Auricher Nähwerkstatt Mit Nadel und Faden für den guten Zweck
Zwischen Nähmaschinen und Stoffspenden wird aus Altem Neues gemacht. In der Nähwerkstatt im Kaufhaus am ZOB in Aurich treffen sich Frauen zum Upcyclen, Nähen und Austauschen – bei Kaffee und Tee.
Aurich - Ein Plakat im Schaufenster des sozialen Kaufhauses am ZOB in Aurich hat Rosita Bilus und Petra Hanke neugierig gemacht. „Nähwerkstatt – Nähen für den guten Zweck“ steht da. Dieser Satz brachte die beiden Frauen, die ganz unterschiedliche Lebenswege haben, nicht nur zusammen, sondern sorgte auch dafür, dass sie heute gemeinsam Gutes tun – und dabei ihrer Leidenschaft fürs Nähen nachgehen.
Die Nähstube liegt hinter dem Verkaufsraum und der kleinen Kaffeeküche. Und genau dort rattern an jedem zweiten Mittwoch die Maschinen der Nähwerkstatt. Aber nicht, um eine Hose zu flicken oder einen Knopf anzunähen. Es geht um Gemeinschaft, um neue Ideen, um Nachhaltigkeit und um Projekte, die am Ende anderen zugutekommen. Hier trifft sich eine kleine Runde von etwa sechs Frauen, mal mehr, mal weniger regelmäßig – und mittendrin: Rosita Bilus und Petra Hanke.
Upcycling mit Herz
Auch zu Hause nähen Rosita und Petra fleißig. In ihrem eigenen Nähzimmer fertigt Petra viel Kleidung für ihre Enkelkinder – „eigentlich alles, außer Unterwäsche und Regenkleidung“. Rosita ist ebenfalls breit aufgestellt und holt sich im Internet neue Inspirationen. In der Nähwerkstatt setzen die Frauen auf Upcycling: Aus Altem wird Neues. Sie arbeiten mit gespendeten Materialien und das Genähte wird später verkauft. Die Erlöse werden gespendet.
Sie nähen mal auf Anfrage, mal passend zu Feiertagen. Aktuell entsteht das Osterprojekt: kleine Hühnchen, die als Deko auf Kanten sitzen und die Beinchen baumeln lassen, sowie Beutel, die an Hasen erinnern. Rosita erzählt von einer früheren Sammelaktion, bei der die Gruppe um Unterstützung gebeten wurde: „Bei der Sternenaktion ging es darum, diabeteskranken Kindern, die nicht mit zur Klassenfahrt konnten, stattdessen eine Zirkuswoche zu ermöglichen.“
Besondere Momente und Wertschätzung
„Für mich sind die schönsten Momente zu Weihnachten im Hirtenstall“, erzählt Petra. Dort stellt die Nähwerkstatt alljährlich ihr Weihnachtsprojekt aus. Wenn die Menschen kommen und die genähten Sachen gegen zum Teil sehr großzügige Spenden abnehmen, sei das laut der 69-Jährigen „immer so die Bestätigung: ‚Ja, das hat sich gelohnt.‘“ Denn insgesamt dürfe man den Wert der Werke nicht an der Arbeitszeit festmachen – man würde mit Wertschätzung für die Einzelstücke entlohnt.
Ein ganz besonderes Highlight war für Rosita ihr Geburtstag im vergangenen Jahr. Der fiel zufällig auf den Mittwoch in einer geraden Kalenderwoche. Wegen ihrer MS-Erkrankung sei sie sehr erschöpft in der Nähwerkstatt angekommen. „Und dann haben sie mir Ständchen gesungen. Das war so süß“, erzählt die heute 75-Jährige. Die Wertschätzung für ihr Engagement ist groß, berichtet Petra: „Rosita bringt sich ganz viel ein, sie hat ständig neue Ideen.“
„Kreative Frauen können nicht still sitzen“
Im Februar ist Rosita schon seit vier Jahren in der Nähwerkstatt aktiv. Als wäre es nicht genug, einem produktiven Hobby nachzugehen und auch noch etwas Gutes zu tun – nein, für sie steckt noch mehr dahinter: „ zusammenzusitzen, sich auszutauschen, gegenseitig Vorschläge zu machen.“
Petra schließt sich dem an. Sie sagt: „Kreative Frauen können nicht still sitzen“. Nähen sei für sie wie Yoga. Das könne sie zwar auch zu Hause, aber: „Hier ist diese Stimmung, und es gibt immer einen Cappuccino oder einen Tee.“ Für beide bringt die Arbeit in der Nähwerkstatt innere Zufriedenheit und Ausgeglichenheit, weil man etwas Schönes geschaffen hat. Der Wunsch für die Zukunft? Auch da sind sie sich einig: „Dass das hier noch lange erhalten wird.“