Osnabrück  Osnabrück plant den Stadtverkehr neu – und jeder kann jetzt mitreden

Wilfried Hinrichs
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Von Wilfried Hinrichs
| 21.03.2026 05:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Es ist manchmal eng auf Osnabrücks Straßen. Der Mobilitätsfahrplan will das Mit- und Nebeneinander von Radlern, Autofahrern, Buskunden und Fußgängern neu regeln. Das Foto entstand 2025 auf dem Wallring am Heger Tor. Foto: Michael Gründel
Es ist manchmal eng auf Osnabrücks Straßen. Der Mobilitätsfahrplan will das Mit- und Nebeneinander von Radlern, Autofahrern, Buskunden und Fußgängern neu regeln. Das Foto entstand 2025 auf dem Wallring am Heger Tor. Foto: Michael Gründel
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Die Stadt Osnabrück erstellt einen Mobilitätsfahrplan. Mitte 2027 soll er vorliegen und konkrete Maßnahmen definieren, wie und wo der Verkehr in Osnabrück besser werden kann. Jeder ist aufgerufen, seine Ideen einzubringen.

Die Aufgabe ist riesig, die Resonanz noch etwas mau. Die Hälfte der etwa 100 Stühle im ehemaligen Lokschuppen blieb leer, als die Stadt Osnabrück am Donnerstag, 19. März, die Öffentlichkeitsbeteiligung am Mobilitätsfahrplan startete. Wer sich über den Verkehr in Osnabrück aufregt, hat jetzt die Möglichkeit, seine Kritik zu äußern und Verbesserungsvorschläge zu machen.

Der Mobilitätsplan nimmt alle Verkehrsträger in den Blick, die Osnabrück zu bieten hat: Fahrrad, Auto, Busse, Bahn – und die eigenen Beine. Ein vergleichbares Konzept zur Verkehrsplanung stammt nach Angaben der Stadt aus dem Jahr 2010 und ist veraltet. Das Projekt wird von der Europäischen Union gefördert, der Prozess wird von externen Agenturen professionell begleitet.

„Wir stehen vor der Aufgabe, in einer gewachsenen Stadt mit begrenztem Raum Mobilität neu auszuhandeln“, sagte Stadtbaurat Thimo Weitemeier, als er am Donnerstag im ehemaligen Lokschuppen (Innovatorum) die Öffentlichkeitsbeteiligung eröffnete.

In dieser ersten von drei Phasen wird der Ist-Zustand erfasst. Die Experten der beauftragten Beratungsbüros PTV Transport Consulting und IGS/P3 Agentur werten alle verfügbaren Daten zur Mobilität in der Stadt aus. Hinzu kommen die Ergebnisse aus der Bürgerbeteiligung. In Phase zwei werden konkrete Maßnahmen definiert, die in der dritten Phase umgesetzt und in ihrer Wirkung überprüft werden.

Die etwa 60 Teilnehmer der Auftaktveranstaltung nutzten rege die Möglichkeit, auf Pappzetteln die „Stärken/Chancen“ sowie die „Schwächen/Risiken“ des Osnabrücker Straßengeschehens darzustellen. „Als Radfahrerin hat man Angst“, stand dort zum Beispiel oder: „Schlechte und gefährliche Radinfrastruktur“. Aber auch: „Eigentlich ist Osnabrück eine spannende, attraktive Stadt“ mit einer „engagierten Bürger*innenschaft“.

Unter den Teilnehmern war auch Urban Tepe, Fahrradaktivist bei „Kettenreaktion“ und Mitglied von Pro Stadtbus. Er begrüßt das Beteiligungsformat, ließ aber auch Zweifel durchklingen, dass die Vorschläge aus der Bürgerschaft wirklich ernst genommen werden. „Das geht immer gut los und dann hört man irgendwann nichts mehr davon“, sagte er, während er einen Zettel feststeckte mit der Aufschrift „schlechte und gefährliche Infrastruktur (siehe Iburger)“. An einer anderen Stellwand hing ein gelber Karton: „Bisher habe ich ‚Beteiligung‘ häufig als ‚Feigenblatt‘ erlebt“.

Nein, als „Feigenblatt“ ist die Bürgerbeteiligung ganz und gar nicht gedacht, wie aus den Worten von Julian Wulf von der Firma PTV herauszuhören war. Die Stimme der Bürger nimmt einen großen Teil im Planungsprozess ein. Voraussetzung ist aber, dass sich die Bürger einbringen. Das geht ab sofort auch digital. Auf der Seite www.osnabrueck.de/mobilitaetsfahrplan kann jeder seine Wünsche, Ideen und Anregungen zu Protokoll geben.

Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Bürgerbeteiligung findet am Freitag, 10. April, von 16.30 Uhr bis 20 Uhr im ICO an der Albert-Einstein-Straße 1 in Osnabrück statt. Das Thema: der Radverkehr in Osnabrück. Anmeldung unter der E-Mail-Adresse radverkehr@osnabrueck.de oder über die Webseite zum Osnabrücker Fahrrad-Dialog.

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