Hasbergen  Ausstellung im Augustaschacht in Hasbergen: Wie gehen junge Ukrainer mit dem Krieg in ihrem Land um?

Thomas Wübker
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Von Thomas Wübker
| 21.03.2026 16:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mehrere Künstler haben an dem Bild „Virabhadrasana“ mitgearbeitet. Es zeigt, wie junge Menschen in der Ukraine mit dem Krieg umgehen. Das Werk ist in einer Ausstellung im Augustaschacht in Hasbergen zu sehen, die am Sonntag eröffnet wird. Foto: Thomas Wübker
Mehrere Künstler haben an dem Bild „Virabhadrasana“ mitgearbeitet. Es zeigt, wie junge Menschen in der Ukraine mit dem Krieg umgehen. Das Werk ist in einer Ausstellung im Augustaschacht in Hasbergen zu sehen, die am Sonntag eröffnet wird. Foto: Thomas Wübker
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Dass Kriege Leid und Schmerz verursachen, wird tagtäglich in den Nachrichten sichtbar. Wie junge Menschen aus der Ukraine mit Krieg umgehen und was er bei ihnen auslöst, zeigt ab Sonntag, 22. März, eine Ausstellung im Augustaschacht in Hasbergen.

In der Mitte des Gemäldes mit dem Titel „Virabhadrasana“ sind die Schemen einer Frau in der titelgebenden Yoga-Pose zu erkennen. Sie versucht, die Balance zu halten. Um sie herum spielen sich Szenen ab, die Wut ausstrahlen. Eine rote Axt trifft auf ein blau-gelbes Wolken-Konstrukt; zwei Wesen, von denen eins wie ein Totengräber aussieht, schlagen mit Hammer und Sichel auf ein Auge. Dieses Gemälde hat die 22-jährige Künstlerin Liza Holubiem aus Lwiw zusammen mit sechs jungen Menschen fertig gestellt. „Es zeigt, wie wir in einem kollektiven Schmerz im Krieg leben“, erklärt sie.

„Der Krieg ist in Lwiw nicht so präsent wie zum Beispiel in Donezk“, so Holubiem. Aber die Menschen in der West-Ukraine leben mit Raketen und Shaheds, wie sie sagt. Dies sind iranische Drohnen, die die russische Armee nutzt, um die Zivilbevölkerung und die Infrastruktur des Landes anzugreifen. Auch in ihrer Heimatstadt leben die Menschen ohne Elektrizität, sagt sie weiter.

Immer noch fliehen viele Menschen aus der Ukraine, berichtet die Künstlerin. Für die Fahrt von Lwiw nach Hasbergen habe sie 24 Stunden benötigt. Sieben Stunden wurde sie an der polnischen Grenze aufgehalten, weil ihr Auto durchsucht wurde und der Andrang groß war.

In Lwiw lebt Liza Holubiem davon, Mode-Videos zu drehen und im Marketing zu arbeiten. Die 22-Jährige hat mit anderen jungen Menschen in dem Projekt „Meine Spur“ mitgearbeitet, das drei Jahre lang Workshops in der Ukraine und im Augustaschacht in Hasbergen-Ohrbeck in Kooperation mit dem Kinderhilfswerk Terre des Hommes durchgeführt hat. Die Ergebnisse dieser Workshops sind in der Ausstellung „Lichtbrechung. Ukrainische Jugendliche über Leben im Krieg“ zu sehen. „Darin haben Jugendliche gelernt, ihre Erfahrungen mit dem Krieg auszudrücken“, erklärt Dr. Michael Gander, Geschäftsführer der Gedenkstätte Augustaschacht.

Manche Exponate kommen auf den ersten Blick unschuldig und harmlos daher. Doch dahinter verbergen sich zum Teil tragische Schicksale. Der 25-jährige Künstler Mykyta Tokarschuk aus Kiew hat zum Beispiel ein Foto aus seinen Kinderjahren benutzt, um die Geschichte seines Urgroßvaters zu erzählen. Das Bild zeigt beide in einer fröhlichen Situation, die anscheinend bei einer Weihnachts- oder Geburtstagsfeier entstanden ist.

Der Urgroßvater von Tokarschuk war im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiter in Gladbeck. Diese Information holt den Betrachter dann plötzlich aus der scheinbar so fröhlichen Situation in die vergangene Realität der Augustaschachts, wo vor über 80 Jahren ebenfalls Zwangsarbeiter aus der Ukraine und anderen osteuropäischen Ländern unter jämmerlichen Bedingungen schuften mussten. Tokarschuk hat das Elend der Zwangsarbeiter in anderen Fotocollagen dokumentiert.

Nicht alle Arbeiten des dreijährigen Projekts können in der Ausstellung in der Gedenkstätte in Ohrbeck gezeigt werden. Einige sind auch auf der Internetseite des Projekts „Meine Spur“ zu sehen. Dort zeigt die Fotografin Anny Gareeva beeindruckende Fotos. Sie und ihr Ehemann, der als Soldat diente, können nicht über das sprechen, was er im Krieg erlebt hat. Durch die Fotos gelingt es ihnen, die Kommunikationslosigkeit zu überwinden.

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