Berlin  Die Risse im „Geheimplan“-Bericht von „Correctiv” nehmen zu

Dr. Philipp Ebert
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Von Dr. Philipp Ebert
| 19.03.2026 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Der Text „Geheimplan gegen Deutschland“ sorgte bundesweit für Aufsehen. Hunderttausende demonstrierten gegen die AfD. Foto: Panama Pictures/picture alliance/Christoph Hardt
Der Text „Geheimplan gegen Deutschland“ sorgte bundesweit für Aufsehen. Hunderttausende demonstrierten gegen die AfD. Foto: Panama Pictures/picture alliance/Christoph Hardt
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Eine investigative Recherche von „Correctiv“ löste 2024 große Demonstrationen aus. Doch es gab bereits früh harte Kritik an dem Bericht. Jetzt sind die Autoren ein weiteres Mal vor Gericht unterlegen. Warum das fatal ist.

„Geheimplan gegen Deutschland“ heißt der Text, der 2024 Hunderttausende Demonstranten mobilisiert hat. Der Artikel rekonstruiert ein Treffen, an dem Aktivisten der rechtsextremen Szene sowie AfD- und CDU-Politiker teilnahmen.

Laut „Correctiv“ hatte bei dem Treffen der frühere Kopf der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ in Österreich, Martin Sellner, ein Konzept zur „Remigration“ vorgestellt.

Renommierte Journalisten wie der Leiter der Henri-Nannen-Schule, Deutschlands berühmteste Reporterschmiede, hatten schon früh fundamentale Kritik an dem Bericht geübt. Und bereits jetzt finden sich unter dem Text sechs redaktionelle Hinweise auf Korrekturen, die teils gerichtlich angeordnet wurden.

Nun nehmen die Gründe, der Darstellung zu misstrauen, weiter zu: Ein Berliner Gericht hat „Correctiv“ abermals gerüffelt und drei weitere Aussagen verboten. Unter anderem darf nicht wiederholt werden, es sei um einen „Masterplan zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern“ gegangen. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

„Correctiv“ sagt dazu, lediglich „zwei journalistische Wertungen“ seien angegriffen worden, nicht aber der „unbestrittene Faktenkern“. So viel unbeirrbares Selbstbewusstsein angesichts wiederholter gerichtlicher Niederlagen ist beneidenswert. Oder borniert.

Dass eine etwas drögere, aber akkurate Darstellung ihrer Recherchen nötig gewesen wäre: Auf diese Einsicht darf man bei „Correctiv“ wohl nicht mehr hoffen. Und das, obwohl sich die in Teilen öffentlich finanzierte und als gemeinnützige GmbH steuerlich privilegierte Truppe als „größtes gemeinwohlorientiertes Medienhaus“ bezeichnet. Ganz so, als dienten Medienhäuser in Privatbesitz, die das Rückgrat des deutschen Lokaljournalismus bilden, nicht dem Gemeinwohl.

Dass sich die „Correctiv“-Autoren wohl von ihrer eigenen Gesinnung davontragen ließen, ist bedauerlich, weil die AfD ja tatsächlich eine kritische journalistische Begleitung erfordert. Es sei beispielhaft nur an die spielerische Verharmlosung von Nazi-Parolen durch Björn Höcke erinnert oder an die Vorwürfe des Postengeschachers insbesondere im niedersächsischen Landesverband.

Aber Reporter, die zumindest manchmal die Faktentreue einer steilen These opfern, erweisen ihrem wichtigen Amt in der Demokratie einen Bärendienst.

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