Osnabrück  Großprojekt in der Wüste: Was Bürger zum neuen Hoffmeyer-Carrée sagen – und fürchten

Christoph Beyer
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Von Christoph Beyer
| 25.03.2026 05:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Einst Seifenfabrik, jetzt Brache, bald Neubau: An der Ecke Rehmstraße/Lange Straße im Osnabrücker Stadtteil Wüste soll bald das Hoffmeyer Carrée in die Höhe wachsen. Im Bürgerforum gab es auch sorgenvolle Stimmen. Foto: Christoph Beyer
Einst Seifenfabrik, jetzt Brache, bald Neubau: An der Ecke Rehmstraße/Lange Straße im Osnabrücker Stadtteil Wüste soll bald das Hoffmeyer Carrée in die Höhe wachsen. Im Bürgerforum gab es auch sorgenvolle Stimmen. Foto: Christoph Beyer
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Das Hoffmeyer-Carrée ist ein Großprojekt im Osnabrücker Stadtteil Wüste. Im Bürgerforum wurden nun Befürchtungen laut: Die Anwohner haben Angst vor einer Gentrifizierung.

Jahrzehntelang prägte der stattliche Ziegelbau der ehemaligen Seifenfabrik Frömbling die Ecke Rehmstraße/Lange Straße im Stadtteil Wüste. Im Juni 2025 begann der Abriss, inzwischen ist die Fläche leer. Vier große Gebäude sollen in bis zu zwei Jahren Bauzeit auf dem 5.300-Quadratmeter-Grundstück entstehen, in diesem Frühjahr soll der Bauantrag für das Hoffmeyer-Carrée eingereicht werden. Doch im Bürgerforum Wüste und Kalkhügel wurden nun Ängste der Anwohner laut.

Gentrifizierung der vorderen Wüste – diese Befürchtung äußerte ein Anwohner. Und verwies dabei nicht nur auf das geplante Hoffmeyer-Carrée, sondern auch auf mehrere Airbnb-Wohnungen in der Langen Straße. „Wir selbst sind zwar Eigentümer, aber viele befreundete Mieter befürchten durch diese Kombination einen Anstieg der Mieten“, berichtete der Mann.

Sabine Steinkamp von der städtischen Kontaktstelle Wohnraum versuchte zu beruhigen; sie rechne nicht mit einem solchen Effekt. Doch sie erläuterte auch: Aufgrund des fehlenden Bebauungsplans sei es in diesem Viertel nicht möglich, Quoten für den sozialen Wohnungsbau vorzugeben. Das Thema bezahlbarer Wohnraum in der vorderen Wüste stehe aber auf der Agenda der Stadt, betonte sie. So berate die Stadt etwa Investoren zu Förderungen durch die N-Bank, um günstigen Wohnraum schaffen zu können. Und der qualifizierte Mietspiegel, der in Arbeit ist und Anfang 2027 fertiggestellt sein soll, soll künftig Mietern und Vermietern eine Grundlage bieten.

44 Mietwohnungen sollen in zwei der vier Gebäude des Hoffmeyer-Carrées entstehen – und die würden positive Effekte auf die Wohnraumversorgung haben, sagte Steinkamp. Denn ein Problem in Osnabrück: Der Pro-Kopf-Verbrauch von Wohnraum ist hoch. Steinkamps Beispiel: Viele ältere Mitbürger wohnen im mittleren oder höheren Preissegment auf zu viel Fläche. Genau hier könnte neuer Wohnraum, wie er im Hoffmeyer-Carrée geschaffen werde, für Abhilfe sorgen: Diese Wohnungen könnten Ältere motivieren, aus ihrem Einfamilienhaus auszuziehen – so käme Wohnraum für Familien auf den Markt. „Wir brauchen insgesamt gute Angebote, damit so ein Wechsel passiert, und dafür müssen wir Bewusstseinsbildung leisten“, sagte Steinkamp.

Die Attraktivität des Hoffmeyer-Carrées ergebe sich auch aus dem Mietermix. Denn neben Mietwohnungen sollen die vier Gebäude auch Büros und Praxen beherbergen. Die werden ebenfalls gebraucht, erläuterte Tobias Schubert, Geschäftsführer der planenden Lani Immobilien GmbH, der auch zum Bürgerforum gekommen war: Für den benachbarten Medi-Park an der Parkstraße gebe es eine lange Warteliste von Mietinteressenten.

Auch Schubert warb für das Projekt, verwies auf die hohe Aufenthaltsqualität, die die zum Hoffmeyer-Platz hin ausgerichtete Bäckerei mit Café bringen soll. „Ein idealer Standort, wo die Kinder spielen können, während Mutter oder Vater in Ruhe einen Kaffee trinken“, so der Lani-Geschäftsführer. Doch auch dazu wurde im Bürgerforum eine kritische Stimme laut: Dieser neue Laden könnte einen negativen Effekt auf die alteingesessene Bäckerei in unmittelbarer Nähe haben, befürchtete ein Teilnehmer – und fragte nach, ob dies bei der Planung berücksichtigt worden sei. Wurde es, informierte Schubert: „Wir haben den betreffenden Bäcker an der Rehmstraße als Ersten gefragt, ob er sich bei uns ansiedeln möchte. Aber die Antwort ist negativ beschieden worden.“ Ein Mietvertrag mit einem anderen Betreiber ist bislang aber auch noch nicht unterschrieben.

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