Hoffenheim VfL Osnabrück: Der Glaube an den Aufstieg wird größer und größer
Vom Aufstieg singen sie noch nicht, aber die Melodie haben die Fans vermutlich schon im Kopf. Nach dem 1:0 bei der TSG Hoffenheim II und dem sechsten Sieg in Folge wird der Glaube bei Mannschaft, Trainer und dem Umfeld des VfL Osnabrück an den Aufstieg in die 2. Bundesliga immer größer. Warum es klappen kann.
Timo Schultz gilt nicht als großer Sprücheklopfer. Der Trainer des VfL Osnabrück fällt eher durch seine ostfriesische Nüchterheit auf - gepaart mit einem gewissen Witz. Am Samstag nach dem 1:0-Sieg seiner Mannschaft gegen die TSG Hoffenheim II kam dieser einmal mehr zum Vorschein. „Ich hoffe, dass wir uns nächste Saison nicht wiedersehen“, sagte Schultz zu Stefan Kleineheismann und lachte. Der Trainer der TSG wusste, was gemeint war. Der Satz ging nicht gegen ihn. Auch nicht gegen seine Truppe oder den Standort. Er bedeutete nur eins: Der Glaube an den Gang des VfL in die 2. Fußball-Bundesliga wird immer größer.
Schon vor ein paar Wochen hatte Schultz die Hoffnung daran selbstbewusst vorgetragen. „Natürlich wollen wir aufsteigen“, hatte der Trainer, der im Sommer zum VfL kam, auf entsprechende Medienfragen nach dem Saisonziel reagiert. Kein „wir müssen“. Aber ein Wille, den seine Mannschaft seit Monaten in sich trägt und seit der Rückrunde in beeindruckender Manier verdeutlicht.
In Hoffenheim war er in der ersten Halbzeit besonders sichtbar. Mit Spiel- und Kombinationsfreude, mit Tempo und Zielstrebigkeit agierte der VfL bei der Mannschaft, die ihm in der Hinrunde die höchste (0:4) Niederlage beigebracht hat. Im Winter verlor die Zweitvertretung des Bundesligisten ihre besten Spieler. Doch das ist nicht der Hauptgrund, weshalb die Partie diesmal gänzlich anders verlief.
„Der VfL ist für mich die beste Mannschaft der Liga“, befand Kleineheismann und der Satz war weniger eine Entschuldigung für die Niederlage als ein Lob an einen Gegner, der in den vergangenen Monaten eine enorme Entwicklung vollzogen hat. Ein stabiles Gerüst wurde gefunden, daneben haben sich viele Spieler entwickelt, die immer dann da sind, wenn sie gebraucht werden. In Hoffenheim etwa Yigit Karademir, der auf der rechten Innenverteidigerposition Robin Fabinski ersetzte. Der 21-Jährige hatte zuletzt Ende Januar gegen Saarbrücken gespielt, danach saß er siebenmal auf der Bank, zweimal auf der Tribüne.
In Hoffenheim war Karademir zur Stelle, genauso wie abermals David Kopacz, der Anfang des Jahres fünfmal nicht im Kader gestanden hatte. Bei der TSG erzielte er sein viertes Tor im vierten Spiel in Folge - zum dritten Mal war es das so wichtige 1:0. Die Liste ließe sich weiterführen, das Gerüst aufzuzählen, das von Torwart Lukas Jonsson über Innenverteidiger Jannik Müller, die Mittelfeldspieler Fridolin Wagner und Lars Kehl bis in die Spitze zu Stürmer Robin Meißner reicht. Jeder in der Mannschaft trägt aktuell zur Erfolgsserie bei. Denn der VfL lebt weniger von einzelnen Spielern, die ihn tragen, sondern von seiner Geschlossenheit.
Wichtigstes Merkmal: Die Mannschaft macht kaum gravierende Fehler. In Hoffenheim unterlief dem VfL nur ein dickerer Patzer. Ein unsauberer Kontakt von Kevin Wiethaup, der zu einer der wenigen Torchancen der Gastgeber führte - allerdings ohne Erfolg. Zum 16. Mal spielte der VfL am Ende zu Null. Zum sechsten Mal in Folge gewannen die Osnabrücker.
Die beeindruckende Rückrundenbilanz: Neun Siege, zwei Unentschieden, keine Niederlage, 24 erzielte und nur fünf kassierte Tore. Wehen Wiesbaden und 1860 München stellen die zweitbesten Defensiven der Liga im Jahr 2026 - beide haben doppelt so viele Gegentore kassiert. Noch acht Spieltage gilt es zu bestreiten. Rückschläge können noch passieren. Dass sie gravierend ausfallen, ist nur schwer vorstellbar. In der gesamten Saison kassierte der VfL erst einmal zwei Niederlagen in Folge. So stabil wie die Mannschaft auf dem Platz agiert, so stabil punktet sie auch.
Mit 61 Zählern stehen die Osnabrücker nun auf dem ersten Tabellenplatz. Der Vorsprung auf den zweiten Rang beträgt sechs Punkte. Die Parallelen zu einer der erfolgreichsten Saisons in der Geschichte des VfL werden immer sichtbarer: Im Frühjahr 2019 standen die Osnabrücker nach 30. Spieltagen ebenfalls an der Tabellenspitze mit 61 Zählern, der Karlsruher SC hatte 55. Nach dem letzten Spieltag hatte der VfL 76 Punkte auf dem Konto. Die letzten drei Partien waren verloren gegangen, doch der Gang in die 2. Bundesliga stand längst fest.
In der Saison zuvor hatte die Mannschaft ebenfalls gegen den Abstieg gekämpft. Die Lage war nicht ganz so dramatisch wie vergangenes Jahr, doch auch damals folgte auf eine Spielzeit voller Sorgen eine Saison voller Freude.
Ein Klassiker ist im Frühjahr 2019 entstanden, den vermutlich alle Fans des VfL noch im Kopf haben dürften. Er handelt vom lila-weißen Licht und dem festen Glauben an den Aufstieg. Noch singen sie es nicht, aber der Glaube daran, dass es gelingen könnte, wird stärker - und ein oder andere dürfte die Melodie zuletzt sicher schon ein paarmal vor sich hingesummt haben.