Osnabrück 20 Cent für ein Lächeln: Der Witzeautomat von Osnabrück
Der 13-jährige Julius sammelt über 200 Witze, um Menschen zum Lachen zu bringen – und verkauft sie in seinem Witzeautomaten. In Osnabrück hilft jeder 20-Cent-Witz nebenbei auch lokalen Hilfsprojekten.
Einst waren sie ein fester Bestandteil des Straßenbildes an Hausfassaden und Tante-Emma-Läden und zogen Kinder magisch an: die leuchtend roten Kaugummiautomaten, die nach dem Einwurf eines Groschens und dem Drehen der Kurbel klebrige Süßigkeiten oder kleine Schätze freigaben. Auch wenn diese nostalgischen Automaten heute fast gänzlich verschwunden sind, feiert das Retro-Design in Osnabrück nun ein ganz besonderes Comeback – allerdings mit einem völlig neuen Inhalt: Witzen.
Die treibende Kraft hinter diesem sympathischen Projekt ist der 13-jährige Julius Knoll, unterstützt von seiner Mutter Ulrike. Als großer Witzefan hat der Teenager mittlerweile über 200 lustige Scherzfragen und Kurzgeschichten gesammelt. Angefangen hat alles auf dem Koffermarkt in der Lagerhalle, wo er seine in gut lesbarer Handschrift auf bunte Zettel geschriebenen Witze einzeln oder als Adventskalender am Stand seiner Mutter verkaufte.
Der überraschende Erfolg bestärkte ihn in seiner einfachen, aber wirkungsvollen Motivation: „Ich möchte die Menschen zum Lachen bringen.“ Seine Mutter ergänzt treffend, dass dieser Gedanke gerade in unserer heutigen, oft von Krisen geprägten Zeit besonders schön und wertvoll ist.
Um den Menschen das ganze Jahr über ein Schmunzeln entlocken zu können, suchten Mutter und Sohn nach einer dauerhaften Lösung. Inspiriert von ähnlichen Projekten in Städten wie Nürnberg, Dortmund und Witzenhausen, erwarben sie mit viel Engagement ein rot-weiß lackiertes Metallgehäuse mit zwei Innenautomaten. Die Kunststoffkugeln darin bestücken sie liebevoll mit Witzen oder mit bunten, beschrifteten Papiersternen.
Die Suche nach einem passenden Standort führte sie zur Katholischen Familienbildungsstätte in Osnabrück. Die dortige Leiterin, Juliane Huesmann, sei sofort begeistert von der Idee gewesen, und so steht der Automat seit Mitte Oktober vergangenen Jahres im Foyer der Einrichtung, wo er kleine und große Besucher erfreut.
Schon für den Einwurf einer 20-Cent-Münze erhält man im Handumdrehen eine Kunststoffkapsel. Darin verbergen sich erheiternde Zeilen wie etwa: „Was sagte der Baumeister, als er den Grundstein für den Schiefen Turm von Pisa legte? Wird schon schiefgehen.“ oder „Was macht ein Drache im Fußballstadion? Er feuert die Spieler an.“
Doch der Automat sorgt nicht nur für gute Laune, sondern bewirkt auch handfest Gutes. Ein Großteil der erzielten Einnahmen kommt lokalen gemeinnützigen Organisationen zugute, darunter der Ambulante Kinderhospizdienst, die Kindertafel und die Kindermahlzeit. Und auch an die Umwelt ist gedacht: Wer seinen Witz gelesen hat, kann die leere Kapsel einfach in eine Sammelbox auf dem Automaten werfen, sodass sie im Sinne der Nachhaltigkeit wieder neu befüllt werden kann.