Osnabrück  Junge Wilde der TSG Hoffenheim II erzeugen Chaos - sorgt der VfL Osnabrück diesmal für Ordnung?

Benjamin Kraus
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Von Benjamin Kraus
| 19.03.2026 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bester Torschütze der TSG Hoffenheim II, hier beim wichtigen Sieg in Ulm: Deniz Zeitler (links). Foto: imago/nordphoto
Bester Torschütze der TSG Hoffenheim II, hier beim wichtigen Sieg in Ulm: Deniz Zeitler (links). Foto: imago/nordphoto
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In der Vorrunde brachte die TSG Hoffenheim II dem VfL Osnabrück die höchste Saisonniederlage beim 4:0-Auswärtssieg an der Bremer Brücke bei. Im Winter aber folgte ein gewaltiger Aderlass im Talentschuppen - nun stellt die TSG II das zweitschlechteste Rückrundenteam. Wieso das Team für die Lila-Weißen dennoch gefährlich bleibt.

Nur vier Punkte aus zehn Rückrundenspielen: Der TSG Hoffenheim II als nächster Gegner des VfL Osnabrück an diesem Sonntag (13.30 Uhr, Dietmar-Hopp-Stadion) sind nach einem bemerkenswerten Herbst-Höhenflug als Neuling im Kalenderjahr 2026 die Flügel gestutzt worden. Im Kraichgau dürfte man froh sein über das große Punktepolster (31), das sich das Team in der Vorrunde zugelegt hat - und darüber, dass die letzten vier Teams der Liga aktuell ebenso bemerkenswert schlecht punkten. Und, dass im Schlüsselspiel beim SSV Ulm 1846 beim 3:1-Wendesieg - der bis dato einzige Rückrundenerfolg - der wohl entscheidende Schritt zum Klassenerhalt gelungen ist.

Der Absturz der Rückrunde ist allerdings auch erklärbar mit einem gewaltigen Kader-Aderlass im Winter, den die Verantwortlichen zwar in Kauf genommen, möglicherweise aber auch etwas unterschätzt haben. Allen voran ist da der Verkauf von Flügelflitzer Ayoube Amaimouni-Echghouyab zu nennen: Mit kolportieren 200.000 Euro hat Eintracht Frankfurt ein echtes Schnäppchen gemacht mit dem 21-jährigen Außenbahnspieler, der nun in der Bundesliga spielt und für Hoffenheim II neun Tore und sieben Vorlagen geliefert hat - unter anderem ein Tor und eine Vorlage beim 4:0-Sieg in Osnabrück.

Abseits davon gab es drei weitere Abgänge: Stürmer David Mokwa (21 Jahre, 3 Tore) schloss sich Zweitligist SV Elversberg für über 1,5 Millionen Euro Ablöse an. Dazu verließ, neben Abwehrtalent Gianluca Pelzer, in Ruben Reisig (29 Jahre, für 100.000 Euro zu RW Essen) einer der wenigen erfahrenen Stammspieler im defensiven Mittelfeld die TSG. Damit ist der vor allem als Influencer bekannte Nader El-Jindaoui der einzige Akteur mit regelmäßiger Einsatzzeit, der älter ist als 23 Jahre - möglicherweise auch ein Grund für den Leistungseinbruch im Kraichgau-Talentschuppen.

Qualität und Potenzial ist allerdings nach wie vor Riesiges vorhanden im Team von Trainer Stefan Kleineheismann: Etwa bei Kapitän Valentin Lässig (23) im defensiven Mittelfeld, mit dem der Klub jüngst den Vertrag langfristig verlängert hat, ebenso mit dem erst 18-jährigen Rechtsverteidiger Luca Erlein. Säulen des Teams sind zudem die Mittelfeldspieler Luka Duric (22) und Paul Hennrich (21) als weitere Eigengewächse, die sich in der 3. Liga etabliert haben - und natürlich der wieselflinke Stürmer Deniz Zeitler.

Der im Sommer vom FC Ingolstadt für eine Million Euro verpflichtete 19-Jährige hatte schon in der Vorsaison dem VfL das Fürchten gelehrt mit einem überragenden Auftritt beim 4:2-Sieg im November 2024 im Zusammenspiel mit Stoßstürmer Sebastian Grönning (inzwischen Hertha BSC). Zum Zeitpunkt von Zeitlers Auswechslung nach 62 Minuten hatte Ingolstadt 4:0 geführt - auch ein gewisser David Kopacz hatte damals für den FCI getroffen.

Für Hoffenheim II hatte Zeitler auch im Hinspiel an der Bremer Brücke ein Tor gemacht: Mit zwölf Saisontreffern ist das große Talent, das auch beim wichtigen 3:1 in Ulm doppelt erfolgreich war, aktuell bester Schütze der TSG-Youngster vor Hennrich und Duric. Bis dato stand Zeitler in jedem Spiel der Hoffenheimer auf dem Platz - als einziger TSG-Akteur in einem Team mit bis dato 40 eingesetzten Saisonspielern. Das ist mit Abstand Liga-Topwert vor Stuttgart II und Ulm (35). Der VfL hat mit 25 Akteuren bis dato die zweitwenigsten Fußballer eingesetzt.

Auf Unterstützung aus dem Bundesliga-Kader baut Trainer Kleineheismann abseits der Startphase in die Saison allerdings vergleichsweise selten: Vor dem Hinspiel hatte der Einsatz der aus dem Bundesliga-Kader gestrichenen und inzwischen verkauften Dennis Geiger (nun Aberdeen FC) und Mergim Berisha (nun 1. FC Kaiserslautern) zur Debatte gestanden - Kleineheismann verzichtete auf die gestandenen Spieler des aktuellen Tabellendritten der Fußball-Bundesliga, die nur zeitweise bei ihm trainierten.

Der erstmals in der 3. Liga als Trainer tätige frühere Verteidiger gibt seinen Youngstern auch in der aktuell schwierigen Phase den Raum, sich zu entwickeln und genießt dabei den Rückhalt der Klubverantwortlichen. Über die gesamte Saison gesehen ist das durchaus erfolgreich: Die TSG II produziert Talente, zeigt als Team Spielfreude - und ist aufgrund ihrer flexibel-chaotischen Spielanlage mit überfallartigen Angriffen nach vorn ein Gegner, der dem vorwiegend auf Struktur und Spielruhe bedachten VfL nicht wirklich liegt.

Zudem dürften sie im Kraichgau auch auf das Gesetz der Serie bauen, das klar für die TSG spricht: Alle drei Pflichtspiel-Duelle zwischen den beiden Klubs gingen klar an die Hoffenheimer. Abseits des 0:4 im Hinspiel gegen die TSG-Reserve konnte der VfL auch den Durchmarsch des von vielen Hopp-Millionen alimentierten Dorfklubs in die Bundesliga in der Saison 2007/08 nicht stoppen: Es setzte zwei klare Pleiten beim 0:3 an der Bremer Brücke und beim 1:3 in Hoffenheim. Der VfL hat also deutlich was gutzumachen, wenn er als Spitzenreiter der 3. Liga am Sonntag zum Tabellen-15. reist.

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