveränste von allen war bislang die Meisterschaft im Jahr 2019. Kurioserweise gibt es eine offensichtliche Parallele zwischen der damaligen Saison und der aktuellen: Nach 30 absolvierten Partien hat der VfL momentan 61 Punkte auf dem Konto - genau wie 2019. Außerdem hat er zu diesem Zeitpunkt genau den gleichen Vorsprung vor dem Zweiten: Damals stand der Karlsruher SC bei 55 Zählern, heute ist es Rot-Weiss Essen mit der exakt gleichen Punktzahl.

Doch es gibt noch mehr Parallelen von damals zu heute - und Marcos Álvarez, der 2018/19 mit elf Toren einen gehörigen Anteil am Aufstieg hatte, hat sie in der aktuellen Ausgabe des noz-Podcasts „Brückengeflüster“ ausgeführt. „Diese Saison erinnert mich schon sehr an die Zeit, die wir damals hatten“, sagt der 34-Jährige. Warum?

„Es ist über die ganze Saison schon die defensive Stabilität, mit der die Mannschaft mega umgeht“, sagt Álvarez über die größte Stärke der aktuellen Mannschaft. Damals wie heute stellt der VfL Osnabrück die beste Abwehr der 3. Liga. Diese Stabilität ist die Basis für den Erfolg. 2018/19 kassierte er sogar noch weniger Gegentore als aktuell: 22 waren es zum gleichen Zeitpunkt vor sieben Jahren, 26 sind es in der laufenden Spielzeit. Interessant dabei: „Zu Null“ spielten die Lila-Weißen in dieser Saison deutlich öfter. 2018/19 blieben die Osnabrücker in der gesamten Saison 16 Mal gegentorlos, diese Marke hat Lukas Jonsson nach dem 1:0-Sieg in Hoffenheim bereits erreicht. Zum gleichen Zeitpunkt 2019 waren es zwölf Zu-Null-Spiele.

Am Ende der Saison kassierte der VfL übrigens 31 Gegentore (56 erzielte Tore), holte 76 Punkte und hatte trotz drei Niederlagen zum Abschluss sechs Zähler Vorsprung auf die Relegation.

In der aktuellen Saison gehören sieben Profis zur festen Achse des VfL: Torwart Lukas Jonsson, die Innenverteidiger Jannik Müller und Niklas Wiemann, Rechtsverteidiger Patrick Kammerbauer, Zentrumsspieler Bjarke Jacobsen sowie Lars Kehl und Robin Meißner in der Offensive. Sie alle haben bereits mehr als 2000 Einsatzminuten gesammelt - und sofern sie fit sind, steht außer Frage, ob sie am Wochenende in der Startelf stehen.

Das war 2019 ähnlich. Die Innenverteidigung um Adam Susac und Maurice Trapp wechselte fast nie, Bashkim Ajdini war rechts hinten gesetzt, genauso wie Marc Heider im Angriff. Das Mittelfeld aus David Blacha und Ulrich Taffertshofer war das Herzstück der Mannschaft. Diese Achse wurde ergänzt durch Kreativköpfe wie eben Álvarez oder Anas Ouahim - und Winterneuzugang Benjamin Girth, der in der Rückserie neun Mal traf. Eine eingespielte Achse, die nicht nur sportlich voranging, sondern die Mannschaft auch führte, war damals wie heute ein entscheidender Faktor.

„Ich habe letztens einen Spruch von Trainer Timo Schultz gelesen“, sagt Álvarez im „Brückengeflüster“: ,Team bedeutet: Together everyone achieves more ‘ (Zusammen erreicht jeder mehr). Das war unter Daniel Thioune auch einer der Leitfäden.“ 2019 und 2026 zeichnet sich die Mannschaft über den Zusammenhalt aus, der nicht nur auf dem Platz am Wochenende, sondern auch im Training und sogar darüber hinaus sicht- und spürbar ist. Laut Álvarez ein wesentlicher Erfolgsfaktor: „In der 3. Liga kannst du nur über dieses Teamgefüge kommen.“

Ein Aspekt dieses Gefüges: Dass jeder seine Rolle akzeptiert und Leistung bringt, wenn er gebraucht wird. Exemplarisch ist das aktuell an David Kopacz zu sehen, der zu Beginn der Rückserie mehrfach nicht im Spieltagskader stand, nun aber in vier Startelfeinsätzen in Serie je ein Tor schoss. 2019 habe es eine ähnliche Story mit Steffen Tigges gegeben, erinnert sich Álvarez an den Doppelpack des heutigen Paderborner Stürmers beim 3:0-Sieg in Kaiserslautern am 30. Spieltag. Auf diese Weise habe „jeder das Gefühl dazuzugehören“, sagt Álvarez. „Und wenn man dieses Gefühl hat, akzeptiert man auch mehr.“ VfL-Zeugwart Mario Richter, mit Álvarez gemeinsam zu Gast im „Brückengeflüster“, nennt dies ein „riesengroßes Faustpfand, das wir 2019 auch hatten.“

Im Erfolg stehen Trainer im Fußball naturgemäß im Fokus - und Daniel Thioune nimmt durch seine Historie als gebürtiger Osnabrücker, der selbst als Spieler das VfL-Trikot trug, sicher eine Ausnahmestellung ein. Und dennoch gibt es durchaus Parallelen inhaltlicher und charakterlicher Art zu Timo Schultz in dieser Saison. „Beide sind sehr klar in ihren Ansprachen, sehr souverän“, erklärt Álvarez. „Man hat das Gefühl, dass egal, was passiert: Sie nehmen das auf, verarbeiten das und haben sofort einen neuen Plan.“

Unterschiede zwischen den beiden sieht er aber auch. „Wir haben sehr viele Systeme variiert. Wir konnten taktisch alles spielen“, erinnert sich der Freistoßkünstler an die Saison vor sieben Jahren. „Jetzt hat der VfL ein Konstrukt, auf dem sie alles aufgebaut haben und das funktioniert auch.“ Außerdem sei Thioune „ein etwas emotionalerer Typ. Timo ist immer so abgeklärt und locker. Vielleicht freut er sich eher so nach innen.“ Ein Jubelsprint, wie von Thioune damals gleich mehrfach gesehen, sei noch ausgeblieben, sagt Álvarez. Vielleicht aber erleben ihn die Osnabrücker, wenn der VfL am Ende das gleiche schafft wie 2019: den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

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